Ein Gasthausklassiker am Kornmarkt

Vorarlberg / 25.11.2020 • 16:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So sah der „Goldene Löwen“ vor vielen Jahren einmal aus.
              
              Sammlung Risch-Lau, Vlbg.Landesbibliothek“

So sah der „Goldene Löwen“ vor vielen Jahren einmal aus.

Sammlung Risch-Lau, Vlbg.Landesbibliothek“

Der „Löwen“ in Bregenz wurde Mitte der 1970er-Jahre abgebrochen.

Bregenz Wo Fuhrwerke halten mussten, gab es Wirtshäuser, das galt auch für Bregenz. Nicht nur an der alten Landstraße, sondern natürlich auch am Kornmarkt. Und dort, wo man Rösser unterstellen musste, hatten die Wirtshäuser Ställe und Unterstellplätze fürs Fuhrwerk. Darum waren die Gasträume im oberen Stock. Wenn man da im „Löwen“ über die Stiege zu den Gasträumen hinauf gestiegen ist, hat einem eine farbenprächtige Tafel an den „ersten“ 13. März, an den von 1809, erinnert, als hier Vorarlberg an Bayern übergeben wurde.

Prächtiges Haus

Im oberen Stock ist man mit dem Gefühl gesessen, über dem Trubel zu sein, der sich da drunten auf der Straße und auf dem Platz abgespielt hat, beispielsweise im Fasching.

Wer sich an den früheren „Löwen“ erinnert, und das sind heute schon ältere Bregenzer, der denkt an das prächtige Haus mit dem großen Dach und natürlich an seine Wirtin, die Frau Trunsberger Schedelberger. Ebenso stattlich wie energisch, hat sie es verstanden, jene Ordnung und Stimmung zu verbreiten, die Voraussetzung für den guten Ruf eines Hauses ist.

Bewegte Geschichte des Gasthauses

Zum „Goldenen Löwen“ hat schon früh eine Brauerei gehört. Das zeigt der Stadtplan von 1810. 1793 hat er noch einem „Schankwirt“, dem Franz Kaspar Steger, gehört. Aber dann hat Josef Rallinger, der im Pfarrregister als „Löwenwirth und Bierbrauer“ bezeichnet wird, zu brauen begonnen. 1899 hieß der Löwenwirt Trunsberger. Er verlegte 1900 die Brauerei ins Thalbach und errichtete dort den Eisgalgen. In die Brauerei ist dann Trunsbergers Schwager Mühlich mit seinem Feinkostladen eingezogen. Im Parterre vom „Löwen“ war neben dem Stall noch ein Lokal, in dem 1898 Otto Weiß sein Damen- und Herren-Friseurgeschäft eröffnete, das er bis in die 1960er-Jahre geführt hat – nur unterbrochen durch die französiche Besatzung,
die nach dem Krieg ein paar Jahre lang den Platz für sich beanspruchte. Otto Weiß war auch begehrter Theaterfriseur und Maskenbildner. Seinen Stammkunden hat er mit Stolz an den betreffenden Tagen verkündet, dass „haite Premieere“ sei oder „Geschtern hom-mer Premieere g’het!“.

Wein in Teetassen

Der „Löwen“ war früher auch Wahllokal. Damals war an Wahltagen noch Alkoholverbot. Aber diese Wahlkommission hat sich zu helfen gewusst. Sie haben Teetassen serviert bekommen. Aber nicht Tee war drinnen, sondern Wein. Das alkoholfreie Aussehen war gewahrt und die Stimmung gut.

Das erste Kino in Bregenz

Im Mühlichhäusle war nach der Brauerei das erste Kino in Bregenz, nach diesem die Depositenbank und dann der Rechsanwalt Dr. Julius Denifl eingezogen; im oberen Stock zuletzt sein früherer Konzipient Dr. Fleischmann. Mitte der 1970er-Jahre war dann Schluss mit dem altehrwüridgen Gasthof. An seiner Stelle entstand ein Spar-Markt, ein typisches Bauwerk dieser Zeit, und im oberen Stockwerk war die Fahrschule Schedelberger, heute Fahrschule Frener, zu Hause. Fst

An dieser Stelle am Kornmarktplatz stand das legendäre Gasthaus.fst
An dieser Stelle am Kornmarktplatz stand das legendäre Gasthaus.fst

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