Ein Leben für das Lachen

Vorarlberg / 25.11.2020 • 09:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Walter Galetti war nicht nur auf der Bühne ein Clown, sondern auch im richtigen Leben.
Walter Galetti war nicht nur auf der Bühne ein Clown, sondern auch im richtigen Leben.

Walter Galetti, einst ein weltberühmter Clown, verstarb 89-jährig infolge einer Corona-Infektion.

Rankweil Weil seine Mutter einen Lachkrampf hatte und dieser vorzeitige Wehen auslöste, kam Walter Galetti zu früh auf die Welt. Der Sohn eines italienischen Flüchtlings wuchs in der Schweiz auf, in ärmlichsten Verhältnissen. Das Essen war knapp, so knapp, dass der Bub öfters Hunger litt. Der Großvater heiterte mit seinem Humor die triste Lebenssituation der Familie auf. Walter mochte seinen „Nonno“ sehr. Der Opa war ihm Vorbild und vermittelte ihm, dass sich mit Humor das Leben besser bewältigen lässt.

Schon im Bubenalter fing Galetti an, die Menschen in seiner Umgebung durch Kapriolen und Späße zum Lachen zu bringen. In der Schule bekam er für seinen Hang zur Komik von den Lehrern Ohrfeigen. Auch beim Militär wusste man sein komödiantisches Talent nicht zu schätzen, weil er keinen – weder Soldat noch Offizier – ernst nahm. Deshalb wurde Galetti in Unehre aus der Armee entlassen. Danach ging der gelernte Maurer und Ofensetzer frohen Mutes zum Zirkus. Dort setzte man ihn zunächst als Stallknecht ein. Doch eines Tages kam seine große Chance: Galetti durfte in der zweiminütigen Pause als Clown auftreten. Das war der Beginn einer großen Karriere.

Internationale Preise eingeheimst

Er erlangte als Clown Weltruhm. Die Nummer „Der Clown und seine Ballerina“, der Koppelung des Clowns mit dem Artisten auf dem Seil, machte ihn weltberühmt. Die Ballerina auf dem Seil war keine Geringere als seine Frau Maria, die er 1955 geheiratet hatte. Ihre Liebe zu ihm war so groß, dass sie sich für ihn zur Seiltänzerin ausbilden ließ. Die erste große Auszeichnung, die das Paar für seine Darbietungen erhielt, war der Internationale Zirkus-Oscar im Jahr 1969 in Madrid. Später folgten weitere Auszeichnungen, wie etwa die Goldene Rose und der Fürst-Rainier-Preis in Monaco. Wichtiger als die Preise waren Galetti die (vielen) Briefe, die er von begeisterten Zuschauern erhielt. „Er hat sie alle in einem großen Ordner aufbewahrt“, verrät Tochter Mariza Üstün, die später ihre Mutter als begnadete Seiltänzerin ersetzte.  Die 54-Jährige erklärt den Erfolg ihres Vaters so: „Er machte es nicht wegen des Erfolges. Es ging ihm ausschließlich darum, Menschen zu erfreuen und glücklich zu machen. Das erfüllte ihn.“  Der Mensch lacht gern. Aber ihn zum Lachen zu bringen und von seinen Alltagssorgen abzulenken, ist nicht so einfach. „Papa gelang dieses Kunststück.  Das kann man nicht lernen. Dafür wird man geboren.“

Walter Galetti trat oft mit seiner Tochter Mariza auf.
Walter Galetti trat oft mit seiner Tochter Mariza auf.

Der dreifache Vater war nicht nur auf der Bühne ein Clown, sondern auch im richtigen Leben. „Mein Vater war lustig. Wir lachten zuhause viel. Er hat viel Humor versprüht.“ Nachsatz: „Er hatte so viel Humor, dass er ihn verschenken konnte und trotzdem noch welchen hatte.“ Selbstverständlich kannte Galetti auch die andere, die dunkle Seite des Lebens. „Manchmal war er auch traurig. Aber die Traurigkeit hielt bei ihm nie lange an. Denn ihm gelang es, auch dem Schlechten etwas Gutes abzugewinnen.“ Der große Clown weinte, als seine Eltern starben und sein bester Freund durch einen Stromschlag ums Leben kam. Aber sein Humor rettete ihn auch über diese Verluste hinweg.  

“Papa meinte: Die Welt braucht Clowns.”

Mariza Üstün, Tochter von Walter Galetti

Das Große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg, das er im Jahr 2008 u. a. auch für seine vielen sozialen Einsätze erhielt, nahm er mit den Worten entgegen: „Danke für den Narrenorden.“ Galetti liebte das, was er tat so sehr, dass er bis ins hohe Alter aktiv blieb.  Nach der Sesshaftwerdung in Vorarlberg im Jahr 1986 machte er mit seiner Tochter Mariza mit Herzblut Kindertheater. „Papa hoffte, dass vielleicht das eine oder andere Kind durch ihn den Clown-Beruf ergreift. Denn er war der Meinung, dass die Welt Clowns braucht.“  

Walter Galetti mit seiner Frau Maria. Mit ihr war er 65 Jahre verheiratet.
Walter Galetti mit seiner Frau Maria. Mit ihr war er 65 Jahre verheiratet.

Als sich bei ihm die ersten Anzeichen der Alzheimer-Krankheit bemerkbar machten, ging er als Clown endgültig in Rente. „Papa hatte hohe Ansprüche an sich. Als er merkte, dass er diesen nicht mehr gerecht werden konnte, zog er sich zurück.“ Sein letztes Lebensjahr verbrachte Galetti im Pflegeheim in Rankweil. Dort starb er am 20. November im Beisein seiner Tochter Mariza. Sein letzter Wunsch war eine Beerdigung, die keine ist. „Er möchte, dass wir ein Abschiedsfest machen, bei dem wir feiern, dass es ihn gegeben hat.  Ein Showprogramm mit Musik wäre ihm am liebsten. Auf keinen Fall möchte er, dass wir weinen.“ Mariza verdrückt jetzt trotzdem ein paar Tränen. „Ich vermisse den Menschen und den Clown.“ Sie glaubt aber an ein Wiedersehen im Himmel. „Auch dort wird es sich kaum umgehen lassen, mit ihm Späße zu machen.“

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