“Wenn es steil bergauf geht, kommt man ins Schnaufen”

Vorarlberg / 18.11.2020 • 21:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Man habe sich auf eine zweite Welle vorbereitet, sei aber von deren Geschwindigkeit überrumpelt worden, verteidigt Wallner die Arbeit des Landes. VN/Lerch
Man habe sich auf eine zweite Welle vorbereitet, sei aber von deren Geschwindigkeit überrumpelt worden, verteidigt Wallner die Arbeit des Landes. VN/Lerch

Bei „Vorarlberg live“ verteidigte sich der Landeshauptmann.

Schwarzach Scheiterte Vorarlberg vergangenen Monat am Contact Tracing? „Ich glaube, man sollte sagen, es gab ein Auf und Ab“, verteidigte sich Landeshauptmann Markus Wallner im Interview mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann bei der Premiere von „Vorarlberg live“ am Montagabend. Kein Experte habe sie vor diesem schnellen und starken Anstieg warnen können, wie stark diese zweite Welle ausgefallen ist, habe halb Europa überrascht. Dass man nun so schnell Infektionsteam und Notspital aufstocken konnte, habe man den Vorbereitungen des Sommers zu verdanken. „Wenn es steil bergauf geht, kommt man ins Schnaufen“, zieht Wallner Parallelen.

Daraus abgeleitet wird Wallner vorsichtig bei der Einschätzung des aktuellen Infektionsgeschehens. Auch wenn die Zahlen zu stagnieren scheinen, sei nicht gesichert dass es nicht wieder zu explosionsartigen Anstiegen kommen könne. „Wir haben es schon ein paar Mal erlebt: Plateau und Sprung. Wir sind noch nicht drüber“, warnt der Landeshauptmann. Daher laufen die Vorbereitungen im Messequartier Dornbirn weiter, sowohl bei der Verbesserung der Testmöglichkeiten wie auch beim Notspital.

Dieses nimmt weiterhin Form an in der Halle neun. Dass das Notspital ein eben solches sei und nicht den gewohnten Ansprüchen an Komfort gerecht werden kann, muss man hinnehmen. Die Zahl der Betten auf den Intensivstationen wurde auf 71 Betten beinahe verdoppelt, was große Anforderungen an das Personal stelle. Die Aussichten deuten darauf hin, dass dies nicht reichen könnte, räumt Wallner ein. In normalen Zeiten habe man in Vorarlberg nicht einmal 40 Intensivpatienten, nun habe man allein so viele Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Und: „Die Infizierten von heute sind die Patienten von morgen“, betont Wallner. Denn die Patientenzahlen schreiten dem Infektionsgeschehen etwa zehn Tage hinterher. Es werde daher anspruchsvoll, die Versorgung auf dem hohen Niveau zu halten.

Quarantäne und Schulen

Dass Bescheide erst nach Ablauf der Quarantäne zugestellt wurden, wurde von Betroffenen immer wieder berichtet. Dass es Rückstauungen in den letzten Wochen gab, muss auch Wallner einräumen. Erst am vergangenen Wochenende gelang es, die liegengebliebenen Fälle vollständig aufzuarbeiten. „Das soll man benennen, wie es ist: Das waren zehntausende Kontakte, wo wir gesehen haben, die müssen täglich bewältigt werden“, erklärt der Landeshauptmann. Mit der Digitalisierung der Kommunikation sei dies nun besser gelöst: Direkt nach dem Test erhält der Betroffene eine Textnachricht, die ihn über seine Absonderung informiert.

Im Gegensatz zur ersten Welle sei das Gefühl der Bevölkerung weniger angstgetrieben, aber auch sorgloser. Man habe die Gefahr nicht mehr ernst genommen, nachdem die erste Welle und der Sommer gut bewältigt wurden. Und auch wenn viel mehr Schüler als im Frühjahr an den Schulen betreut werden – wer könne, solle zuhause bleiben.

Am Donnerstag spricht VOL-Chefreporter Pascal Pletsch unter anderem mit Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. Zu sehen ab 17 Uhr auf VN.at und vol.at.

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