Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

Welthauptstadt des Brotes

Vorarlberg / 14.12.2020 • 18:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Meine Dokumentsuche hat ergeben, dass ich in dieser Kolumne überdurchschnittlich viel über Brot schreibe. Ich habe zu gutem Brot eine Liebe, die sonst fast ausschließlich lebenden Organismen mit einem Zentralnervensystem vorbehalten ist, die mich lieb anschauen können. Okay, Holz schafft das vielleicht noch, ein Material, das mich in allen Aggregatszuständen glücklich macht: Als Wald in jeder Jahreszeit, als völlig leblos wirkendes, schwarzes Geäst, das im Frühling über Nacht plötzlich in Grün und Blüh explodiert, als Baumaterial, als Werkstoff, als Feuer in meinem Ofen. Ich liebe Holz sogar, während ich drei Kubikmeter Hartholzscheite vom Nachbar-Bauern in meinem Schuppen einschlichte. Gestern hab ich in der Tim-Mälzer-Kochsendung „Kitchen Impossible“, die mir sonst eigentlich zusehends auf die Nerven geht, einem wunderbar verrückten Schweizer Sternekoch dabei zugesehen, wie er Zirbenholzspäne röstet und damit dann ein Rahm-Eis aromatisiert, und es erscheint mir völlig logisch, dass man etwas, das so herrlich riecht, auch essen möchte. Holz ist ein permanentes Geschenk.