Heimatliebe und Nächstenliebe

Vorarlberg / 10.11.2020 • 17:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nationalrat Franz Grubhofer (r.) mit Außenminister Bruno Kreisky 1962 im UNO-Hauptquartier in New York.
Nationalrat Franz Grubhofer (r.) mit Außenminister Bruno Kreisky 1962 im UNO-Hauptquartier in New York.

Vor 50 Jahren starb Nationalrat Staatssekretär Franz Grubhofer.

DORNBIRN Am 12. November 2020 jährt sich zum 50. Mal der Todestag des Dornbirner ÖVP-Politikers Franz Grubhofer. Er verstarb 1970 im Alter von 56 Jahren. Grubhofer vertrat von 1945 bis 1962 seine Partei im Nationalrat, in den Jahren 1956 bis 1961 war er im Kabinett von Bundeskanzler Julius Raab Staatssekretär im Bundesministerium für Inneres. Sein Leben war von den Grundsätzen der Heimatliebe und der Nächstenliebe bestimmt.

Heute, am 11. November, wird aus Anlass des 50. Todestages von Franz Grubhofer um 19 Uhr eine Gedenkmesse in Mühlebach zelebriert. Dabei wird auch eine von seiner Enkelin verfasste Gedenkschrift zur Verteilung kommen.

Ein Zeitzeuge, der Dornbirner Alt-Stadtrat Elmar Sohm (84), erinnert sich: „Ich habe Franz Grubhofer als einen Politiker erfahren dürfen, dessen Weg stets entlang einer in allen Lebenslagen praktizierten christlichen Sozialethik geführt hat. Wenn in der Politik um Fragen des Föderalismus gerungen wurde, versuchte Franz Grubhofer vielfach mit Erfolg, dem Subsidiaritätsprinzip zum Durchbruch zu verhelfen. In seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Vogewosi war das Gemeinwohlprinzip die für viele Wohnungswerber segensreiche Leitlinie seines Handelns.“

Und Sohm weiter: „Die bemerkenswerteste und größte Leistung des damaligen Staatssekretärs Franz Grubhofer aber war die Bewältigung des durch die Ungarn-Krise ausgelösten Flüchtlingsstroms nach Österreich.“

Geboren wurde Franz Grubhofer am 6. Februar 1914 in Dornbirn. Aus familiären Gründen musste er 1928 den Besuch der Realschule abbrechen. Sein Vater war als Schwerkriegsinvalide des Ersten Weltkrieges verstorben und sein älterer Bruder fiel einem Verkehrsunfall zum Opfer. So musste er als 14-Jähriger die Mutter unterstützen. Erst 1940 konnte er die Reifeprüfung nachholen.

Im Jahr 1928 begann er seine erste berufliche Laufbahn als Arbeiter und später Praktikant bei einem Dornbirner Textilunternehmen. 1934 eröffnete Franz Grubhofer ein Kleingewerbegeschäft und arbeitete auch in der Tabaktrafik seiner Mutter mit. Dieser wurde 1938 von den Nationalsozialisten die Lizenz entzogen. Anschließend wurde Franz Grubhofer zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Seinen ersten Fronteinsatz erlebte er im Polenfeldzug. Nach einer Verwundung leistete er in Russland und Italien Kriegsdienst. Nach dreimonatiger amerikanischer Kriegsgefangenschaft kehrte er 1945 nach Dornbirn zurück.

Frühes Interesse an Politik

Sein Interesse für Politik begann sehr früh. Er bildete sich zu unterschiedlichen Themen eine starke Meinung, die er auch bei Entscheidungen konsequent vertrat. Sogar gegenüber Bundeskanzler Raab. Selbst Alt-Bundeskanzler Bruno Kreisky hat ihn diesbezüglich noch in seinen Memoiren erwähnt.

Nach dem Krieg erledigte Franz Grubhofer besondere Aufgaben, mit denen er von leitenden Funktionären des ÖAAB betraut wurde. Durch seinen Fleiß, sein Verantwortungsbewusstsein, sein Einfühlungsvermögen und seine Begabung lenkte er die Aufmerksamkeit seiner Parteifreunde auf sich. Seine Fähigkeiten auf sozialpolitischem Gebiet machten ihn rasch zu einem der aktivsten Männer des ÖAAB.

Im Jahre 1945 wurde Franz Grubhofer – erst 31 Jahre alt – als jüngster Abgeordneter in den ersten Nationalrat der Zweiten Republik gewählt und später zum Staatssekretär im Innenministerium berufen. Als er in das Hohe Haus am Ring einzog, prägte sein väterlicher Freund Eduard Ulmer, der spätere Landesstatthalter von Vorarlberg, den Satz: „Von der Front an die Front“. Schon 1946 erreicht er im Nationalrat die Herabsetzung der Altersgrenze von 65 auf 60 Jahre bei weiblichen Versicherten und Witwen in der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Jahr 1947 war er Initiator bei der Beratung des Kollektivvertrags- und des Betriebsrätegesetzes. Grubhofer wurde auch stellvertretender Landesparteiobmann und Organisationsreferent der Vorarlberger ÖVP und Bundesobmann-Stellvertreter des ÖAAB. Im Jahre 1956 sah sich die österreichische Bundesregierung mit einer besonderen politischen und humanitären Herausforderung konfrontiert, nämlich dem Ansturm von 180.000 Flüchtlingen, die nach der gewaltsamen Niederschlagung des Ungarnaufstandes in Österreich Zuflucht suchten. Franz Grubhofer besuchte Flüchtlingslager und setzte sich mit ganzer Kraft für diese Menschen ein.

1961 referierte er über Flüchtlingsfragen vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg und machte Vorschläge zur Linderung der Flüchtlingsnot. Dabei trat er für eine Flüchtlingshilfe ein, die so lange fortgesetzt werden müsse, bis der Flüchtling eine feste Bleibe gefunden hat.

Auch im Jahr 1962 hielt Franz Grubhofer noch viel beachtete Reden im Europarat und bei der UNO in New York, in denen er zur Stellung des neutralen Österreich in Europa ausführte: „Neutral zu sein und Neutralität zu üben bedingt eine starke, gefestigte Gesinnung. Fehlt diese, so wird die Neutralität zum Spielball.“ Neben seinen politischen und parlamentarischen Aufgaben übernahm er viele Funktionen, wie u. a. die Präsidentschaft des Österreichischen Zivilschutzverbandes, die Obmannschaft des Österreichischen Bauordens, die des Aufsichtsratsvorsitzenden der Vogewosi, später Aufsichtsratsvorsitzender der AUA und Vorstandsdirektor der damaligen Privat- und Commerzbank AG. EE

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