Heimbewohner machen 16 Prozent der Covid-Todesfälle aus

Vorarlberg / 20.11.2020 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Heimbewohner machen 16 Prozent der Covid-Todesfälle aus

Vergleichsweise niedrige Werte an Todesfällen in Vorarlberger Heimen. Gründe sind unklar.

Schwarzach Es waren erschreckende Zahlen, die Gesundheitsminister Rudolf Anschober kürzlich bekannt gegeben hat: In mehreren Bundesländern kamen zwischen
1. Oktober und 12. November mehr als 80 Prozent der mit oder an Covid-19-Verstorbenen aus Alten- und Pflegeheimen. Das liegt vor allem an der zweiten Welle. Seit Beginn der Pandemie sind 38 Prozent der Corona-Todesopfer Heimbewohner, insgesamt 600 Menschen. Die Hälfte starb aber seit Anfang Oktober. In Oberösterreich sind zum Beispiel 166 Heimbewohner mit Covid-19 gestorben, 152 davon im Herbst. Vorarlberg stellt in dieser Statistik einen Ausreißer dar, allerdings im positiven Sinn, wie Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker den VN berichtet.

Die Zahl der Infektionen in Vorarlbergs Pflegeheimen ist eigentlich hoch: Derzeit gibt es 89 aktuelle bestätigte Coronafälle unter Vorarlbergs Heimbewohnern und 86 aktuell bestätigte unter den Mitarbeitern. Insgesamt haben sich in Vorarlbergs Heimen 190 Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt. 82 sind wieder genesen, 19 gestorben. 86 Menschen im Land sind bislang mit Covid-19 gestorben. Das bedeutet, dass 16 Prozent der Todesfälle Heimbewohner betrifft.

Die zweite Welle, die allerorts die Heime besonders stark trifft, hat in Vorarlberg bisher acht Todesfälle in Heimen verursacht, die anderen elf Heimbewohner sind im Frühjahr gestorben. Wiesflecker gesteht: „Für mich ist das auch nicht wirklich einordenbar. Gott sei Dank gibt es in unseren Pflegeheimen viele leichte Krankheitsverläufe. Ich kann auch nicht begründen, warum es im Frühjahr anders war.“

Kaum geklärte Quellen

Wie sich Heimbewohner und Mitarbeiter angesteckt haben, ist nicht immer feststellbar. „Man kann das ganz schwer nachvollziehen“, sagt Wiesflecker. Das geht jedoch ganz Vorarlberg so, wie aktuelle Zahlen der Ampelkommission zeigen. Die Quelle von zwölf Prozent aller Fälle konnte vergangene Woche noch nachvollzogen werden, österreichweit waren es 19 Prozent. Im Bezirk Bludenz war nur bei acht Prozent die Quelle bekannt.

Das Coronavirus ist vor allem für ältere Männer gefährlich, wie Zahlen der Intensivstationen zeigen. 39 Frauen und 76 Männer wurden bisher auf Vorarlbergs Intensivstationen betreut. Laut Landespressestelle waren die Frauen durchschnittlich 65 und die Männer 68 Jahre alt. Im Schnitt lagen sie drei Wochen auf der Station. 56 der 115 Patienten mussten beatmet werden. In der Regel weisen die Betroffenen Vorerkrankungen auf. In erster Linie war das Kreislaufsystem betroffen, gefolgt von Stoffwechsel­erkrankungen und Erkrankungen des Atemsystems. Insgesamt sind 15 Prozent der positiv Getesteten zwischen 0 und 19 Jahre alt, 31 Prozent zwischen 20 und 39, 41 Prozent zwischen 40 und 64 und 13 Prozent sind über 65 Jahre alt. VN-mip

„Ich kann auch nicht begründen, warum es im Frühjahr anders war.“

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.