Ritsch: “Wir müssen jetzt investieren”

Vorarlberg / 14.11.2020 • 05:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Ritsch im VN-Videointerview über Stadträte, den Bahnhof, Kontrolle und Budget.
Michael Ritsch im VN-Videointerview über Stadträte, den Bahnhof, Kontrolle und Budget.

Trotz klammer Gemeindekassen sei es wichtig, jetzt Geld auszugeben, sagt der Bregenzer Bürgermeister Ritsch.

Bregenz Michael Ritsch hat einen aufregenden Herbst hinter sich. Zunächst erobert er das Bregenzer Bürgermeisteramt, anschließend setzt ihn eine Covid19-Erkrankung drei Wochen außer Gefecht. Nun ist er seit fast zwei Wochen im Amt. Zeit für ein erstes Interview über Vorhaben, den Bregenzer Bahnhof und das Budget.

Wie geht es Ihnen nach überstandener Erkrankung?

Die ersten paar Tage waren ein bisschen mühsam. Ich hatte am Anfang noch Probleme mit der Luft und diese Müdigkeitsgeschichte, die alle kennen, die betroffen sind. Aber es wird jeden Tag besser. 

Wie waren die ersten Tage im Amt?

Ich muss allen Respekt zollen, die in einer ähnlichen Situation sind. Es ist herausfordernd, wenn man in ein Amt mit 650 Mitarbeitern kommt und am ersten Tag 200 Terminanfragen hat. Im ersten Moment dachte ich mir: Wie kann man das abarbeiten? Ich möchte ja mit allen Abteilungsleitern reden, viele Mitarbeiter hätten gerne einen Termin, außerdem wollen viele Bregenzer mit ihren Sorgen und Wünschen zu mir kommen. Da reichen 24 Stunden am Tag nicht aus. Der Vorteil ist, dass viele Veranstaltungen und Besuche abgesagt sind und es einfacher ist, sich einzuarbeiten.

Sie waren Jahrzehnte in der Opposition. Sehen Sie nun als Bürgermeister manche Kritik anders?

Das wird vielleicht kommen. Ich kann mir schon vorstellen, dass man beim ein oder anderen Punkt als Bürgermeister draufkommt: Oje, das ist gar nicht so einfach oder nicht machbar. Bis jetzt war es aber nicht so.

Ein großes Thema im Wahlkampf war der Bregenzer Bahnhof. Wie geht es weiter?

Nach ersten Gesprächen kam die Pause durch die Erkrankung dazwischen. Seit letztem Dienstag bin ich wieder mit den Leuten in Kontakt, nächste Woche ist eine Telefonkonferenz mit Vertretern der ÖBB geplant. Das Ziel ist eine große Lösung auch links und rechts des Bahnhofs. Allerdings sind sehr viele Verträge bereits unterschrieben. Ob es gelingt, das Paket noch einmal aufzuschnüren, kann ich nicht sagen. Aber ich orte überall Gesprächsbereitschaft für eine große Lösung.

Wird es eine Volksabstimmung geben?

Die Demokratie lässt nur zu, dass die Bevölkerung über etwas abstimmt, was die Stadt erledigen kann. Das gesamte Gelände wurde in den letzten Jahren veräußert. Ich kann nur eine Stimmung abfragen, und die kennen wir. Ich wäre wahrscheinlich nicht Bürgermeister, wenn die Bregenzer mit der aktuellen Idee zufrieden wären. Das Ziel lautet, dass ich innerhalb der nächsten sechs bis sieben Monate weiß, ob eine große Lösung möglich ist.

Die Coronakrise trifft auch die Gemeindekassen. Wie sieht es in Bregenz aus?

Ich habe unseren Finanzkämmerer um einen Kassasturz gebeten, in dem steht, was uns heuer erwartet und was für kommendes Jahr schon beschlossen wurde. Da geht es um einen Abgang von rund 22 Millionen Euro, elf Millionen davon im laufenden Betrieb. Nichtsdestotrotz ist es Aufgabe der öffentlichen Hand, jetzt zu investieren. Am Ende schaffen wir damit Volksvermögen. Außerdem sind wir ein Jobmotor.

Das heißt, das Hallenbad wird gebaut?

Wir wollen das Hallenbad schnell umsetzen, da existiert ein einstimmiger Beschluss. Ob ich jetzt ein Darlehen aufnehme oder in zwei Jahren, ist egal. Außerdem planen wir den nächsten Bauabschnitt bei der Pipeline und es gibt ein paar kleinere Geschichten. Bei der Stadtvertretungssitzung besetzen wir die Ausschüsse. Auch ein Ausschuss mit elf Stadtteilvertretern wird eingeführt.

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