Weniger Jugendliche rauchen

Vorarlberg / 15.11.2020 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das erhöhte Schutzalter sorgt für einen erschwerten Einstieg in die Sucht.APA
Das erhöhte Schutzalter sorgt für einen erschwerten Einstieg in die Sucht.APA

Vorarlberg: Anteil bei unter 30-Jährigen von einem Drittel auf ein Viertel gesunken.

SCHWARZACH Zu behaupten, Rauchen sei „out“, wäre verwegen. Es ist aber nicht mehr ganz so stark verbreitet wie vor wenigen Jahren. Das bestätigen Ergebnisse einer großen Gesundheitsbefragung der Statistik Austria. In Vorarlberg haben 957 Personen daran teilgenommen. Im vergangenen Jahr haben demnach 23,4 Prozent der ab 15-Jährigen täglich geraucht. 2014 waren es mit 27,3 Prozent noch mehr gewesen. Wobei die Veränderungen nach Altersgruppen extrem unterschiedlich sind.

„Die Entwicklung überrascht mich nicht“, sagt Andreas Prenn, Leiter der Gesundheitsförderungs- und Präventionsstelle SUPRO, die zur Stiftung Maria Ebene gehört: Vor allem bei Jungen ist der Rauchanteil stark gesunken. Hatte er sich bei 15- bis unter 30-Jährigen vor fünf Jahren noch auf 31,3 Prozent belaufen, so handelt es sich heute um 24,6 Prozent. Statt einem Drittel, greift also nur noch ein Viertel täglich zur Zigarette.

Vorbildwirkung

Bei Männern ist dieser Trend nicht ganz neu. Bei der Musterung, die das Bundesheer durchführt, werden auch Raucher- bzw. Nichtraucherdaten erfasst und regelmäßig veröffentlicht. Bei Frauen zeigt sich diese Entwicklung aufgrund dieser Gesundheitsbefragung erstmals.

„Wenn man sich das in einem Jahr anschauen würde, würde man auf noch niedrigere Raucheranteile kommen“, ist Prenn überzeugt: Immer mehr Jungen würden Vorbilder fehlen, die sie zum Zigarettenkonsum verleiten. Außerdem sorge ein erhöhtes Schutzalter von 18 Jahren sowie das Rauchverbot in der Gastronomie dafür, dass der Einstieg erschwert sei. Es fehle auch zunehmend an Gelegenheiten, so Prenn.

Mehr Ältere rauchen

Bemerkenswert ist, dass sich die Raucheranteile nach Altersgruppen unterschiedlich entwickeln. Eine Erklärung dafür lautet, dass immer weniger Raucher „nachwachsen“ und die verbleibenden eben älter werden. Bei 30- bis unter 45-Jährigen ist der Anteil laut Statistik Austria von 36,2 auf 29,4 und bei 45- bis unter 60-jährigen von 29,0 auf 24,1 Prozent gesunken.

Gestiegen ist er dagegen bei allen anderen – bei 60- bis unter 75-Jährigen von 15,5 auf 22,4 Prozent und bei noch Älteren von vier auf sechs Prozent. Bei Männern insgesamt beträgt der Anteil in Vorarlberg 27,2 Prozent, bei Frauen 19,6 Prozent. Die Entwicklung als Zeichen eines größeren Gesundheitsbewusstseins zu betrachten, würde zu weit gehen, analysiert Suchtexperte Prenn im Gespräch mit den VN: „Das wäre vermessen.“ Wenn jemand, der aufgrund von Beschränkungen ohnehin nicht mehr zum Rauchen kommt, sagt, er handle aus Überzeugung, sollte man das nicht überbewerten. Außerdem stellt Andreas Prenn eine Verlagerung fest: „Jüngere Rauchen nicht mehr, sondern verwenden Snus.“ Das sind tabakhaltige Päckchen, die in Skandinavien schon lange gebräuchlich sind. Sie werden hinter die Lippe gesteckt, wo sie Nikotin freisetzen. Sie dürften zwar ebenfalls nicht an Jugendliche verkauft werden, werden laut Prenn aber von vielen als „spannende Geschichte“ gesehen und irgendwie eben auch organisiert. JOH

„Jüngere rauchen nicht mehr, sondern verwenden Snus.“

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