Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

S18: Kein Anschluss unter dieser Nummer

Vorarlberg / 13.11.2020 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das Rheintal konnte tatsächlich nur passieren, weil es Google Maps vor 50 Jahren noch nicht gab. Man stelle sich vor: zwei parallel verlaufende Autobahnstränge, einer dies-, einer jenseits des Rheins. Was für eine Platzverschwendung. Die Verkehrsstränge nicht miteinander verbunden – sowas gibt’s nicht mal im Elsass. Seit Jahrzehnten wird über die A15, die S18, die Riedstraße als Verbindung zwischen der Schweizer A13 und unserer A14 diskutiert, gebohrt, geplant und prozessiert (meist in dieser Reihenfolge und ohne dass je eine Straße gebaut worden wäre).

Die aktuelle S18-Nachricht hat eine völlig neue Gemengelage gebracht, die noch unübersichtlicher ist als bisher.

Seit dieser Woche ist das bürgerliche Lager der S18-Befürworter offiziell gespalten. Die grüne Klimaministerin Leonore Gewessler hat es klug angelegt und die Straßenbefürworter getreu nach “Divide et impera” geteilt und das in einer guten Nachricht versteckt. Teile und herrsche. So widersinnig es klingt, doch durch das grüne Licht für den nächsten Planungsschritt ist es immer unwahrscheinlicher, dass Landeshauptmann Markus Wallner eines der nach seiner Auffassung wichtigsten Ziele zu Amtszeiten umsetzen kann: die unendliche Geschichte der S18 zu beenden und den Grundstein zu legen.

Nun gibt es bei den Befürwortern zwei trennscharf geteilte S18-Lager: Da sind einerseits jene Bürgerlichen, die in den nordöstlichen Ortsteilen von Lustenau wohnen, brav mit ihrem ÖVP-Bürgermeister Kurt Fischer bei jedem Bürgerbeteiligungsprojekt der jüngsten Vergangenheit und jeder der 28 Planungssitzungen teilgenommen haben, sich schon sehr auf die Super-Tunnel-Variante von Dornbirn-Nord in die Schweiz freuten und nun herb enttäuscht sind, sich vom Bürgermeister, von der ÖVP, von der Asfinag, der Klimaministerin und dem lieben Gott betrogen fühlen.

Andererseits die “Hauptsache-S18”-Fraktion, die Landeshauptmann Markus Wallner anführt und von der Wirtschaft aus Standortüberlegungen gestützt wird. Auch der Rest von Lustenau – alle, die nicht in Hörweite der CP-Variante leben – finden es wichtig, dass die Lkw-Kolonne nicht wie bisher durch den Ort staut. Niemand erinnert sich dieser Tage gern daran, dass sie alle die Tunnel-Variante lieber gehabt hätten. Tapfer sagen sie jetzt: Hauptsache S18.

Zwar wohnen die allermeisten Vorarlberger bekanntermaßen außerhalb Lustenaus, doch die Gemeinde hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Und hat jetzt eine geplante Straße, eine Ortsumfahrung an der Backe, die sie in dieser Form absolut nicht will.

In den kommenden Tagen werden sich weitere S18-Grüppchen bilden. Zu viele haben Lunte gerochen, doch noch ihre alte Traum-Variante umsetzen zu können und den “Rheintal Mitte”-Prozess Prozess sein zu lassen.

Den Grünen, dem Regierungspartner in Land wie Bund, ist die aktuelle Verwirrung natürlich extrem recht. Das ist zwar nicht besonders lösungsorientiert, doch je länger über die S18 diskutiert wird, um so später wird gebaut. Und: um so unwahrscheinlicher wird das Ding.

So staut sich der Schwerverkehr weiter durch kleine Grenzorte. Auf Schweizer Seite, bei der Ausfahrt St. Margrethen, wartet ein vorbereiteter Straßenstummel auf Anschluss an die österreichische Autobahn. Seit 1964.

Wir sind festgefahren im Ried.

Gerold Riedmann

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Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.

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