„Ich möchte Widerstand beim Material spüren“

Vorarlberg / 13.11.2020 • 15:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Udo Rabensteiner in seinem Atelier, umgeben von seinen Werken.
Udo Rabensteiner in seinem Atelier, umgeben von seinen Werken.

Bildhauer Udo Rabensteiner aus Lustenau über seine Arbeit.

Lustenau Die VN-Heimat präsentiert bekannte Maler und Bildhauer aus dem Bezirk Dornbirn und ihre Arbeit. Den Anfang macht der Lustenauer Bildhauer Udo Rabensteiner (61), der aktuell an einem Mahnmal für den in Innsbruck ermordeten Bregenzer Jugendlichen Michael P. arbeitet.

Im lichtdurchfluteten Atelier des Künstlers stehen dunkle und weiße Skulpturen, teils mannshoch aus Bronze oder Gips. Verpackt im Plastikfolie in der Mitte des Ateliers thront seine aktuelle Arbeit: das Mahnmal für den in Innsbruck ermordeten jungen Bregenzer.

Die Liebe zur Kunst hat Udo Rabensteiner von seinem Vater geerbt, dem Südtiroler Steinbildhauer Anton Rabensteiner. Bei ihm lernte er auch das Handwerk und wurde ausgebildeter Holz- und Steinbildhauer. Zusätzlich studierte er an der Kunstgewerbeschule Graz in der Meisterklasse für Plastische Formgebung und anschließend an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seine Werke befinden sich unter anderem im Besitz des Landes Vorarlberg, im Skulpturenpark des LKH Klagenfurt, in der Sammlung Alpe Adria Bank, Kärnten, Sammlung Raiffeisenbank, Klagenfurt, sowie in zahlreichen weiteren Sammlungen im In- und Ausland.

Künstler aus Leidenschaft

Für Udo Rabensteiner ist Kunst oft nur ein Augenblick, in dem gute Arbeit entsteht. Bei jedem Künstler gebe es Momente, wo er gar nicht wisse, was er gerade gemacht hat, es sei einfach passiert. Er ist überzeugt, dass es eine Kraft gibt, die einen Künstler leitet. „Mir liegt das sogenannte langsame Tun mit den Händen. Ich will Widerstand beim Material spüren“, erklärt Rabensteiner.

Er modelliere seine Skulpturen mit den Händen. „Ich bin auch nicht zeitgenössisch, komme aus der traditionellen Bildhauerei.“ Der Künstler sucht für seine Skulpturen immer extreme Körperstellungen. Seine Figuren sollen von allen Seiten gesehen werden, eine Seite ist immer maßgebend, eine Seite mehr abstrakt, die andere wieder figürlich. Die Skulpturen sollen gedreht werden.

„Ich habe eine leichte Vorstellung von etwas, wenn ich mit der Arbeit beginne. Worüber kann der Mensch denn etwas erzählen? Über Liebe, Hass, Krieg, Neid, die sieben Todsünden“, sagt Rabensteiner- „Diese Themen beschäftigen uns ein Leben lang, es sind die Urgefühle der Menschheit. Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um einem Zeitgeist nachzugehen. Das Neue ist immer der Feind des Alten. Ich muss sehen dass ich ‚ich selbst‘ bleibe. Ich sehe sofort, ob eine Arbeit ehrlich ist. Ist sie das nicht, ist sie tot.“

Im Auge des Betrachters

Eine Skulptur sollte berührt werden, aber mit Abstand betrachtet. Wer direkt davor stünde, wird nur Details vom Ganzen sehen, aber nicht alles. Ein paar Meter entfernt sehe man das Ganze und nicht nur ein Detail.

Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen würden Künstler in jeder Sparte aus einem psychologischen Grund arbeiten. Sollte ein Künstler eine professionelle Psychoanalyse machen, hätte er nichts mehr zu verarbeiten. „Für mich ist es jedenfalls günstiger, wenn ich ins Atelier gehe statt zum Therapeuten“, schmunzelt Udo Rabensteiner, dem es vor allem wichtig ist, mit seiner Kunst Freude zu bereiten. yas

„Für mich ist es jedenfalls günstiger, wenn ich ins Atelier gehe statt zum Therapeuten“, sagt Udo Rabensteiner.Ritter (2)
„Für mich ist es jedenfalls günstiger, wenn ich ins Atelier gehe statt zum Therapeuten“, sagt Udo Rabensteiner.Ritter (2)

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