Land stockt die ­Intensivbetten auf

Vorarlberg / 10.11.2020 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Land stockt die ­Intensivbetten auf

Kontakt auch mit Spitälern im grenznahen deutschen Raum aufgenommen.

Bregenz Appelle fruchten nicht, deshalb sollen es jetzt Zahlen richten, und die sehen im Zusammenspiel von Corona und Krankenhäusern nicht besonders gut aus. Aktuell werden 177 Covid-19-Patienten stationär behandelt, 30 davon intensivmedizinisch. Allein am Montag wurden sechs Neuerkrankte in die Spitäler gebracht. Noch sind 285 von 432 Normalbetten für Covidpatienten frei. Bei den Intensivbetten wird es schon enger. Von 51 waren am Montag nur noch 13 verfügbar. Deshalb erfolgt eine sofortige Erhöhung auf 63 Plätze. Das gaben Land und Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) im Pressfoyer nach der Regierungssitzung bekannt. Für den Fall des Falles wurde bereits mit Krankenhäusern im deutschen Einzugsbereich Kontakt aufgenommen, um eine mögliche Übernahme von Patienten abzuklären. Eine Rückmeldung steht laut Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher noch aus.

Überdurchschnittliche Auslastung

Zunehmend schlägt das Coronavirus aber auch Schneisen in den Personalstand der Krankenhäuser. Derzeit sind 98 Mitarbeitende positiv getestet, 90 in Absonderung. KHBG-Direktor Gerald Fleisch sprach von einer ernsten und herausfordernden Situation für alle in den Spitälern tätigen Personen. Um nicht allzu rasch in einen personellen Engpass zu geraten, werden vor allem planbare Operationen ab sofort reduziert. „Wir streichen nicht pauschal, sondern schauen uns jeden Fall genau an“, versicherte Fleisch und fordert Solidarität mit dem Personal ein. Im Normalfall verzeichnen die Intensivstationen eine Auslastung von 50 bis 70 Prozent. Derzeit liegt sie teilweise bei 100 Prozent.

Um gröberes Ungemach zu verhindern, haben Land und KHBG beschlossen, die Intensivkapazitäten auf 63 Plätze aufzustocken. Dafür werden Aufwachräume genutzt. In einem zweiten Schritt erfolgt, wenn nötig, eine Erhöhung auf 75 Plätze. Sollten die Einschränkungen nicht greifen, ist, wie mehrfach berichtet, spätestens Ende November bei den Intensivbetten das Ende der Fahnenstange erreicht. „Die Zahlen müssen herunter“, betonte Landeshauptmann Markus Wallner. Es gelte unter allen Umständen zu verhindern, dass Ärzte über Leben und Tod entscheiden müssten. Zwar gibt es auch dafür einen Plan, ihn anzuwenden, daran mag niemand denken, „und soweit sind wir noch lange nicht“, beschwichtigte der KHBG-Direktor.

Inzwischen läuft auch der Aufbau des Notversorgungszentrums im Messegelände auf Hochtouren. Schon bald könnten dort die ersten 50 Betten für Covidpatienten bereitstehen, die eine weniger intensive Betreuung benötigen. Die Nachverfolgung von Kontakten wurde in den vergangenen Tagen durch digitale Prozesse verstärkt. Einen Anruf vom Infektionsteam erhalten nur noch positive Personen. Für Kontaktpersonen gilt das in unklaren Fällen. „Bei den anderen Kontaktpersonen sind wir auf deren Zusammenarbeit angewiesen“, sagte Martina Rüscher, die außerdem verstärkte Kontrollen der Absonderungen ankündigte.

Tests ab Sonntag in Dornbirn

Ab kommenden Sonntag führt das Rote Kreuz die Testungen ebenfalls im Messeareal durch. Am Samstag gibt es in Röthis nur noch einen Notbetrieb. Zusätzlich zur PCR- gibt es in der Messehalle eine Antigenteststraße für Kontaktpersonen der Kategorie 1. Zudem wird das Personal am neuen Standort auf über 70 Personen aufgestockt. Rüscher und Wallner: „Wir unternehmen alles, um die steil nach oben gehende Kurve der Infektionen zu brechen, aber dafür braucht es die Hilfe aller.“ Das heißt im Klartext: Maske im öffentlichen Raum tragen sowie Abstands- und Hygieneregeln einhalten. VN-MM

„Bei allen anderen Kontaktpersonen sind wir auf deren Mitarbeit angewiesen.“

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