Wie ein junger Frastanzer um sein Haus kämpft

Vorarlberg / 13.11.2020 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wie ein junger Frastanzer um sein Haus kämpft
Manuel Feldmann will nicht mehr länger warten.

Manuel Feldmann wartet seit Anfang 2019 darauf, sein Haus bauen zu dürfen. Das Problem heißt Seveso.

Frastanz Raumplaner, Politiker und Wohnexperten versuchen schon lange, für etwas Entspannung auf dem Vorarlberger Wohnungsmarkt zu sorgen. Versuche, steuernd einzugreifen, gab es schon genug, zum Beispiel wenn es um Verdichtung geht. Wie bei Familie Feldmann aus Frastanz. Als sie Anfang der 90er-Jahre ihr Einfamilienhaus plante, erhielt sie die Auflage, so an den Rand zu bauen, dass auf dem Grundstück ein zweites Haus Platz hat. 30 Jahre später soll der Platz genutzt werden. Sohn Manuel (31) hat sich bereits ein kleines Heim planen lassen. Das war im Jänner 2019. Seitdem wartet er. Noch immer weiß er nicht, ob er bauen darf oder nicht. Das liegt an einer Gesetzesänderung vor einigen Jahren.

Richtlinie aus dem Jahr 2012

Die Seveso-III-Richtlinie der EU stammt aus dem Jahr 2012, gilt in Österreich seit 2015 und regelt den Umgang mit gefährlichen Stoffen. Ab einer bestimmten Menge im Lager gilt eine Firma als Seveso-III-Betrieb. Die Frastanzer Firma Primagaz ist so ein Betrieb. In einem Umkreis von, in diesem Fall, 80 Metern darf eigentlich nicht gebaut werden. Innerhalb dieser Schutzzone ist das Risiko bei einem möglichen Betriebsunfall zu groß, besagt die Richtlinie. Manuel Feldmann bringt das in eine unbefriedigende Situation. Er möchte bauen, wo es laut Widmung vorgesehen ist. Aber er darf nicht mehr, da sein Haus zum Teil in der Schutzzone steht. Anfang 2019 hat ein Architekt ein Vorprojekt erstellt und der Gemeinde übergeben. „Ich hätte nicht geglaubt, dass es Probleme gibt“, erinnert er sich. Doch es gibt sie.

Mehr Spielraum in Tirol

In Vorarlberg befinden sich vier Seveso-Betriebe. Neben Frastanz zählt das OMV-Lager in Lustenau dazu, Collini in Hohenems und Beiser in Mäder. Die Bundesländer gehen unterschiedlich mit dem Thema um. In Tirol sorgte die Seveso-III-Richtlinie schon für Diskussionen. Dort hat sich die Landespolitik Interpretationsspielraum gelassen. Möchte jemand bauen, dürfen sich bei einem Unfall die möglichen Folgen und Schäden nur unwesentlich vergrößern. Große Wohnbauten sind nicht erlaubt, kleine hingegen schon. Paragraf 8 des Vorarlberger Baugesetzes besagt hingegen, dass sich die Risiken nicht vergrößern dürfen. Also entweder wird so gebaut, dass ein Betriebsunfall keine schlimmere Auswirkungen hätte, oder gar nicht.

Wie ein junger Frastanzer um sein Haus kämpft

Manuel Feldmann hat sich auf sein Eigenheim schon vorbereitet. Er kündigte seine Wohnung und zog vorübergehend bei seinen Eltern ein. Der Tischler hat die Küche bereits geplant, einige Möbel wurden längst geliefert. Sie warten derzeit im Dachboden der Eltern. Manuel Feldmann erzählt: „Der Architekt sagte mir, dass in acht Monaten das Haus stehen sollte.” Nun wohnt er fast zwei Jahre in seinem alten Kinderzimmer. Die Verzögerung führt zudem nicht nur zu beengten Wohnverhältnissen, sondern auch zu höheren Kosten. “Mein Kredit wurde Anfang 2019 genehmigt. Bauen ist in der Zwischenzeit teurer geworden. Ob ich mir es jetzt überhaupt noch leisten kann, weiß ich nicht”, schildert der 31-Jährige. Er fragt sich zudem: “Wer bezahlt den Eigentümern die Entwertung der Grundstücke, falls nicht mehr gebaut werden darf?”

Bürgermeister will helfen

Im Mai 2019 haben sich die Feldmanns an den damals zuständigen Landesrat Karlheinz Rüdisser gewandt. Mittlerweile hat Marco Tittler die Agenden der Raumplanung geerbt. Zuständige Baubehörde ist jedoch der Frastanzer Bürgermeister Walter Gohm. Er ist grundsätzlich auf der Seite der Feldmanns: „Wir vertreten die Meinung, dass es möglich sein muss, eine Lösung zu finden. Ein Grundeigentümer muss die Möglichkeit haben, auf einem gewidmeten Baugrund zu bauen.“ Er befindet sich seit geraumer Zeit im Kontakt mit der Raumplanungsabteilung des Landes. „Wir sehen uns auf der Seite der Bauwerber“, betont Gohm. Der Bürgermeister hofft auf entsprechende Signale aus dem Landhaus.

Die Betroffenen haben das Warten satt. „Seit fast zwei Jahren kann man uns keine Auskunft geben. Einerseits soll man verdichtet bauen und jungen Menschen Eigentum ermöglichen, andererseits legt man einem Steine in den Weg. Das ist ein Armutszeugnis für das Land“, ärgert sich Manuel Feldmann.

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