Verein statt Gewerbe: Keine Masken am Hochhäderich

Vorarlberg / 27.11.2020 • 17:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verein statt Gewerbe: Keine Masken am Hochhäderich
Am Hochhäderich hat man einen eigenen Zugang zu den Covidauflagen. VN

Der Hochhäderich will im Dezember scheinbar Gäste mit einem Verein und MNS-Forschung locken.

Riefensberg “Was wäre, wenn … Reiseeinschränkungen, Quarantäne oder andere Maßnahmen dir nichts anhaben können und du dennoch schöne Tage am Hochhäderich erleben kannst?” Mit diesem Argument wirbt das Almhotel Hochhäderich für seine Idee, wie es ab Mitte Dezember Gäste anlocken will: Skigebiet und Hotel sind für die Allgemeinheit geschlossen, aber an zwei Vereine vermietet. Diese führen ein Forschungsprojekt an den Mitgliedern durch, wie das Verzichten auf den Mund-Nasen-Schutz (MNS) bei gleichzeitiger Eigenverantwortung das Wohlbefinden verbessert. Eine Mitgliedschaft kostet bis zu 30 Euro und gibt Rabatte auf die Skikarte, mit einer Vorladung zum Forschungsprojekt sollen auch Reiseeinschränkungen umgangen werden.

“Das Gesundheitsinstitut und die Sportakademie sehen das Projekt als enorm wichtig”, erklärt das Almhotel auf seiner Webseite. “Gerade jetzt, da man in den Medien und von den Behörden immer wieder von neuen Regelungen hört, braucht es die Forschung, um herauszufinden, was man tatsächlich braucht und was nicht.” Nur: Beide Vereine wurden von den Hotelbetreibern selbst gegründet, man vermietet sich das Hotel quasi selbst. Präsidenten der beiden Vereine sind ebenfalls die Hotelbesitzer. Der Verdacht liegt nahe, dass man am Hochhäderich versucht, sich über diese Argumentation der MNS-Pflicht und weiteren Einschränkungen der Gastronomie zu entziehen. “Die Forschung geschieht hier nicht im Gewerbe, sondern im Verein”, betont die Betreiberfamilie Steurer auf ihrer Webseite. Man wolle damit nicht die Maskenpflicht umgehen, sondern vielmehr deren Sinnhaftigkeit auf den Grund gehen und wie sich die Teilnehmer aufgrund der verschiedenen Regelungen und Maßnahmen fühlen.

Inwiefern dies nachvollziehbare neue Erkenntnisse mit sich bringt, sei dahingestellt. So ist beispielsweise nicht ersichtlich, mit welcher Kontrollgruppe die Teilnehmer verglichen werden sollen, wenn alle Teilnehmer keinen Mundschutz tragen. Um Erkenntnisse zu gewinnen, bräuchte es jedoch mindestens eine weitere Gruppe, die unter denselben Bedingungen den MNS trägt. Inwiefern die beiden Vereine wissenschaftlich bei ihrer Forschung begleitet werden, ist nicht erkennbar. Eine entsprechende Anfrage der VN blieb bisher unbeantwortet.

Behörden kritisch

Bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg sieht man das Projekt mit Verwunderung, will aber keine unlauteren Absichten unterstellen. Man gehe davon aus, dass man sich am Hochhäderich rechtlich abgesichert hat. Falls es jedoch tatsächlich nur ein Versuch sei, die Covid-Auflagen zu umgehen, was die Wirtschaftskammer nicht begrüßen würde, werde man damit nicht durchkommen.

Das Land Vorarlberg verweist auf die Bezirksbhauptmannschaft, diese sei informiert. Bei der BH Bregenz sei man über die Sache informiert und habe auch Kontakt mit den Betreibern aufgenommen. Aus deren Sicht steht die Argumentation auf sehr wackeligen Beinen. Bisher ist aber noch nichts geschehen am Hochhäderich und auch die Rechtslage im Dezember kann sich noch verändern.

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