Tschann macht den Ludwig

Vorarlberg / 20.11.2020 • 18:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Michael Ludwig: Simon Tschann (r.) hilft medienwirksam mit.Stadt Bludenz
Wie Michael Ludwig: Simon Tschann (r.) hilft medienwirksam mit.Stadt Bludenz

Fussstapfen Die Aufregung unter den Lustenauer Politikern war groß, als sich die Asfinag vor einer Woche für die CP-Variante entschied. Die favorisierte Z-Variante der S18 wurde beerdigt. Auch über die Informationspolitik der Asfinag und des Landes ärgerte man sich, allen voran der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer (51, VP). Um die Wogen zu glätten und Details zur Asfinag-Entscheidung zu erfahren, trafen sich Fischer, Asfinag-Baumanagement-Chef Alexander Walcher (51), Landeshauptmann Markus Wallner (53, VP), Landesrat Marco Tittler (44, VP), der Leiter der Regionalen Projektentwicklung Günter Fritz (50) sowie der Geschäftsführer der Asfinag Service Gesellschaft Stefan Siegele (50) zum persönlichen Gespräch in Zimmer 20 des Landhauses. Die Öffentlichkeit sollte davon jedoch keinen Wind bekommen, zumindest nach den Vorstellungen der Landesregierung. Als die Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung erfuhr, dass die VN gerne vor Ort samt Foto über dieses Treffen berichten möchten, meldete sich Pressestellenchef Florian Themessl-Huber (40) persönlich, um das Zepter der Message-Control wieder in die Hand zu bekommen. Vergeblich: Das Foto samt Bericht erschien. Die Öffentlichkeit war informiert.

Ministerehren Ein paar Sekunden Ruhm wurden dem Vorarlberger Wirtschaftskammerdirektor Christoph Jenny (55) zuteil. Plötzlich war er Wirtschaftsminister. Zumindest, wenn es nach dem Schweizer Radio und Fernsehen geht. Jenny kam im SRF-Format „10 vor 10“ zu den aktuellen Coronabeschränkungen in Österreich zu Wort und kritisierte die Politik der Bundesregierung als strategielos. Zu Beginn noch als Wirtschaftskammerdirektor richtig betitelt, wurde er nach der Hälfte des Beitrages plötzlich als Minister selbst Teil der Bundesregierung. Ein Experte bezeichnete die österreichische Coronastrategie kurz zuvor als radikal und warnte vor dem Jo-Jo-Effekt. Eine Gratis-Tourismuswerbung für Vorarlberg gab es obendrauf: Laut Beitrag ist Vorarlberg das Ski-
mekka Österreichs.

Rollenwechsel Da dürfte sich der Bludenzer Bürgermeister wohl etwas vom Wahlkampf des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig (59, SP) abgeschaut haben. Er setzte sich kürzlich äußerst medienwirksam in Szene. Bürgermeister Simon Tschann (28, VP) packte im Zuge seines „Praktikums“ bei der Stadt neuerlich mit an. Nachdem er vor einigen Wochen im Altstoffsammelzentrum im Arbeitseinsatz war, fuhr er diese Woche mit der städtischen Müllabfuhr mit. Bei der schweißtreibenden Arbeit galt es für den neuen Gemeindechef neben Rest- auch Sperrmüll zu entsorgen und ins Müllauto zu hieven. Weniger schwer anpacken musste hingegen OLB-Chef Wolfgang Maurer (65). Er wirkte bei der Dachbegrünung des neuen Kindercampus in Bings aktiv mit und sorgte dafür, dass die Grassamen regelmäßig und fachgerecht auf der Dachfläche verteilt wurden.

Spitzname Ihren Start an vorderster politischer Front hat sich Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (48, VP) vermutlich auch anders vorgestellt. Nur wenige Monate nach ihrer Angelobung kam das Coronavirus, und seitdem ist Rüscher fast nur noch mit Krisenbewältigung beschäftigt. Keine Frage, dass ihr dabei auch ihr Kommunikationstalent zugutekommt. Dass sie einen guten Job macht, bekam Martina Rüscher schon öfter gesagt. Jetzt bekam sie auch noch einen hübschen Titel umgehängt. Landeshauptmann Markus Wallner (53, VP) verpasste seiner Gesundheitslandesrätin in aller Öffentlichkeit das mehr oder weniger schmeichelnde Prädikat „fleißige Biene“.

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