Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Frohe Botschaften

Vorarlberg / 24.11.2020 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die gute Botschaft vorab: Der Lockdown scheint zu greifen, die Infektionszahlen gehen zurück. Wir können nach der knappen Hälfte durchatmen. Dennoch heißt es weiter durchhalten, bis die sinkenden Zahlen auch in unseren Krankenhäusern spürbar werden. Inzwischen versucht die Politik, uns bei Laune zu halten. Mit täglichen Ankündigungen überrascht sie nicht nur uns Bürger, sondern mitunter auch sich selbst. Etwa wenn Bundeskanzler Sebastian Kurz Massentests ankündigt.

Der eigentlich zuständige Gesundheitsminister wusste anscheinend nichts davon. Ebenso wenig die Bundesländer, Gemeinden, Ärzte, Rotes Kreuz oder das Bundesheer. Sie alle wird es brauchen, um eine derartige Kraftanstrengung zu stemmen. Der nun angekündigte Zeitpunkt am Wochenende vor Weihnachten bietet allerdings mehr Nach- als Vorteile. Ein positiver Test würde ein sehr einsames Fest bedeuten. Ein negativer Test vielleicht als Freibrief für die große Familienzusammenkunft verstanden. Statt im Handel würden die Bürger bei den Teststationen Schlange stehen, mit und ohne Sonntagsöffnung. Einzig die Tourismusbranche könnte wohl aufatmen und nach dem Heiligen Abend wieder auf ungehinderten Betrieb an den Schiliften hoffen.

Doch bevor sich Bürger, Virologen, Opposition, ja sogar Regierungspolitiker über Sinn und Unsinn der ganzen Aktion eine Meinung bilden können, platzt Rudolf Anschober mit der nächsten Nachricht ins Krisengeschehen: Ab Jänner soll geimpft werden. Die frohe Botschaft lenkt ab vom internen Zwist zwischen Bund und Ländern, zwischen Türkis und Grün. Doch schon wieder geht das bekannte Spiel los, weil zu wenig noch bekannt wird: Wer wird wo von wem getestet bzw. geimpft? Und was passiert bis dahin, danach, mit den anderen?

Krisenmanagement ist zu einem guten Teil Kommunikation. Daher seien der Regierung noch einmal ein paar Regeln ans Herz gelegt. Erstens: Vorbereitung ist alles! Vor der Ankündigung sollte der Plan stehen sowie die Konsequenzen bedacht. Zweitens: Interne vor externer Kommunikation! Egal ob Bundesländer, Gesundheitsbehörden, Schulen, die eigene Partei oder die Opposition: Sie alle müssen Ziel und Zweck der Maßnahmen kennen bevor sie öffentlich gemacht werden. Drittens: Reagiere schnell! Wenn Bildungsminister Fassmann erst Ende der Woche betroffene Lehrer über Ablauf der Tests informieren will, ist dies eindeutig zu spät. Viertens: Verbreite logische und widerspruchsfreie Botschaften! Also kein ständiges Schwanken zwischen „die Lage ist ernst“ und „Licht am Ende des Tunnels“. Einzig mit der letzten Regel scheint die Regierung kein Problem zu haben: Sei sichtbar und erreichbar für die Presse! Doch dies gilt auch in jenen Fällen, wo es unangenehme Wahrheiten zu verkünden gilt.

„Statt im Handel würden die Bürger bei den Teststationen Schlange stehen, mit und ohne Sonntagsöffnung.“

Kathrin Stainer-Hämmerle

kathrin.stainer-­haemmerle@vn.at

FH-Prof. Kathrin Stainer-Hämmerle, eine gebürtige Lustenauerin, lehrt Politikwissenschaften an der FH Kärnten.

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