„Wir drehen die Lage“

Vorarlberg / 13.11.2020 • 21:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nach der Schweiz wächst auch in Bayern die Zuversicht auf eine Entspannung.

SCHWARZACH Es ist verhext: Fast alle Nachbarländer scheinen den Höhepunkt der zweiten Welle erreicht oder gar schon hinter sich zu haben, doch Österreich und Vorarlberg tun sich schwer; auf Tage der Entspannung folgen Tage mit schwindelerregenden Werten. Vorarlberg verzeichnete gestern 850 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche.

Am Donnerstag waren es laut staatlicher Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 742 gewesen. Wobei die Unterschiede nach Bezirken groß bleiben. Bludenz liegt aktuell bei einer sogenannten Inzidenz von 661, Feldkirch bei 779, Bregenz bei 873 und Dornbirn bei 1038. 1038 bedeutet, dass sich etwas mehr als ein Prozent der Bevölkerung in jüngster Zeit erwiesenermaßen infiziert hat. Kein Wunder, dass es einen Kontrollverlust gibt: Laut Corona-Ampel-Kommission kann nur noch bei einem Bruchteil (16 Prozent) gesagt werden, wo die Ansteckung erfolgt ist. Es kann immer und überall passieren.

Um Allerheiligen war das Infektionsgeschehen in Vorarlberg ähnlich extrem wie in Liechtenstein und im eidgenössischen Kanton St. Gallen. Dort sind die Zahlen zuletzt jedoch zurückgegangen. Im Fürstentum, wo man bereits am 23. Oktober verkündet hatte, Lokale zu schließen, gibt es nun 483 bestätigte Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. In St. Gallen handelt es sich um 480. Das sind um über 40 Prozent weniger als in Vorarlberg.

In der Schweiz ist man generell zuversichtlich: Obwohl es dort keinen flächendeckenden Lockdown gibt, sinken die Fallzahlen. Ausgehend von 669 ist die Inzidenz gestern zum siebenten Mal in Folge zurückgegangen und beträgt nun 536. Die Reproduktionszahl wird mit 0,86 angegeben. Das heißt, dass 100 Infizierte 86 weitere Personen anstecken. Bleibt es dabei, gibt es automatisch immer weniger aktive Fälle.

Kritische „R-Zahl“

Für Österreich wies die AGES gestern eine Reproduktionszahl von 1,21 aus. Auf diesem Niveau – mit zuletzt sinkender Tendenz – liege auch Vorarlberg. In der zweiten Oktoberhälfte hatte es sich hierzulande um bis zu 1,5 gehandelt. Das zeigt, dass die Ausbreitung zwar gebremst, aber bei Weitem nicht gestoppt ist.

Wie in der Schweiz wächst auch in Deutschland der Optimismus. Die benachbarten Landkreise haben durchwegs niedrigere Inzidenzwerte als Vorarlberg. Lindau kommt auf 196, Oberallgäu auf 172. Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) gibt sich nach zwei Wochen Lockdown zuversichtlich und meint für die (vorerst) verbleibenden zwei Wochen: „In der zweiten Halbzeit drehen wir die Lage.“ JOH

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