Heute Start der Lockdown-Schule

Vorarlberg / 16.11.2020 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lehrer Michael Wehinger erklärt seiner Klasse, warum sie in den kommenden Wochen nicht mehr in der Schule sein sollte. VN/Sams
Lehrer Michael Wehinger erklärt seiner Klasse, warum sie in den kommenden Wochen nicht mehr in der Schule sein sollte. VN/Sams

Auch an der VS Haselstauden gibt es weiterhin Bildung – nur in dosierter Form.

Dornbirn Julian legt seinem Kumpel Philipp herzend den Arm um die Schulter. „Ich hätte so gerne, dass die Schule normal weitergeht“, seufzt Julian. Immerhin darf er wenigstens zur Betreuung in den kommenden drei Wochen regelmäßig an seinen liebgewonnen Lernplatz im so einladenden neuen Schulgebäude kommen. Philipp darf das nicht. „Meine Mama will es nicht“, sagt er traurig. „Und wir sehen uns leider auch nicht“, meint er in Richtung Julian.

Den Kindern erklären

Auf der Stiege am hinteren Ausgang sind 16 Schüler der 2b versammelt. Lehrer Michael Wehinger (51) erklärt seinen Schützlingen, was jetzt passieren wird. „Ihr seid so überrascht wie ich, dass wir wieder für einige Zeit nicht in die Schule dürfen. Ihr wisst sicher auch, warum das so ist“, beginnt der Pädagoge. „Coorooonaaa“, schallt es ihm entgegen. „Was hätten alle machen müssen, damit es nicht so weit kommt?“ „Abstand halten, Hände waschen, keine Kontakte“, erhält Wehinger wie auf Kommando die vielstimmige Antwort.

Der Lehrer erklärt den Kindern mit viel Einfühlungsvermögen, worauf es jetzt ankommt. Dass sie zu Hause bleiben müssen, nur mit ihren Eltern zum Spazieren und Luft schnappen das Haus verlassen dürfen, keine Freunde treffen sollten. Täglich um 8. 30 Uhr und 11.30 Uhr wird er sie zur digitalen Versammlung vor den Computer bitten. „Die Schüler sollen dadurch auch zu Hause eine Tagesstruktur des Lernens haben“, erklärt Wehinger später.

Am Wochenende organisiert

Direktor Jürgen Sprickler (59) und sein Team haben sich mit dem neuen Lockdown schon längst abgefunden und diesen intensiv vorbereitet. „Das Lehrerteam ist das ganze Wochenende an der Schule gewesen, um die kommenden Wochen zu organisieren. Es wurde der Lockdown auch für die Schulen einmal mehr über die Köpfe der Lehrer hinweg verfügt. Das ist schon ärgerlich“, bemerkt Sprickler.

Die Erfahrungen des ersten Lockdowns seien jetzt natürlich wertvoll. „Und doch ist alles anders. Weil wir, im Gegensatz zum ersten Zusperren im Frühling, Corona direkt oder indirekt erfahren haben. Positive Fälle, Verdachtsfälle, Schüler, die fehlen, Lehrer, die ausfallen, und jeder hat die Problematik auch in seinem persönlichen Umfeld erlebt“, erzählt der Direktor.

Selber Masken beschafft

Sprickler lobt die Disziplin von Lehrern und Schülern. „Die Kinder tragen außerhalb ihres Lernbereichs brav die Maske. Da war nur ein Elternteil, das sich als Maskenverweigerer geoutet hat und seinem Kind das Tragen des MNS-Schutzes verboten hat.“ Schon jetzt weiß der Direktor: „Es werden dieses Mal viel mehr Eltern ihre Kinder zur Betreuung in die Schule schicken. Einigen Eltern, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, haben wir das sogar ausdrücklich empfohlen. Es darf nicht sein, dass deren Kinder bildungsmäßig durch solche Umstände noch weiter zurückfallen.“

Mit Kritik an jenen, welche die jetzigen Maßnahmen sehr schnell verfügt haben, hält sich Sprickler zurück. „Es ist immer einfach, in einer solchen Situation über Verantwortungsträger herzufallen.“ Eines beanstandet er trotzdem heftig: „Dass man uns im Vorfeld nicht mit der notwendigen Schutzausrüstung ausgestattet hat. Ich habe für meine Lehrer höchstpersönlich FFP- 2-Masken beschafft. Die Rechnung schicke ich  an die Bildungsdirektion.“ VN-HK

„Dieser Lockdown ist anders. Jetzt haben alle Corona schon direkt oder indirekt erfahren.“

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