Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Waffen ja, Bücher nein

Vorarlberg / 21.11.2020 • 06:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Trotz Lockdown geöffnet!“, frohlockt ein Geschäftsbetreiber. Selbstverständlich ist es nicht, verkauft er doch keine Lebensmittel und auch keine Medikamente. Sondern Waffen: „Der Waffenhandel ist vom Betretungsverbot der Covid-19-Notmaßnahmenverordnung ausgenommen“, so die Erklärung.

Das macht sprachlos. Umso mehr, als diese Woche dieser Aufschrei des Buchhandels gekommen ist: Während man sich bei Gasthäusern vorbereitetes Essen abholen dürfe, sei es dem Buchhandel untersagt, auch nur „kontaktlose“ Abholstationen zu betreiben.

„Geistiger Nahrung wird respektlos begegnet, sie wird zur Wertlosigkeit erklärt. Das gehört korrigiert.“

Das könnte dazu angetan sein, einen Tobsuchtsanfall zu provozieren. Man sollte jedoch Luft holen und dies und jenes beachten: Es wird zwar von einem Lockdown gesprochen, er ist aber begrenzt. Es gibt Ausnahmen, damit das Leben weitergehen kann. Supermärkte sind vernünftigerweise offen geblieben. Zweitens: Es ist schier unmöglich, saubere Lösungen zu schaffen. Laut Notverordnung sind auch „Verkauf und Wartung von Sicherheits- und Notfallprodukten“ zugelassen. Davon profitieren die Waffenhändler, deren Tätigkeit dazu gezählt wird; die im Übrigen nicht nur Schießwütige mit Munition versorgen, sondern auch Jäger, die ihre Arbeit schwer aussetzen können.

Das relativiert einiges, aber nicht alles. Das Schlimme ist, dass hier etwas zum Ausdruck kommt, was schwer zu ertragen ist: Bildung und Kultur haben nicht den nötigen Stellenwert, den sie gerade auch in schweren Zeiten haben müssten. Bücher? Überflüssig! Theater und Museen wurden genauso schnell geschlossen, wie der unersetzbare Unterricht an den Schulen beendet wurde. Signal: Die Zukunft der Jungen, die sich zusätzlich zu Klimawandel und anderen Herausforderungen 2020 weiter eingetrübt hat, hat keine Priorität.

Natürlich ist das Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen so dramatisch geworden, dass auch die größten Beschränkungen geprüft werden mussten. Was die Schulen betrifft, wird das Problem, um das es hier geht, jedoch besonders gut sichtbar: Experten, also auch Mediziner, haben sich bis zuletzt für eine Fortsetzung des Unterrichts ausgesprochen. Sehr viele Lehrer waren ebenfalls dafür. Die Regierung hat das jedoch ignoriert: Sie hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, zu tun, was möglich gewesen wäre; nämlich zu erklären, warum sie sich über alle Wünsche und Empfehlungen hinwegsetzt. Die Botschaft, die damit einhergeht, gehört korrigiert. Sonst bleibt dies zurück: Geistiger Nahrung wird respektlos begegnet, sie wird zur Wertlosigkeit erklärt.

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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