Kampf für Flüchtlinge soll ganzes Land erfassen

Vorarlberg / 10.11.2020 • 20:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kampf für Flüchtlinge soll ganzes Land erfassen

Mitinitiator Gerhard Hofer (65) über die Beweggründe für das Engagement der Aktivisten.

LUSTENAU Gerhard Hofer (65), Journalist und Kommunikationsexperte, gehört zum Stamm jener Gruppe, die mit einer Reihe von aktionistischen Veranstaltungen die Solidarität mit Flüchtlingen in den griechischen Auffanglagern demonstrieren will. Zumindest 50 Flüchtlinge sollte Vorarlberg aufnehmen. Die erste Protestkundgebung fand in Lustenau statt, vier weitere werden in den kommmenden vier Wochen folgen.

 

Ihre Gruppe demonstriert mit symbolischen Zelten und Lesungen durch Schauspieler des Landestheaters. Wer hatte die Idee für diese Form des Protests?

Hofer Es sind dieselben Personen federführend tätig, die schon vor gut einem Jahr die „Uns reichts“-Kundgebungen organisiert hatten. Schriftstellerin Daniela Egger hatte den Kontakt mit den Schauspielern des Landestheaters, mir fiel das mit der Mahnwache ein. Und dann kamen eben auch noch die Zelte dazu. Wir wollten eine Alternative zum Format der reinen Kundgebung mit Reden. Das scheint uns gelungen.

 

Was wollen Sie erreichen?

Hofer Wir wollen die Politik dazu bringen, dass sie sich vor diesem Elend nicht einfach abwendet und so tut, als ginge sie das nichts an. Genau das ist ja jetzt der Fall. Wir wollen letztlich, dass die Veranstaltungen mit diesem Format über Vorarlberg hinaus von Bundesland zu Bundesland weitergetragen werden. Am Ende sollen Zelte mit der Aufschrift „Wir haben Platz“ den Ballhausplatz überziehen und es dort zu einer imposanten Kundgebung kommen. Das ist zumindest meine Vision, von der ich mir wünsche, dass sie Wirklichkeit wird. Mit Katharina Stemberger und Ostbahn Kurti haben wir zwei prominente Galionsfiguren, die sich für die Sache stark machen.

 

Worin besteht der Unterschied zu den Kundgebungen vor einem Jahr?

Hofer Außer vom Format, also der Form des Protests, gibt es inhaltlich kaum einen Unterschied. Es geht um Flüchtlinge. Es geht gegen die Angst, die viele vor fremden Menschen haben. Es geht um eine Bürgermanifestation für Menschlichkeit. Es geht aber auch darum, aufzuzeigen, dass Hilfestellung machbar und realistisch ist. Natürlich war der Aufschrei wegen des Flüchtlingslagers Moria in Griechenland die Initialzündung für all diese Aktivitäten.

Wie sehr werden all Ihre Aktivitäten durch Corona gebremst?

Hofer Corona macht das Ganze natürlich um einiges schwieriger. Es wären zur ersten Veranstaltung nach Lustenau auf den blauen Platz mehr Menschen gekommen, wenn es Corona nicht gäbe. Man muss sehr gut aufpassen. Aber wir können uns wenigstens schützen. In Flüchtlingslagern wie jenen in Griechenland können sich die Menschen nicht einmal schützen, weil sie viel zu eng aufeinander picken.

 

Wie viele Flüchtlinge sollte Österreich und Vorarlberg aus den griechischen Lagern aufnehmen?

Hofer Ich weiß nicht, wie viele für ganz Österreich infrage kämen. Für Vorarlberg wären es 50. Es ist ermutigend zu erleben, dass etwa die Spitzen der Gemeindepolitik in Lustenau, aber auch der Hohenemser Bürgermeister ihre Bereitschaft signalisiert haben, Menschen aus diesen Lagern aufzunehmen.

 

Können Sie verstehen, dass Menschen bei uns Angst haben, noch mehr fremde Menschen mit völlig anderen Wertesystemen bei uns aufzunehmen?

Hofer Ja, ich kann das verstehen. Es hängt natürlich immer von den Lebenszusammenhängen eines Einzelnen ab, wie jemand zu der Aufnahme von Flüchtlingen aus anderen Kulturkreisen steht. Und eines ist ja auch klar: Wir sind nicht diejenigen, die in die Welt hinausrufen: Kommt alle zu uns. VN-HK

„Wir können uns hier bei uns vor Corona schützen. In den Lagern ist das nicht möglich.“

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