Die zweite Coronawelle ist um ein Vielfaches größer

Vorarlberg / 15.11.2020 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In Vorarlberg gibt es nicht nur mehr Infektionen, sondern auch mehr Hospitalisierungen.

WIEN Wenn im Zusammenhang mit dem Coronavirus von einer zweiten Welle gesprochen wird, setzt das voraus, dass es eine erste gegeben hat. Das ist jedoch relativ: Aus heutiger Sicht wirkt das Infektionsgeschehen vom Frühjahr eher nur wie ein Kräuseln; von einer Welle zu reden, ist jedenfalls übertrieben.

Wobei ein Vergleich gar nicht so einfach ist. Es ist lediglich eine Annäherung möglich: Zunächst über die Entwicklung der bestätigten Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche ab dem ersten Tag, ab dem diese Inzidenz über 50 lag. In Vorarlberg war in diesem Zusammenhang im März, April schon nach sieben Tagen die Spitze erreicht; und zwar mit einem Wert von 82. Dann entspannte sich die Lage – aufgrund des harten Lockdowns – rasch. Nach 40 Tagen belief sich die Inzidenz nur noch auf eins.

Ganz anders gestaltet sich die zweite Welle: Am 12. September wurden in Vorarlberg erstmals wieder mehr als 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche verzeichnet. Vorübergehend entspannte sich die Lage in weiterer Folge wieder leicht, im Oktober begann die Inzidenz jedoch, durch die Decke zu schießen. Nach gut zwei Monaten lag sie bei 850. Da drängen sich Vergleiche mit der ersten Welle auf: Zum einen gibt es nun zehn Mal mehr Infektionen und zum anderen dauert die ganze Geschichte extrem lang an; im Frühjahr war nach zwei Monaten der Lockdown beendet, die Gastronomie durfte wieder in Betrieb geben. Jetzt gibt es noch nicht einmal eine Entspannung. Thomas Czypionka, Gesundheitsexperte beim Institut für Höhere Studien (IHS), weist jedoch auf einen Schwachpunkt bei diesen Zahlen hin: Erfasst sind ausschließlich bestätigte Fälle. Zumal viele gar nicht merken, dass sie infiziert sind und zumal heute viel mehr getestet wird, dürfte es im Frühjahr eine massivere Dunkelziffer gegeben haben. Sprich: Die wahre Größe der ersten Welle ist schwer abschätzbar.

Einlieferungen und Entlassungen

Aufschlussreicher könnten laut Czypionka Hospitalisierungen sein. Allerdings gibt es auch hier einen Haken: Österreichische Behörden sind nicht in der Lage, Einlieferungen und Entlassungen auszuweisen. Sie veröffentlichen immer nur, wie viele Coronapatienten gerade im Spital sind. Das kann jedoch alles und nichts heißen: Gestern zehn und heute elf, das kann bedeuten, dass zehn entlassen und elf neu aufgenommen wurden; oder aber auch, dass nur ein Patient dazugekommen ist.

Am 31. März befanden sich in Vorarlberg 62 Infizierte im Krankenhaus bzw. zwölf auf der Intensivstation. Zuletzt waren es in der zweiten Welle 183 bzw. 38. Das sind jeweils drei Mal mehr. Allerdings: In Summe werden nun aufgrund der noch unabsehbaren Wellendauer viel mehr zusammenkommen. Ähnliches gilt für die Zahl der Todesfälle, die ebenfalls einen Hinweis auf die Schwere des Infektionsgeschehens gibt: In der ersten Welle wurden 16 verzeichnet, in der zweiten bis Ende vergangener Woche 40. JOH

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