Nach S-18-Trassenentscheidung: Kurt Fischer droht mit Aufstand

Vorarlberg / 13.11.2020 • 05:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nach S-18-Trassenentscheidung: Kurt Fischer droht mit Aufstand
Kurt Fischer ist alles andere als glücklich mit der Trassenentscheidung der Asfinag. Lustenau werde diese Lösung nicht akzeptieren. VN/Steurer

Eine Ostumfahrung Lustenaus mit Autobahn an der Oberfläche werde man niemals akzeptieren.

Lustenau In Lustenau brodelt es. Die Entscheidung der Asfinag, die CP-Variante Ostumfahrung Lustenau als Verbindung zwischen der österreichischen und der Schweizer Autobahn zu favorisieren, lässt schon jetzt Bürger und Politik auf die Barrikaden steigen. “Nach Hainburg gibt es bei uns Rheinburg”, droht Bürgermeister Kurt Fischer, sollte das Straßenprojekt in der vorgesehenen Form In Angriff genommen werden.

Wie ist Ihre Stimmungslage einen Tag nach Bekanntgabe der Trassenentscheidung in Sachen S 18 durch die Asfinag?

Es ist für mich immer noch unfassbar. Ich habe immer das Schlussdokument Mobil im Rheintal vor mir, das als konsensorientiertes Planungsverfahren tituliert wurde. Das Wort Konsens wurde durch diese völlig unvorbereitete Bekanntgabe in Misskredit gebracht. Auch die Art der Kommunikation finde ich inakzeptabel. Ich musste als hauptbetroffener Bürgermeister über diese Trassenentscheidung von einem Journalisten erfahren.

Warum ist die CP-Variante für Lustenau keine gute Lösung?

Weil sie am östlichen Rand unseres Siedlungsgebiets verläuft und eine Zerschneidung des Ortes bedeuten würde. Wir wären von Autobahnen umzingelt: N 13 in der Schweiz, A 14 und die neue vierspurige Trasse auf Vorarlberger Seite. Und so wie diese Straße im Planungsverfahren angelegt ist, nämlich als Autobahn an der Oberfläche, vielleicht ja noch in einen Trog gebettet, da spielen wir nicht mit. Die Z-Variante wäre weitestgehend unterirdisch verlaufen. Das heißt: Für Pfeifengras und Brachvögel gibt es einen Tunnel, für den Menschen nur einen Trog, der sie nicht vor Lärm und Umweltbelastung schützt.

Das heißt also, eine CP-Trasse als Untertunnelung wäre für Sie aktzeptabel?

Ich habe auf alle Fälle sehr viele Fragen. Die Z-Variante war von allen, die eine Straßenlösung wollen, die favorisierte Alternative. Warum sie jetzt so verworfen wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass die CP-Variante keine Auswirkungen auf den Naturraum hat.

Aber eben weniger als die Z-Variante. Hat man in Lustenau die Option CP-Variante vielleicht einfach nur verdrängt?

Nein, das nicht. Aber man hatte die begründete Hoffnung, dass die Z-Variante mit ihrer komplexen Tunnellösung die beste Möglichkeit sei und auch eine, die machbar ist. Zum Naturraum sollte man auch den Menschen zählen. Und bei der CP-Variante in der vorliegenden Form kommt der Mensch am meisten zu Schaden. Ich kann nur sagen: Wenn das jetzt einfach so gemacht werden würde, dann hätten wir nach Hainburg den Aufstand Rheinburg. Mich erreichen permanent Anrufe aus dem betroffenen Gebiet. Die Leute fragen mich: “Ist das hoffentlich schon als Tunnel geplant oder sollen wir bereits für einen Aufstand mobilisieren?”

Was werden Sie jetzt tun?

Ich habe für die nächste Woche ein Treffen mit allen Fraktionen in Lustenau anberaumt. Dort werden wir die Situation erörtern und hoffentlich eine einheitliche Position definieren können. Ich bin mir sicher: Niemand in Lustenau wird eine offene Autobahn im Osten der Gemeinde tolerieren, die uns zerschneidet und uns vom Naturraum Ried trennt. Ich hoffe sehr, wir kommen zu einer einheitlichen Haltung und treten als Lustenau geschlossen auf.

Es wird Ihnen von einigen bereits wieder eine Entlastungsstraße auf Höhe Mäder empfohlen.

Ehrlich gesagt, habe ich diese nutzlosen Ratschläge satt. Jene, die dazu raten, sollen sich einmal mit den Fakten befassen und nicht mit solchen trügerischen Bemerkungen daherkommen. Jeder, der sich mit den Fakten befasst, weiß: Eine Verbindungsstraße in Mäder bringt Lustenau nichts. Für uns in Lustenau wäre wichtig, wenn man in Sachen Entlastungsstraße einmal erste Dinge umsetzt. Dazu gehört die Errichtung eines Zollamts bei St. Margrethen, so wie das im Schlussdokument Mobil im Rheintal auch als vorgezogene Maßnahme vorgesehen ist. Würde das gemacht, hätten die Leute auch das Gefühl, dass endlich etwas passiert. Bald müssen wir die neue Rheinbrücke planen. Es wäre wichtig zu wissen, ob unser Grenzübergang vielleicht einmal entlastet wird.

Was erwarten Sie vom Land Vorarlberg?

Nachdem man durch die überfallsartig eingeführte Vignettenbefreiung wieder einmal Nadelstiche gegenüber dem IG-Luft-Sanierungsgebiet Lustenau gesetzt hat, erwarte ich mir Solidarität vom Land. Der Landeshauptmann hat gesagt, er werde jetzt genau auf Lustenau schauen. Ich werde genau verfolgen, ob das auch passiert.

Was ist Ihre Botschaft an die Wirtschaft? Der scheint jede Straßenlösung recht, egal, wie sie aussieht.

Der sage ich im Sinne einer möglichst raschen Umsetzung: Unterstützt Lustenau. Denn nur wenn Lustenau eine zufriedenstellende Lösung erhält, geht es bei diesem Projekt zügig voran. Wir sind bereit, mit jeder Gruppe in den Dialog zu treten.

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