Schutzhütte feiert heuer 50er

Vorarlberg / 15.11.2020 • 17:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die im Jahr 1909 errichtete alte Reutlinger Hütte brannte 1953 komplett ab.
Die im Jahr 1909 errichtete alte Reutlinger Hütte brannte 1953 komplett ab.

Neue Reutlinger Hütte auf der Wildebene im Verwall wurde im September 1970 eingeweiht.

Silbertal Nachdem ihre im Jahr 1909 errichtete Vorgängerin im Juli 1953 niedergebrannt war, rang man sich Ende der 1960er-Jahre dazu durch, am selben Standort, der Wildebene im Verwall, die Neue Reutlinger Hütte zu errichten. Seitens der Sektion Reutlingen wurden durch den ersten Vorsitzenden, Walter Schöllkopf, die Planungen hierzu vorangetrieben. Die notwendigen Genehmigungen wurden von ihm ebenso erwirkt, wie die Flug­erlaubnis für den Helikopter.

Aufbau in zwei Tagen

Ende September 1970 war es dann so weit: Die im Tal gesägten Balken wurden auf die Wildebene geflogen. Die Ehrenamtlichen der Sektion trugen die Balken auf den Schultern zur Baustelle und reichten sie den Zimmerleuten zu. Diese „strickten“ die Hütte Kranz um Kranz in die Höhe. Am zweiten Tag schritten die Arbeiten in bewährter Manier fort, sodass die Hütte am folgenden Abend bereits unter Dach war und wieder Schutz als Bergsteigerunterkunft bieten konnte. Mit Matratzenlagern, großem Tisch nebst Sitzgelegenheiten und Kochplatz ausgestattet, wurde die Hütte am 27. September 1970 eingeweiht.

Seit dieser Zeit hat sich viel getan. Denn es änderten sich sowohl die Ansprüche der zahlreichen Besucher, insbesondere aber auch die der Sektionsverantwortlichen an die Funktionalität der Hütte. Ebenso stellten die Anforderungen der Behörden den DAV immer wieder vor neue Aufgaben. Die Hüttenwarte und Ehrenamtlichen der Sektion mussten hierdurch immer wieder neue Ideen entwickeln und diese vor Ort umsetzen.

Neue Fenster

Dadurch, dass das Brennholz nicht mehr wie früher von den Berg­wanderern auf die Hütte getragen wird, sondern ein bis zweimal im Jahr mit dem Helikopter eingeflogen wird, wurde die Hütte in jüngster Vergangenheit mit einem entsprechend effizienten Holzherd ausgestattet und der Hüttenraum rundum isoliert. Das Brennholz lagert wind- und wettergeschützt in einem eigens dafür errichteten Holzschopf. Weiters wurden 2019 neue Isolierglasfenster, die modernsten Anforderungen genügen, eingebaut. Vor der Hütte lädt eine befestigte Terrasse zum Verweilen ein. In den vergangenen 50 Jahren wurden mehr als 100.000 Euro in den Erhalt der Hütte investiert. Auch den Belangen der Umweltverträglichkeit wird vonseiten des DAV ein hoher Stellenwert beigemessen. So wurde vor zwei Jahren eine komplett neue Toilettenanlage installiert.

Damit die Hütte das Kleinod auf der Wildebene bleibt, bemüht sich die Sektion darum, dass an den Wochenenden der Sommermonate Juli, August und September ein ehrenamtlicher Hüttendienst vor Ort ist. Dieser ist Repräsentant der Sektion und sorgt für die Einhaltung der Hüttenordnung. Die Hütte ist ansonsten für Alpenvereinsmitglieder nur mit einem AV-Schlüssel zugänglich. Um aber auch Bergsteigern, die keinen Schlüssel haben, Schutz vor plötzlich auftretenden Kälte- und Wettereinbrüchen zu bieten, verfügt die Hütte mittlerweile über ein Notlager, das immer offen ist und zwei Personen Platz zum Übernachten bietet.

Die schweren Balken wurden in Gemeinschaftsarbeit auf die Wildebene im Verwall gehievt und dort von den Freiwilligen der Sektion in Position gebracht.
Die schweren Balken wurden in Gemeinschaftsarbeit auf die Wildebene im Verwall gehievt und dort von den Freiwilligen der Sektion in Position gebracht.
Die neue Reutlinger Hütte kurz nach ihrer Errichtung im Herbst 1970.
Die neue Reutlinger Hütte kurz nach ihrer Errichtung im Herbst 1970.
Die Selbstversorgerunterkunft auf knapp 2400 Metern wurde zwischenzeitlich da und dort erweitert.<span class="copyright">DAV</span>
Die Selbstversorgerunterkunft auf knapp 2400 Metern wurde zwischenzeitlich da und dort erweitert.DAV

Aktuelle Information

Aufgrund einer aktuellen Empfehlung des DAV-Bundesverbands ist die touristische Nutzung der Neuen Reutlinger Hütten in dieser Wintersaison (2020/2021) aus hygienischen Gründen (Corona) nicht mehr vorgesehen. Geschirr, Kissen und Decken wurden aus den Hütten entfernt. Die Hütten bieten lediglich noch eine Schutzfunktion für den Notfall.

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