Druck auf Spitäler unverändert hoch

Vorarlberg / 19.11.2020 • 16:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Druck auf Spitäler unverändert hoch
Primar Peter Cerkl vom LKH Hohenems berichtet von einem beschwerlichen Alltag. VN/PAULITSCH

Langzeitschäden bei Coviderkrankten nicht zu befürchten.

Dornbirn Die Pandemie setzt den Krankenhäusern weiter zu. Derzeit sind 223 Covidpatienten in Behandlung, davon benötigen 44 eine Intensivbetreuung. Positive Nachrichten kommen dafür aus der Nachsorge. Laut den bisherigen Erfahrungen sind auch bei schweren Verläufen einer Covidinfektion keine bleibenden Lungenschäden zu erwarten. „Der Weg zur vollständigen Genesung ist allerdings ein langer“, sagte Primar Peter Cerkl, Leiter der Pulmologie im Landeskrankenhaus Hohenems. Er berichtete von einer angespannten Stimmungslage und erschöpften Mitarbeitenden. Auch die Frage, wie es mit dem Regelbetrieb weitergeht, beschäftigt ihn. Er müsse auf seiner Abteilung wohl mit elf Betten über den Winter kommen, die übrigen 27 seien mit Covidpatienten belegt, nannte Cerkl ein Beispiel.

Ein wenig Luft verschafft

Bei der wöchentlichen Presseinformation zur Lage in den Krankenhäusern verwies KHBG-Direktor Gerald Fleisch darauf, dass immer mehr Covidpatienten stationär aufgenommen werden müssen. Aus diesem Grund erfolgte diese Woche, wie berichtet, vorsorglich schon einmal eine Aufstockung der Intensivkapazitäten von 63 auf 71 Betten bzw. Plätze. 15 Intensivbetten sind noch frei, „das verschafft uns ein wenig Luft“, bemerkte Fleisch. Doch beliebig lasse sich die Zahl nicht ausbauen, weil irgendwann auch das Fachpersonal knapp werde. Derzeit sind 217 Mitarbeitende nicht einsatzbereit, 124 von ihnen haben einen positiven Coronatest. Der KHBG-Direktor legte der Bevölkerung noch drei U’s ans Herz: „Ufpassa, usam Weag go und ufanand luaga.“

Während der ersten Coronawelle war das LKH Hohenems ausschließlich Covidpatienten vorbehalten. Inzwischen sind alle Spitäler involviert. Die Situation in Hohenems ist dennoch schwierig. „Wir verfügen im Haus aktuell noch über zwei Notbetten“, verdeutlichte Peter Cerkl. Um weiteres Personal für den Intensivbereich freizuspielen, wurde bereits einer der beiden OP-Säle geschlossen. Dazu kommt noch die ständige Furcht, über Wohl und Wehe von Patienten entscheiden zu müssen, sollten tatsächlich alle Stricke reißen. Zumindest in einer anderen Sache konnte der Lungenfacharzt Entwarnung geben. Den Erfahrungen mit Patienten aus dem Frühjahr zufolge, erholt sich das Gros der Erkrankten vollständig. Beschwerden wie Atemnot bei körperlicher Anstrengung könnten jedoch monatelang anhalten und auch Patienten mit milden Verläufen treffen.

Beschwerlicher Arbeitsalltag

Beschwerlich ist nicht nur der Weg zur Genesung, sondern auch die Gestaltung des Arbeitsalltags im Spital. Ressourcen verschlingt besonders das Management von Covidverdachtsfällen. „Tritt ein solcher in einem Dreibettzimmer auf, muss jeder Patient isoliert werden“, erklärte Pflegedirektor Arno Geiger. Das kostet Betten, weil die Patienten erst nach Vorliegen des Testergebnisses wieder der jeweiligen Station zugeteilt werden können. „Wir müssen laufend improvisieren, um Platz zu finden.“ Das Pflegepersonal hält aber auch den Kontakt zu den Angehörigen. Zwischen 14 und 16 Uhr werden sie angerufen und über den Zustand des Patienten informiert. Das reduziert das Nachfragen durch die Angehörigen selbst. Neu ist, dass bei Patienten, die länger als sieben Tage im Spital liegen, ein Besuch einmal pro Woche möglich ist.

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