„Massentests nur bei Wiederholung sinnvoll“

Vorarlberg / 19.11.2020 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Experte würde bis nach Weihnachten abwarten.

Wien Noch vor dem Nikolaus sollen in Österreich die Massentests kommen. Ablaufen könnten diese wie eine Wahl, mit Sprengeln und Testlokalen. Fest steht das noch nicht. Die Eckpunkte will die Bundesregierung erst präsentieren. Axel Mündlein, Leiter des molekularbiologischen Labors VIVIT in Feldkirch, hält das Vorhaben für epidemiologisch sinnvoll. Eine einmalige Probeabnahme wäre aber zu wenig. Außerdem müsse allen bewusst sein, dass ein negatives Ergebnis noch lange keine Schutzmaßnahmen ersetze.

Zwei Prozent falsch positiv

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat das Ziel, mit den Antigen-Massentests rund vier Millionen Menschen zu erreichen. Begonnen werde vor den Schulöffnungen mit den Lehrern. Bis vor Weihnachten soll sich fast die Hälfte aller Österreicherinnen und Österreicher freiwillig testen lassen. Laut einer Umfrage des ÖVP-nahen Instituts Demox Research wären 61 Prozent dazu bereit.

Kurz nimmt sich mit dem Vorhaben Anleihen aus der Slowakei, wo 3,6 der 5,5 Millionen Einwohner an der ersten Testrunde teilgenommen haben. Zwei Millionen wurden eine Woche später ein zweites Mal getestet. Wer kein negatives Test­ergebnis hatte, erhielt eine strikte Ausgangssperre. Die Antigen-Schnelltests führten in der ersten Runde zu 38.000 positiven Ergebnissen, in der zweiten zu 13.500. Laut einer Studie von Cochrane Österreich (Donau Universität Krems) schlagen Antigentestes bei 20 Prozent der Infizierten nicht an. Zwei Prozent erhalten ein falsch-positives Ergebnis.

„Trügerisches Sicherheitsgefühl“

„Massentests sind dann sinnvoll, wenn die Infektionszahl relativ hoch ist“, sagt Laborleiter Mündlein. Er schlägt vor, die Entwicklung der Fallzahlen abzuwarten und nicht schon vor Weihnachten zu testen. „Es steigen nach jedem Lockdown die Zahlen wieder an. Noch dazu erwartet uns ein noch kälterer Winter.“ Mit Massentests könnten die Zahlen gesenkt werden, wenn sich das Infektionsgeschehen so entwickle, dass ein dritter Lockdown verhindert werden müsse. Der Experte vermutet, dass es im Februar wieder so weit sein könnte. 

Mündlein warnt außerdem davor, die Teststrategie mit Weihnachten in Verbindung zu bringen. Es könnte dadurch ein trügerisches Sicherheitsgefühl entstehen. Schließlich seien die Tests nur Momentaufnahmen. Eine Woche später brauche es einen weiteren Durchlauf, um auch jene Infizierten zu finden, deren Testergebnis einst negativ war, sagt der Experte: „Aus medizinischer Sicht wäre es danach zu befürworten, die Tests alle drei, vier Wochen zu wiederholen. Aus logistischer Sicht wird das aber unmöglich sein.“ VN-ebi

„Massentests sind dann sinnvoll, wenn die Infektionszahl relativ hoch ist.“

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