Wie Theresia Perauer den Mord an ihrem Sohn Michael verarbeitet

Vorarlberg / 09.11.2020 • 05:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Theresia Perauer den Mord an ihrem Sohn Michael verarbeitet
Theresia Perauer lässt ihren ermordeten Sohn Michi durch zahlreiche Aktivitäten weiterleben. Sein Todestag jährt sich bald zum zweiten Mal.

Bücher schreiben, Gedenkstätte initiieren: Theresia Perauer will dem Mord an ihrem Michi einen Sinn geben.

Bregenz Bald jährt es sich zum zweiten Mal, dass der damals 21-jährige Michael Perauer in Innsbruck von einem geisteskranken Afghanen brutal ermordet wurde. Ein Ereignis, das nicht nur Vorarlberg erschütterte, sondern viele Menschen darüber hinaus. Eltern, Schwester und andere Verwandte wollten Michaels Tod nicht einfach so hinnehmen. “Unser Michi soll nicht sinnlos gestorben sein”, betont Mutter Theresia immer wieder. “Wir möchten seine Botschaft der Versöhnung und des Miteinanders transportieren. Denn Michi war ein herzensguter Mensch, der nicht gewollt hätte, dass wir mit Hass in unseren Herzen weiterleben.”

Bewusster leben

Viel in diesem Sinne hat Theresia Perauer in diesem zwei Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolfgang, Tochter Lisa und Wolfgangs Schwester Sabine gemacht. Sie pflegt den Kontakt mit Michaels Freunden, sie findet Trost in ihrer Religion, sie schreibt ein Buch über das einschneidende Ereignis und hat gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden die Errichtung einer Gedenkstätte gegen Gewalt in Innsbruck initiiert.

“Wir sind jetzt in einer Phase des Annehmens des Todes von Michi, und wir begreifen die Notwendigkeit, unser eigenes Leben selbstständig weiterzuführen”, sagt die Mutter des Ermordeten. Trotzdem bleibt ihr Sohn eine Orientierung für das tägliche Leben. “Ich lebe bewusster, sehe kaum mehr fern, lese und schreibe. Ich liebe die Ruhe und das tiefe Reflektieren, das ich mit meinem Glauben verbinde.”

Das erste Buch über den Umgang mit dem schrecklichen Ereignis hat Theresia Perauer bereits fertiggeschrieben. Es sollte Anfang kommenden Jahres erscheinen, aber nicht in den Verkauf gelangen. “Ich möchte dieses Buch bewusst nur jenen zur Verfügung stellen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie wir, sowie guten Freunden und Bekannten. Dieses Buch beinhaltet sehr viel Schmerz. Ein zweites Buch soll sich dann ausschließlich mit Michi beschäftigen. Das wäre dann für alle, die es wollen, zu haben.”

Sammelaktion

Ein weiteres Projekt mit starker Botschaft ist inzwischen auch bereits in Umsetzung. Es handelt sich um die Errichtung einer Gedenkstätte gegen Gewalt auf dem Areal der Dreiheiligenkirche in Innsbruck nahe des Tatorts. Der Lustenauer Künstler Udo Rabensteiner arbeitet an einer Skulptur, deren Entwurf bereits von Diözese und Stadt Innsbruck befürwortet wurde.

Die Perauers haben eine Sammelaktion zur Finanzierung des Projekts ins Leben gerufen und unter anderem auch Bischof Benno als Unterstützer gewinnen können.

Theresia Perauer erlebt die Entwicklung all ihrer Aktivitäten mit großer Freude. Sie geben ihr Kraft und Stärke. Diese Eigenschaften kamen ihr auch im letzten Sommer zugute, als sie ihre sterbenskranke Schwester bis zu deren Tod betreute. “Sie hatte große Angst vor dem Sterben. Ich konnte ihr Ruhe und Vertrauen vermitteln. Das war sehr schön.”

Der Schmerz über den Tod von Michi gelangt trotzdem gelegentlich an die Oberfläche. “Der Terrorakt von Wien hat die Erinnerungen an unser Schicksal wieder wach werden lassen. Du kannst mitfühlen, wie es jenen geht, die ihre Angehörigen verloren haben”, erzählt Theresia. Trost findet sie dann in Botschaften wie jener, welche die Schwester einer getöteten Frau veröffentlichte. Darin bittet diese, von Hass und Ausgrenzung Abstand zu nehmen. “Genau das versuchen wir auch.”

Theresia Perauer

Geboren: 26. September 1968

Wohnhaft: Bregenz

Beruf: Hausfrau

Familie: verheiratet, zwei Kinder

Hobbys: Lesen, Schreiben

Lieblingsspeise: Currygeschnetzeltes

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