Herumgemosert: Fremde anderen Glaubens

Vorarlberg / 22.11.2020 • 06:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Herumgemosert: Fremde anderen Glaubens
VN/Zündel

Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen: Erst das Protestantenpatent von 1861 gewährte den Evangelischen in Österreich die volle Gleichberechtigung und damit das Recht auf Niederlassungsfreiheit. Das stieß in Vorarlberg damals auf den Widerstand der katholischen Hardliner. Man machte den Protestanten allerlei Vorwürfe: Sie seien die Triebfeder der „Los von Rom“-Bewegung, wären unpatriotisch und hielten Grabreden für ihre Glaubensbrüder, die auf katholischen Friedhöfen beigesetzt werden mussten, obwohl dies verboten war. Der Dornbirner Arzt und spätere Abgeordnete Josef Anton Oelz veröffentlichte einen Aufruf, der die Bevölkerung eindringlich vor den Gefahren des Protestantismus warnte: „Fremde, welche einen anderen Glauben bekennen als wir, Fremde ohne Liebe für unseren Glauben und unsere Sitten, sollen sich bei uns ansässig machen dürfen“, hieß es darin. Diese protestantischen Einwanderer würden „vielleicht bald ohne uns unsere Angelegenheiten ordnen“. Man sollte sich beim Kaiser in Wien dafür einsetzen, dass „dem Lande Vorarlberg die Glaubenseinheit erhalten werde und die Protestanten von der Ansässigmachung ausgeschlossen bleiben“.

Oelz musste sich deshalb wegen Aufwiegelung vor Gericht verantworten, wo sich zunächst herausstellte, dass es das Komitee, in dessen Namen Ölz den Aufruf unterschrieben hatte, gar nicht gab. Sein Anwalt argumentierte, dass es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ja noch gar keine evangelische Gemeinde in Vorarlberg gegeben habe, gegen die man hätte aufwiegeln können. Der aus Mangel an Beweisen gefällte Freispruch des Kreisgerichtes Feldkirch wurde kurz darauf vom Oberlandesgericht Innsbruck kassiert. Ölz erhielt acht Tage Arrest.

Der Konflikt um die Evangelischen war damit aber noch lange nicht zu Ende. Die katholischen Priester predigten regelmäßig gegen sie von der Kanzel. Als 1864 die evangelische Kirche am Ölrain in Bregenz eröffnet wurde, kamen zwar der Landeshauptmann und Vertreter der k. k. Verwaltung zur Einweihung, aber die „katholische Pfarrgeistlichkeit, obwohl geladen, war nicht erschienen“. Als die Evangelische Gemeinde in Bregenz 1914 beim Landtag einen Zuschuss für ihre Schule beantragte, wurde das Ansinnen abgelehnt. Im Landtag wurde den Protestanten vorgeworfen, ihre finanziellen Mittel seien bisher „von Kampfvereinen gekommen, offenbar zur Protestantisierung“. Eine Unterstützung durch den Landtag „würde vom katholischen Volke als Prämie für eine Hetze aufgefaßt werden, und dazu können wir uns nicht herablassen“.

Moritz Moser ist Journalist in und aus Feldkirch. Twitter: @moser_at

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.