Skifoan

Vorarlberg / 27.11.2020 • 18:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Skifoan

Der Winterurlaub soll, geht es nach dem Willen unserer Nachbarn, heuer ins Wasser fallen. Das ist einerseits verständlich, wenn man das Infektionsgeschehen betrachtet, andererseits aber auch eine Hiobsbotschaft. Allein in Österreich tragen ausländische Touristen jährlich etwa 23 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei. Würden die knapp 27 Millionen Nächtigungen ausbleiben, die jährlich allein auf deutsche Wintertouristen entfallen, wäre das für manche Betriebe das wirtschaftliche Aus. Gerade in der Hotellerie sind die Rücklagen meist schmal bis inexistent. Nach Berechnungen der Nationalbank könnten durch die Auswirkungen der Corona-Krise 29 Prozent aller heimischen Hotel- und Gastronomiebetriebe vor der Pleite stehen.

So gesehen ist es verständlich, dass Bundes- und Landespolitiker nicht frohlockend auf die Stimmen aus dem Ausland reagieren, die den Skiurlaub in Österreich als Bedrohung für ihre Gesundheitssysteme ansehen. Aber auch ihnen kann man es nicht übel nehmen, dass sie die Situation ernst nehmen und den österreichischen Verantwortungsträgern wenig Problemlösungskompetenz zutrauen. Der Drang, die Wintersaison noch bis zum letzten DJ-Ötzi-Lied in der hintersten Dorfbeiz auszuschlachten, hat bekanntlich zur sanitären Katastrophe von Ischgl geführt. Die Lust Europas, sich noch einmal von Tirol aus anstecken zu lassen, ist begreiflicherweise begrenzt. Für sein Totalversagen hat sich Österreich bis dato weder entschuldigt noch hat sich jemand bemüßigt gefühlt, dafür Verantwortung zu übernehmen. Der ohnehin sehr sanfte Untersuchungsbericht zu den Vorkommnissen führte höchstens zu Angriffen auf die zuständige Kommission. Der Satz „Die Behörden haben alles richtig gemacht“ des Tiroler Gesundheitslandesrates Bernhard Tilg bleibt in Innsbruck nach wie vor so unhinterfragt wie dessen Mitgliedschaft in der Landesregierung.

Währenddessen reitet Bundesministerin Elisabeth Köstinger, neben Post, Bergbau und Zivildienst unter anderem auch für den Tourismus zuständig, aus, um die nächste Wintersaison zu retten. Sie fürchte sich nicht vor einer Infektion beim Skifahren, gab sie kürzlich im deutschen „Spiegel“ zu Protokoll, nachdem sie im Frühjahr noch die Bundesgärten hatte schließen lassen. Bundeskanzler Sebastian Kurz, der nun eines der am stärksten vom Virus betroffenen Länder der Welt verwaltet, kann indessen kaum auf die Fürsprache der europäischen Partner zählen. Zu groß scheint die Gefahr und zu oft hat man sich in der Vergangenheit auf Kosten der EU profiliert. Aus Ungarn und Polen, wo deren Kritiker zu Hause sind, kommen traditionell wenige Wintertouristen.

Moritz Moser stammt aus Feldkirch, lebt und arbeitet als Journalist in Wien. Twitter: @moser_at

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