Die zweite Welle ist noch lange nicht vorüber

Vorarlberg / 17.11.2020 • 22:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Während es da und dort weniger Infektionen gibt, steigt die Zahl der Todesfälle.

SCHWARZACH Seit Anfang November sinkt die Zahl bestätigter Neuinfektionen in der Schweiz. Handelte es sich beim vorläufigen Höhepunkt der zweiten Welle um 669 pro 100.000 Einwohner und Woche, so waren es am Dienstag 468. Auf einer Pressekonferenz in Bern ist das jedoch nicht zum Ausdruck gekommen: Virgine Masserey vom Bundesamt für Gesundheit wurde vom öffentlich-rechtlichen SRF mit den Worten zitiert, dass die Lage nach wie vor besorgniserregend sei. Das Maximum, worauf sie sich einließ, war diese Aussage: „Wir sehen eine erste Stabilisierung, wenn nicht sogar einen leichten Rückgang.“

Wenn man bedenkt, dass die Inzidenz, also der erwähne Zahl bestätigter Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche um fast ein Drittel gesunken ist, mag das überraschen. Die Expertin hatte jedoch gute Gründe: Zeitversetzt kommt es zu sehr vielen Hospitalisierungen und auch Todesfällen. Und die Schweizer Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) warnt: Die Intensivstation des Landes sind voll. Bis es in den Spitälern zu einem Rückgang der Patientenzahlen kommt, werden selbst in der Schweiz noch mehrere Tage verstreichen.

Trügerische Zahlen

In Österreich wird es noch länger dauern. Hier hat die Inzidenz gerade erst angefangen zu sinken. Am Freitag hatte sie mit 554 einen Höchststand erreicht; gestern belief sie sich auf 523. Stärker war der zeitgleich verlaufende Rückgang in Vorarlberg: von 850 auf 748. Je genauer man auf die Zahlen schaut, desto mehr relativiert sich das jedoch. Beispiel eins: In Kärnten und Salzburg hat das Infektionsgeschehen gerade extrem stark zugenommen; bleibt es dabei, gibt es hier in Kürze mehr Fälle, gemessen an der Bevölkerung als in Vorarlberg. Beispiel zwei: In Vorarlberg konzentrieren sich die Rückgänge auf die Bezirke Dornbirn und Bregenz. In Feldkirch und Bludenz gab es gestern sogar leichte Zuwächse.

Von einem flächendeckenden Trend, geschweige denn einer echten Entspannung, kann also noch keine Rede sein. Und überhaupt: Noch liegen die Inzidenzwerte überall weit über 50. Unter diese Marke zu kommen, wird wohl nötig sein, um die deutsche Reisewarnung sicher loszuwerden, die auch Vorarlberg im Hinblick auf den Winter zu schaffen macht. Diesbezüglich äußerte sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder Montagabend kryptisch: „Wir müssen uns genau überlegen, was ist, wenn die Skigebiete rund um Weihnachten in Österreich aus Tourismus-Gründen wieder aufmachen.“ Das kündigte er Medienberichten zufolge nach Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel an, ohne konkreter zu werden. Der harte Lockdown sollte hierzulande in den nächsten Wochen zu einem stärkeren Rückgang der Neuinfektionen führen. Das aber ist Zukunft. Die Gegenwart ist ernüchternd: Allein seit vergangenem Freitag ist die Zahl der Covid19-Spitalspatienten vom Boden- bis zum Neusiedlersee von 3922 auf 4525 weiter gestiegen. Im Mittel gibt es außerdem 60 Todesfälle pro Tag; das sind so viele wie noch nie. JOH

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