Stadt Dornbirn will das Rappenloch sichern

Vorarlberg / 19.11.2020 • 17:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Stadvertretung möchte die Trümmer des Felssturzes aus der Rappenlochschlucht beseitigen.VN/Steurer
Die Stadvertretung möchte die Trümmer des Felssturzes aus der Rappenlochschlucht beseitigen.VN/Steurer

Maßnahmen sollen Abfluss der Enz gewährleisten. Neos befürchten zu hohe Kosten.

Dornbirn Seit dem Felssturz im Rappenloch im März verschütten Tonnen von Gestein die Schlucht, wodurch das Wasser der Enz schlecht abfließt. Bei Hochwasserereignissen kann dies sogar zu Flutwellen führen. Für 1,5 Millionen Euro sollen eine weitere Sprengung und anschließende Räumung für Sicherheit sorgen. Allein die Neos sahen die Maßnahmen kritisch, sie befürchten eine Kostenexplosion.

Am 10. Juni dieses Jahres kam es zu einem Hochwasserereignis, wie Vizebürgermeister Markus Fäßler (SP) im der Stadtvertretungssitzung erinnerte. Dabei löste sich ein Propf aus den Gesteinsmassen in der Rappenlochschlucht, das aufgestaute Wasser floss in einem Mal durch, wodurch sich eine wahre Flutwelle die Enz hinunterbewegte. „Zum Glück befanden sich zu der Zeit keine Menschen im Flußbett der Ache und es fuhr kein Verkehr über die Furt“, sagte Fäßler, sodass nichts Schlimmes passierte. Damit sich eine solche Flutwelle nicht wiederholt, wenn etwa ein Gewitter auf einen schönen Badetag folgt, sollen Sicherungsmaßnahmen dafür sorgen, dass sich das Wasser der Enz nicht mehr bis zum Damm des Staufensees aufstaut und sich dann plötzlich Bahn bricht.

In Zusammenarbeit mit Experten wurde, so Fäßler, eine Variante erarbeitet, wonach eine weitere labile Felspartie gesprengt, die Schlucht geräumt und dann gesichert wird. Auch die Trinkwasserleitung aus dem Ebnit muss gesichert werden, „sie versorgt Dornbirn zu 30 bis 36 Prozent“, erinnerte Fäßler. Den geschätzten Kosten von 1,5 Millionen Euro stünden erwartete Einnahmen aus dem Verkauf des Gesteins von 800.000 Euro gegenüber.

Über den Grundsatzbeschluss dazu galt es in der Sitzung abzustimmen, was die Neos gerne verhindert hätten. Sie stellten zu Beginn den Antrag, den Tagesordnungspunkt in die nicht öffentliche Sitzung zu verschieben, was aber mehrheitlich abgelehnt wurde. „Wir haben ein Problem mit der Kostenschätzung“, erklärte Neos-Stadtvertreterin Elisabeth Feurstein. Die Pinken befürchteten, dass die Kosten von 1,5 Millionen Euro weit überschritten werden könnten.

Kein Blick in den Felsen

Dass im Lauf des Verfahrens Mehrkosten entstehen, sei grundsätzlich nicht ausgeschlossen, „auch ein Geologe kann nicht ganz genau in den Felsen hineinschauen“, erwiderte Markus Fäßler. Bürgermeisterin Andrea Kaufmann versicherte jedoch, dass auch Landesgeologe Walter Bauer seit dem Felssturz im März eng in das Vorgehen eingebunden sei.

Die von den Neos vorgetragenen Zahlen vermochten den Rest des Gremiums jedoch nicht zu überzeugen, „ich kann Ihre Rechnung im Augenblick nicht nachvollziehen“, erklärte auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Vizebürgermeister Markus Fäßler bot an, sich mit den Neos und dem zuständigen Abteilungsleiter zusammenzusetzen, um etwaige Fragen zu klären. Lediglich der Wunsch der Liberalen, Landesgeologe Bauer würde öfter schriftlich zur Situation im Rappenloch Stellung nehmen, wurde von manchen Mandataren geteilt. Gegen die Stimmen der Neos fasste die Stadtvertretung den Grundsatzbeschluss, die Maßnahmen in der Rappenlochschlucht umzusetzen.

Stadträtin Juliane Alton plädierte zudem für ein Sirenen-Warnsystem, um Badende in der Ache vor einer Flutwelle warnen zu können. Die Infrastruktur hierfür müsste bereits bestehen, meinte Walter Schönbeck (FPÖ). VN-pes

„Auch ein Geologe kann nicht ganz genau in den Felsen am Rappenloch hineinschauen.“

Die Stadvertretung möchte die Trümmer des Felssturzes aus der Rappenlochschlucht beseitigen.VN/Steurer
Die Stadvertretung möchte die Trümmer des Felssturzes aus der Rappenlochschlucht beseitigen.VN/Steurer

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