Emil Nachbaur: Trotz Handicap erfolgreich

Vorarlberg / 30.11.2020 • 17:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Emil Nachbaur: Trotz Handicap erfolgreich
Der erfolgreiche Unternehmer hat sich endgültig in den Ruhestand verabschiedet und Nachbaur Reisen seinem Neffen Michael Nachbaur übergeben. KUM

Emil Nachbaur (83) ist glücklich, dass sein Neffe Michael sein Lebenswerk Nachbaur Reisen fortführt.

Feldkirch Emil Nachbaur wollte in die Fußstapfen seines Vaters treten, der Maurer und Polier war. „Aber Mama meinte, es sei zu gefährlich am Bau. Ich solle besser einen weniger gefährlichen Beruf ergreifen.“ Der Klauser beschloss, die Handelsschule zu absolvieren, um später einen Bürojob ausüben zu können.

Wie alle jungen Menschen hatte Emil Träume, die nach Verwirklichung drängten. „Ich wollte die Welt sehen, eine Familie gründen und beruflich mein eigener Chef sein.“ Heute ist Emil 83 Jahre alt und zutiefst dankbar dafür, dass all seine Träume in Erfüllung gingen und er auf ein reiches Leben zurückblicken kann.

“Man muss in die Welt hinaus, um zu sehen, wie schön es daheim ist.”

Emil Nachbaur, pensionierter Unternehmer

Im Jahr 1970 verschlug es den Hasch-Absolventen in die Reisebranche. Er erledigte die Büroarbeit für das Busunternehmen „Barbisch“. „Es hat mir Spaß gemacht, Ausflugsfahrten zu organisieren.“ Er begleitete aber auch liebend gern Busfahrten als zweiter Chauffeur. „Wir reisten zum Beispiel nach Istanbul und Bibione.“ Der Job bei Barbisch gefiel ihm, auch weil er durch ihn in andere Länder kam. „Man muss in die Welt hinaus, um zu sehen, wie schön es daheim ist.“

Er war 36 und bereits dreifacher Vater, als es zu einer Zäsur in seinem Leben kam. Ein Verkehrsunfall im Mai 1973 brachte ihn in den Rollstuhl. „Ein Lkw fuhr auf mein Auto auf. Meine Wirbelsäule brach. Seither bin ich querschnittgelähmt.“ Andere zerbrechen an solchen Schicksalsschlägen. Nicht so Emil. „Mich hielt meine Familie aufrecht, meine Frau und meine Kinder.“ Aber auch andere Menschen sprachen ihm Mut zu. „Sie versicherten mir, dass man auch als behinderter Mensch im Leben einen Sinn finden könne.“

Sohn tödlich verunglückt

Emil blieb der Reisebranche auch nach dem Unfall erhalten. 1976 wechselte der gehandicapte Mann zu Loacker Tours, wo er unter anderem Reisen organisierte. Irgendwann dachte er sich: „Das, was ich hier mache, kann ich selber auch machen.“ Mit diesem Gedanken kam Nachbaur Reisen in die Welt. 1984 eröffnete Emil mit seiner Tochter Gudrun in Feldkirch ein Reisebüro.

Das war der Auftakt zu einer beruflichen Erfolgsgeschichte. Es begann mit dem Organisieren von Busreisen, später kamen Flug- und Schiffsreisen hinzu. Emils Unternehmen profitierte vom Reiseboom, der ab dem Jahr 2000 einsetzte. „Seither konnten wir unseren Umsatz jährlich steigern.“ Der Unternehmer ließ auch andere an seinem Erfolg teilhaben, seine 20 Mitarbeiter zum Beispiel. Einen Teil des Gewinnes brachte er ganz selbstverständlich in soziale Projekte ein. Er ließ zum Beispiel in Afrika Schulen und ein Spital bauen und in Armenien ein Zentrum für behinderte Kinder (“Emils kleine Sonne”). „Mir geht es gut. Ich möchte, dass es anderen auch gutgeht“, begründet der 83-Jährige sein soziales Engagement.

Das Schicksal bescherte Emil viel Gutes, aber auch manch Leidvolles. Sein Sohn Robert starb 1988 19-jährig bei einem Verkehrsunfall. “Dieser Schmerz geht nie ganz weg.” Auch dies musste er akzeptieren, wie seine Querschnittlähmung. “Es gibt keine andere Alternative, als es anzunehmen.” Emil ist stolz darauf, dass er alles gut bewältigt hat und beruflich erfolgreich war. “Mein Leben ist ein Beweis dafür, dass man im Lebentrotz Behinderung einen Sinn finden kann.”

Emil Nachbaur

geboren 27. Oktober 1937 in Klaus

Wohnort Feldkirch

Familie Lebensgefährtin Rosi, zwei Kinder

Hobby Reisen

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