Suizidbericht 2019: Warum Selbstmord männlich ist

Vorarlberg / 23.11.2020 • 19:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Psychiater Albert Lingg: "Männer scheuen sich eher davor, Hilfe zu suchen." <span class="copyright">Symbol/APA</span>
Psychiater Albert Lingg: "Männer scheuen sich eher davor, Hilfe zu suchen." Symbol/APA

Suizidbericht 2019: 46 Menschen töteten sich in Vorarlberg selbst. 39 davon waren Männer.

Bregenz Normalerweise wird der Suizidbericht für Vorarlberg rund um den Suizidpräventionstag am 10. September vorgestellt. Die Daten der Statistik Austria, auf denen der seit 1987 erscheinende Report basiert, ließen heuer aber wegen coronabedingter Überlastung länger auf sich warten. Nun wurden die Zahlen veröffentlicht: 46 Suizide wurden 2019 registriert. Damit weist Vorarlberg eine vergleichsweise erfreulich niedrige Zahl auf, stellt das Autorenteam Albert Lingg, Isabel Bitriol-Dittrich und Reinhard Haller fest.

Suizidbericht 2019: Warum Selbstmord männlich ist

Auffallend ist, dass 2019 in Vorarlberg deutlich mehr Männer als Frauen durch eigene Hand gestorben sind: Das auch international meist berichtete 3:1- Verhältnis männlicher zu weiblichen Suiziden liegt nun bei fast 6:1. „Frauen leiden zwar häufiger unter psychischen Erkrankungen und unternehmen öfter Selbsttötungsversuche, aber mehr Männer töten sich tatsächlich selbst“, erklärt Psychiater Lingg. Wie kommt es zu diesem Gender-Paradox? „Männer neigen zu impulsivem, kurzschlüssigem Handeln. Sie scheuen sich bei Problemen eher Hilfe zu suchen.“ Außerdem seien Männer in ihrem Selbstbild häufig verunsichert: „Man erwartet von ihnen, dass sie einfühlsam sind, gleichzeitig spricht man vom starken Geschlecht, das Muskeln zeigen muss.“

Depressionen zu erkennen, sei bei Männern ebenfalls schwieriger. Umgekehrt seien Frauen von Natur aus mit einer ausgeprägteren Resilienz ausgestattet. „Frauen suchen eher Hilfe, wenn sie unter Druck kommen. Das wissen wir auch aus der Telefonseelsorge“, erklärt der ehemalige Chefarzt des LKH Rankweil. Lingg warnt aber davor, die Zahlen überzuinterpretieren, da diese für statistische Berechnungen klein seien.

Wie sich die Coronakrise auf die Suizidrate auswirkt, kann erst im kommenden Jahr beantwortet werden.

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