Stich für Stich für die schmucke Tradition

Vorarlberg / 15.11.2020 • 17:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit großer Hingabe und viel Geduld widmet sich Martha Ammann ihren Stickereien.<span class="copyright">YAs</span>
Mit großer Hingabe und viel Geduld widmet sich Martha Ammann ihren Stickereien.YAs

Martha Ammann hat mit ihren Stickereien schon so manche Montafoner Tracht aufgewertet.

Vandans Die Montafoner Festtagstracht für Frauen fällt besonders durch die schöne und üppige Stickerei mit heimischen Blüten- und Blumenranken auf. Viele Details machen dieses Gewand sehr kostbar. Hervorzuheben sind vor allem die kunstvollen Stickereien. In reiner Handarbeit werden dabei einzelne Teile der Tracht mit Seidengarn bestickt. Zu finden sind die aufeinander abgestimmten Stickereien auf dem Kragen (Lieble), den Schoßbändern, den Ärmeln, der Jacke (Glöggletschopa), den Zopfbändern und dem Bruschttuach.

Besondere Gabe

Eine, die die Kunst des Trachtenstickens perfekt beherrscht, ist die Vandanserin Martha Ammann (77). Verantwortlich dafür ist ihre älteste Tochter, die sich zur Firmung eine Tracht wünschte. „Die Juppe hat meine Mutter genäht, die Stickerei habe ich selbst bei einer sehr erfahrenen Stickerin erlernt. Pünktlich zur Firmung war die Tracht fertig“, erzählt Ammann. Dass sie eine besondere Gabe für die Entwürfe hatte, sprach sich schnell herum, und die Vandanserin bekam viele Anfragen.

Wertvoll und hochwertig

In Sachen passender Entwurf meint die versierte Stickerin: „Für eine zarte Trachtenträgerin würde ich niemals große Blüten entwerfen. Edelweiß würden an der Trägerin ziemlich langweilig und unscheinbar aussehen.“ Und gerade weil sich eine Frau nur einmal im Leben eine Tracht nähen lassen würde, sei die Gestaltung auch umso wichtiger. Die Tracht wird dabei so gefertigt, dass man sie vergrößern oder auch verkleinern kann. Die Blumen und Blüten sucht sich die Kundin selber aus. Daraus entwirft die Stickerin ein Muster, stickt es auf hochwertigen Samt, der in einen Holzrahmen eingespannt ist. Die Blüten werden mit Seidengarnen gestickt, die Blumenranken mit Schlingen aus Goldfäden gewickelt.

„Die Juppe ist immer schwarz, die Seidenschürze hingegen sollte mit der Farbe der Stickerei harmonieren. Eine echte Seide glänzt, auch wenn sie über 100 Jahre alt ist. Nur die Goldfäden haben einen Alterungsprozess und werden irgendwann schwarz. In so einem Fall kann ich die Stickerei restaurieren, entferne die alten Fäden und umwickle die Ranken neu“, erzählt die leidenschaftliche Stickerin voller Begeisterung.

Dabei ist es gar nicht so einfach, Samt, Seide, Garne und Nadeln zu beschaffen. Die hochwertigen Materialien sind im Inland nicht erhältlich. Die Nähnadeln etwa importiert Ammann aus England – diese haben ein längliches Öhr und sind trotzdem sehr fein. Den Samt und die Seide kauft sie in der Schweiz. Für das Besticken einer einzigen Tracht benötigt die Stickerin ein ganzes Jahr bzw. rund 500 Arbeitsstunden.

Keine Arbeit mit Zwang

Die dreifache Mutter, vierfache Großmutter und zweifache Urgroßmutter kann viel erzählen. Zum Beispiel von ihrem früheren Arbeitsalltag, als sie nach der Stallarbeit den ganzen Vormittag lang gestickt und dann das Mittagessen für die Familie gekocht hatte. Heute brauche sie mehrere Pausen. „Ich muss die Ruhe und die Freude in die Arbeit einbringen können. Die intensive Zeit von Corona ist aber nicht stimmig; die Isolation hat meine Arbeit behindert“, sagt sie und hofft, dass bald alles wieder gut wird. YAS

„Ich kann nur arbeiten, wenn ich die Ruhe und die Freude in die Arbeit einbringen kann.“

In mühsamer Handarbeit entstehen die Blumenmotive.
In mühsamer Handarbeit entstehen die Blumenmotive.
Für jede Tracht gibt es eine eigene Nähschachtel.
Für jede Tracht gibt es eine eigene Nähschachtel.

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