Ritsch rudert volle Pulle zurück

Vorarlberg / 30.11.2020 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einwallner hat die Lust auf Bewerbung als Stadtamtsdirektor verloren. VN
Einwallner hat die Lust auf Bewerbung als Stadtamtsdirektor verloren. VN

Bregenzer Stadtamtsdirektor wird ausgeschrieben. Einwallner will von Bewerbung nichts mehr wissen.

Bregenz Im Eiltempo gefasste Personalwechsel können für Aufregung sorgen und so gut wie fixe Pläne abrupt beenden. Jüngstes Beispiel dafür liefert Michael Ritsch (SP) als neuer Bürgermeister in der Landeshauptstadt. Ritsch versucht nämlich in Sachen Rathauspersonal kräftig umzurühren. Nachdem er die frühere Kulturstadträtin Judith Reichart zur neuen Leiterin des Kulturamtes auserkoren hatte, sollte sein langjähriger Vertrauter und Wegbegleiter Reinhold Einwallner (SP) den Stuhl von Stadtamtsdirektor Klaus Feurstein übernehmen.

„Kostet“ Feurstein 400.000 Euro?

Dass dieses Vorhaben für parteipolitischen Wirbel sorgt, war zu erwarten. Zumal Ritsch Parteifreund und Nationalrat Einwallner ohne Ausschreibung des Jobs ins Amt hieven wollte. Rein rechtlich wäre der Plan des Stadtchefs auch gedeckt. Ein Bürgermeister darf normalerweise bis zur Gehaltsstufe 14 und in Pandemiezeiten gar bis zur Stufe 23 Jobs eigenhändig vergeben. Weil die Vorgangsweise für harte Kritik von allen Seiten gesorgt hatte, rudert Ritsch jetzt zurück. Er strich den Punkt von der heutigen Stadtratssitzung und will den Job jetzt doch ausschreiben. Was den Verzicht von Feurstein betrifft, so wird die Summe, die er für seinen Rückzug erhalten dürfte, mit rund 400.000 Euro beziffert. Stichwort Euro: Einwallners An­stellung

hätte in der Gehaltsstufe

23 erfolgen sollen. Sein Jahresbrutto-

gehalt wäre zwischen

180.000 und 200.000 Euro zu liegen gekommen. „Bis vor Kurzem hätte es im Stadtrat noch eine klare Mehrheit für den Plan gegeben, Reinhold Einwallner mit dieser Funktion zu betrauen. Diese Mehrheit ist nun unter dem Druck einer parteipolitischen Kampagne zusammengebrochen“, begründet Ritsch seinen Schwenk. Nachdem die VP vier, die SP drei und die Grünen zwei Stadtratssessel besetzt halten, kann freilich nur spekuliert werden, welche Partei Ritsch die nötige Mehrheit besorgt hätte. Hört man sich nämlich in Bregenz um, so sollen es ungeachtet gegenteiliger Beteuerungen die Grünen mit Vizebürgermeisterin Sandra Schoch und Heribert Hehle gewesen sein, mit deren Zustimmung der neue Stadtchef „fix gerechnet“ hatte.

Einwallner pfeift auf Bewerbung

Für Einwallner würden sachliche Argumente sprechen, betont Ritsch: „Als akademisch geprüfter Organisations- und Personalentwickler sowie Unternehmer könnte er mit seinem umfassenden Wissen und seiner Erfahrung zur künftigen Neuorganisation des Amtes einen enormen Beitrag leisten. Offensichtlich ist diese Personalie in der Zwischenzeit zu einem politischen Spiel zwischen den anderen Fraktionen geworden. Ich bedauere es, dass gewisse Personen in der Stadtpolitik offenbar wenig Interesse an meinem neu eingeschlagenen Weg des Miteinanders haben.“ Einwallner dürfte Ritsch damit allerdings nicht mehr dazu bringen, sich bei der Ausschreibung zu beteiligen: Er wolle sich „nicht parteipolitischen Spielchen widmen und sich jetzt voll und ganz auf seine politische Funktion als Nationalrat konzentrieren“, heißt es in der SP.

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Ritsch schreibt Spitzenjob jetzt doch aus.
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