Die Post bringt allen was

Vorarlberg / 13.11.2020 • 19:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Post bringt allen was

Die Österreichische Post AG zieht seit einigen Jahren gegen den Vorarlberger Gewerkschafter Franz Mähr zu Felde. Man versuchte ihn loszuwerden, scheiterte und weigert sich nun, die Anwaltskosten der Gegenseite zu übernehmen. Die Post reiht sich damit unter etliche Unternehmen ein, deren Vorstände beim Wort „Betriebsrat“ entweder Schnappatmung bekommen oder die Rechtslage schlichtweg ignorieren, wenn es um gewerkschaftliche Aktivitäten geht. Juristisch läuft es für die Post in letzter Zeit ohnehin nicht gut, wurde sie doch nach einem Datenskandal zu einer Strafzahlung von 18 Mill. Euro verpflichtet – das Verfahren ist weiter anhängig. Da wären die 5556,40 Euro Prozesskosten eines Gewerkschafters eigentlich leicht wegzustecken. Man möchte fast den Eindruck gewinnen, es ginge gar nicht ums Geld.

Angesichts dieser Managementqualität beim größten heimischen Zusteller könnte man sich in alte Zeiten zurückwünschen, als die Post noch Teil der Staatsverwaltung war. Das Gras auf der anderen Seite der Wirtschaft ist aber auch nicht unbedingt grüner, wie Kenner der österreichischen Verwaltung wissen. Selbst das Leben der Postgewerkschafter war früher nicht unbedingt einfacher: Als 1923 die Nachbesetzung der Leitung des Feldkircher Postamtes anstand, wurde die Stelle zuerst zwar ausgeschrieben, dann aber trotz eingegangener Bewerbung nicht besetzt. Der Grund dafür blieb zunächst offiziell im Dunkeln und ließ sich erst zwei Jahre später durch eine parlamentarische Anfrage klären. Der aussichtsreichste Bewerber, Oberpostkontollor Wagner, war nämlich Gewerkschafter. Das hätte ihm vielleicht noch nachgesehen werden können, hätte er sich der richtigen Partei zugerechnet. Da er aber ein Sozi war, erhob die Vorarlberger Landesregierung Protest gegen seine mögliche Bestellung beim Handelsministerium in Wien. Wagner sei „wegen seiner agitatorischen Tätigkeit und des offenkundigen Mangels an Objektivität“ nicht berücksichtigt worden, berichtete das schwarze „Vorarlberger Volksblatt“ im November vor 95 Jahren. In der Anfragebeantwortung des Ministers Hans Schürff hieß es: „Mit Rücksicht auf die in Vorarlberg gegen Oberkontrollor Wagner herrschende Stimmung erschien es nicht angezeigt, ihm die Leitung eines größeren Amtes in diesem Bundesland zu übertragen.“ Man bot ihm aber großzügig an, ihn zu versetzen. Am Ende findet eben jedes System seine Möglichkeiten, Widerspenstige loszuwerden.

Moritz Moser ist Journalist in und aus Feldkirch. Twitter: @moser_at

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