Österreich rüstet sich für Massentests

Vorarlberg / 20.11.2020 • 21:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martina Rüscher hofft, dass die Maßnahmen bald wirken.vn/stiplovsek
Martina Rüscher hofft, dass die Maßnahmen bald wirken.vn/stiplovsek

Details sollen kommende Woche feststehen.

wien, bregenz Österreich öffnet im Kampf gegen die Pandemie ein neues Kapitel: In zwei Wochen beginnen erste Corona-Massentests. Am Wochenende vom 5./6. Dezember und somit zum Ende des harten Lockdowns können sich alle 200.000 Lehrer und Kindergartenbetreuer in Österreich testen lassen. Am Montag und Dienstag folgen 40.000 Polizisten. Kurz vor Weihnachten ist eine breit angelegte Testreihe für die gesamte Bevölkerung geplant. Die Teilnahme ist freiwillig. Die Regierung geht aber von einer großen Bereitschaft aus. Sie hat sieben Millionen Antigen-tests für 50 Millionen Euro bestellt, weitere Bestellungen sind geplant.

Bis zu 2000 Teststraßen

Laut Unterlagen des Bundeskanzleramts liegt die zentrale Steuerung beim Bundesheer. Für die Tests von Lehrern und Polizisten sollen österreichweit jeweils 100 Teststationen eingerichtet werden. Bei den Massentests, die kurz vor Weihnachten stattfinden sollen, sind dem Vernehmen nach bis zu 2000 Teststraßen geplant. Wo diese sein werden und wie die Tests im Detail ablaufen, wird allerdings noch ausgearbeitet, heißt es aus dem Verteidigungsressort.

Die Gesundheitsreferenten der Bundesländer wissen auch nicht mehr. Dieses Wochenende sollen die Massentests und deren Abläufe in Südtirol beobachtet werden. Anfang kommender Woche erfolge eine neuerliche Abstimmung des Gesundheitsressorts mit den Landeshauptleuten und Landesräten. Einen detaillierten Auftrag zur Teilnahme an der Abwicklung haben die Bundesländer noch nicht erhalten. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher erklärt, dass Vorarlberg mit dem Roten Kreuz und den Teststraßen vorbereitet wäre. Deren Einbeziehung ist jedoch, wie vieles andere, noch offen. Wer nimmt die Abstriche? Welches Personal hat die Kompetenz, die Diagnose zu stellen? Wie geht man mit den Contact Tracing und den Absonderungsbescheiden um? Die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß fordert Antworten auf diese Fragen.

Testumfänge unklar

Unklar sei auch der Umfang der Tests, sagt Rüscher. Der Bund müsse sie jedenfalls stellen. Je nach Menge werde auch Vorarlberg die Unterstützung des Bundesheers benötigen. Dieses ist gerüstet. Im Land stehen rund 350 Soldaten für die Tests bereit, wie es aus dem Militärkommando auf VN-Anfrage heißt. Ein Minimalbetrieb und der Assistenzeinsatz beim Contact-Tracing könnten daneben aufrechterhalten bleiben. Je nach Bedarf würden die Soldaten des Österreichischen Bundesheeres auch bundesländerübergreifend eingesetzt. Zwar liegen dem Militärkommando auch Planungsannahmen vor, diese seien jedoch so unsicher, dass man sie nicht kommunizieren wolle. Das Bundeskanzleramt teilt mit, dass neben dem Bundesheer auch die Gesundheitsbehörden, Blaulichtorganisationen, Feuerwehren und freiwillige Helfer im Einsatz sein werden. Verwendet werden sollen Tests der Firmen Roche und Siemens.

Wann und ob es eine zweite, österreichweite Testreihe nach Weihnachten geben wird, steht nicht fest. Für Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) ist aber klar, dass es eine Wiederholung geben muss. „Entscheidend ist auch, dass durch die Tests kein falsches Sicherheitsgefühl entsteht. Denn sie stellen immer eine Tagesaufnahme dar.“ Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) setzt große Hoffnung in den Versuch. „Massentests sind eine Alternative zu Lockdowns von mehreren Wochen.“ Mit dem ersten Durchlauf wolle die Bundesregierung den Menschen zumindest ein Weihnachtsfest im engen Familienkreis ermöglichen. VN-ebi, mm

Vorarlberg hätte mit dem neu eingerichteten Testzentrum im Messequartier schon eine Infrastruktur anzubieten. VN/paulitsch
Vorarlberg hätte mit dem neu eingerichteten Testzentrum im Messequartier schon eine Infrastruktur anzubieten. VN/paulitsch

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