Sie hat ihre Berufung gefunden

Vorarlberg / 29.11.2020 • 17:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Andrea Schäfer ist seit 2019 als freiberufliche Hebamme in Vorarlberg tätig.<span class="copyright">Privat</span>
Andrea Schäfer ist seit 2019 als freiberufliche Hebamme in Vorarlberg tätig.Privat

Andrea Schäfer ist als freiberufliche Hebamme tätig.

Raggal Andrea Schäfer stammt aus dem Zürcher Oberland und wohnt mit ihrer Familie im Ortsteil Marul. Die 34-jährige Hausfrau und dreifache Mutter ist von Beruf Hebamme. Mit sehr viel Leidenschaft übt sie diesen Beruf derzeit als freiberufliche Hebamme aus.

Warum haben Sie sich für den Beruf Hebamme entschieden?

Schäfer Bereits mit zwölf Jahren hegte ich den Berufswunsch Hebamme. Meine Mutter arbeitete im Gesundheitsbereich und in der Familie meines Vaters gab es eine Frau, die diesen Beruf ausübte. Das Entstehen des Lebens und die Arbeit im Krankenhaus faszinierte mich. Ich war noch zu jung für die Hebammenschule und entschied mich somit für eine Lehre in der Apotheke. Mit 19 Jahren ging es dann Richtung Traumberuf los. Ich begann meine Hebammenausbildung und diese brachte mich in verschiedene Spitäler und Geburtshäuser in der ganzen Schweiz.

Wie kam es zur freiberuflichen Variante?

Schäfer Bereits während meiner Ausbildung festigte sich der Wunsch irgendwann als freiberufliche Hebamme zu arbeiten. Nach der Ausbildung begann ich als Spitalshebamme zu arbeiten. Das dauerte insgesamt sechs Jahre. Bereits nach drei Jahren Berufserfahrung im Spital startete ich als freiberufliche Hebamme. Ich blieb im Spital 100 Prozent angestellt und machte dies zusätzlich. Ich übernahm Nachbetreuungen im Wochenbett und gab Geburtsvorbereitungskurse. Während dieser Zeit bildete ich mich in alternativen Heilmethoden weiter. Zudem profitierte ich vom Wissen von sehr erfahrenen Hebammen in unserem Spitalsteam. Darunter auch eine Hebammen, welche mit Hausgeburten vertraut war.

Was war Ihr Beweggrund, im Großen Walsertal zu arbeiten?

Schäfer Mein Ehemann ist gebürtiger Walser und wir haben uns im Jahr 2015 für einen Umzug ins Große Walsertal entschieden. Ich arbeitete weiterhin in der Schweiz. Ich war in einer gynäkologischen Praxis als freiberufliche Hebamme tätig und betreute Frauen von Anfang Schwangerschaft bis ins Wochenbett. Mit meinen eigenen zwei Kindern war dies gut zu koordinieren. Als die Kindergartenpflicht anstand, pausierte ich meine Arbeit für ein Jahr. Ich vermisste es aber sehr schnell und entschied mich dazu, mich auch beruflich im Großen Walsertal niederzulassen.

Wie genau schaut Ihr Tätigkeitsbereich als freiberufliche Hebamme aus? Welche Aufgaben übernehmen Sie?

Schäfer Als ich meine Arbeit aufnahm, erhielt ich positives Echo von einigen Frauen aus der Region, die wegen der Winterverhältnisse oder Fahrtwege keine Hebamme fanden. Somit hatte ich gleich am Start viel zu tun. Heute bin ich hauptsächlich im Biosphärenpark unterwegs. Ich mache die Mutter-Kind-Pass-Beratungen. Alternativ dazu biete ich Betreuung bei Beschwerden während der Schwangerschaft und im Wochenbett an. Ich halte Geburtsvorbereitungskurse ab. Zu meiner Tätigkeit zählen zudem die Wochenbettbetreuung, Laserbehandlung und die Babymassage.

Wie lässt sich Ihr Beruf mit Familie vereinbaren?

Schäfer „Mama muss immer mal wieder bei Notfällen schnell auf den Weg“. Meine Kinder sind sehr unkompliziert im Unterbringen bei Freunden, Nachbarn und Bekannten. Es kann auch an Feiertagen und sonntags der Fall sein. Ab und zu wird es abends spät, aber meine Familie kennt es nicht anders. Die langen Fahrtwege, welche ich in die Schweiz hatte, fallen weg, das erleichtert das Ganze. Im Gegensatz zur Arbeit im Krankenhaus, ist meine jetzige Arbeitsweise ein wenig entspannter.

Was hat sich während der Corona-Zeit bei Ihrer Arbeit verändert?

Schäfer Die Frauen sind wesentlich unsicherer in Bezug auf die Geburt. Ich habe mehr Anfragen fürs ambulante Wochenbett, das heißt, dass die Frauen sechs Stunden nach der Geburt wieder nach Hause kommen. Meine Geburtsvorbereitungskurse halte ich per Videochat ab und die telefonische Beratung hat zugenommen. Bei Besuchen stehen zusätzliche Hygienemaßnahmen und Abstandhalten auf der Tagesordnung. Bei Stillhilfe gestaltet sich Letzteres in der praktischen Umsetzung eher schwierig.

Gibt es in Zeiten von „viel-zuhause-bleiben“ Ihrer Meinung nach mehr Hausgeburten?

Schäfer Bei vielen Frauen ist dies in dieser Zeit eine Überlegung. Aber es gibt nur noch eine Hebamme in Vorarlberg, welche Hausgeburten begleitet. Das Thema Hausgeburt war bereits vor Corona ein eher schwieriges. SG

Zur Person

Andrea Schäfer

Alter 34 Jahre

Wohnort Marul

Familie verheiratet, 3 Kinder (8 Jahre, 5 Jahre, 10 Monate)

Beruf freiberufliche Hebamme

Hobby Natur, Skifahren, Biken, Nähen

Motto Sei frei, wo immer du bist.

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