Zusammenarbeit wird im „kleinen Nest“ großgeschrieben

Vorarlberg / 10.01.2021 • 17:46 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Die Sanierung des Volksschul- und Gemeindesaaldachs steht heuer in St. Anton auf der Agenda.<span class="copyright">VN/Raich</span>
Die Sanierung des Volksschul- und Gemeindesaaldachs steht heuer in St. Anton auf der Agenda.VN/Raich

Bürgermeister Helmut Pechhacker strotzt vor Tatendrang und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

St. Anton Für den neuen Bürgermeister von St. Anton, Helmut Pechhacker, stehen das Gemeinsame und das Miteinander in der Gemeindestube im Mittelpunkt seiner politischen Bemühungen. Mit dem Start in seine Zeit als Bürgermeister gibt sich Pechhacker sehr zufrieden. Für heuer stehen einige – teils große – Projekte an, die laut dem neuen Gemeindechef nicht aufgeschoben werden können.

Herr Pechhacker, was hat Sie dazu bewogen, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, wollten Sie diesen Job immer schon ausüben?

Pechhacker Nachdem mein Vorgänger drei Tage vor Abgabeschluss der Wahlvorschläge seinen Rückzug aus der Gemeindepolitik bekannt gegeben hat, war das eine relativ kurzfristige Entscheidung. Trotz der nur kurzen Überlegungsphase bin ich nach derzeitigem Stand froh, dass ich mich dazu bereit erklärt habe.

Sie sind auch als Unternehmer tätig, sind beide Aufgaben zeitlich überhaupt unter einen Hut zu bringen?

Pechhacker Ja, allerdings mit mehr Zeit- und Personalaufwand. Das Bürgermeisteramt in St. Anton ist durchaus ein Vollzeitjob. Man meint immer, eine kleine Gemeinde kann nicht so viel Arbeit geben, allerdings bleibt bei einer kleinen Gemeinde umso mehr Arbeit beim Bürgermeister oder an den wenigen Gemeindebediensteten hängen. Als Unternehmer musste ich noch einen Mitarbeiter einstellen und die Strukturen ein bisschen ändern, aber es funktioniert.

Worin unterscheiden Sie sich besonders von Ihrem Vorgänger Raimund Schuler?

Pechhacker Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass ich es leichter habe mit den politischen Gegnern, die er gegen Schluss hin sehr stark als Widerstand gespürt hat. Diesbezüglich habe ich den Vorteil, dass ich unvoreingenommen in die ganze Sache hineingehe.

Ihre Herausforderin Alexandra Battlogg sprach im Wahlkampf von Turbulenzen in der Gemeinde, sie wolle wieder für Ruhe und Frieden in der Gemeindestube sorgen. Wie ist die Stimmung in der Gemeinde jetzt?

Pechhacker Die Zusammenarbeit mit der zweiten Fraktion funktioniert bis jetzt auf jeden Fall sehr gut. St. Anton ist ein kleines Nest. Das Ziel von allen ist, dass wir gemeinsam etwas für St. Anton machen und nicht persönliche Befindlichkeiten voranstellen. Ich habe das Gefühl, dass alle in der Gemeindevertretung auf derselben Wellenlänge schwimmen.

Wie fühlen Sie sich in Ihrer neuen Rolle und konnten Sie sich bereits einleben?

Pechhacker Ich fühle mich sehr gut. Es ist durchaus viel Arbeit, auch weil viel liegen geblieben ist in den letzten zwei Jahren. Ich habe aber ein tolles Team in der Verwaltung hinter mir, und auch allen Gemeindevertretern ist anzumerken, dass sie gemeinsam etwas machen wollen.

Welchen Führungsstil darf man von Ihnen als neuen Gemeindechef erwarten und wie würden Sie ihn beschreiben? Stichwort: Dorfkaiser.

Pechhacker (Lacht) Den Ausdruck Dorfkaiser gibt’s schon lange nicht mehr. Diese Zeiten sind vorbei. Als Bürgermeister weiß man, dass man auf eine gewisse Zeit gewählt ist. Wenn man diese Zeit gut arbeitet, hat man die Chance, dass man wieder für fünf Jahre gewählt wird. Was den Führungsstil anbelangt, ist mir das Gemeinsame einfach das Wichtigste.

Heißt das, Sie würden in vier Jahren wieder zur Verfügung stehen?

Pechhacker Das kann ist jetzt noch nicht sagen. Wenn die nächsten vier Jahre so weitergehen wie die ersten drei Monate, kann ich mir das auf jeden Fall vorstellen.

Zu einem aktuellen Thema: Wie gehen Sie persönlich und als Bürgermeister mit dem Thema Corona um und wie sehr hat die Pandemie Ihr Leben und das in der Gemeinde auf den Kopf gestellt?

Pechhacker Extrem. Wie überall. Ich glaube, landauf, landab hat das wirklich das Leben eines jeden Einzelnen auf den Kopf gestellt. Die Geselligkeiten am Abend, Freunde treffen, Geburtstage feiern, das alles geht mir persönlich extrem ab. Ich hoffe natürlich, dass sich die Situation irgendwann in diesem Jahr wieder ändert. Diesbezüglich bin ich aber eher pessimistisch.

Ist es bei der derzeitigen Nachrichtenlage schwierig geworden, positiv in die Zukunft zu blicken?

Pechhacker Nein. In Bezug auf St. Anton finde ich das überhaupt nicht. Wirtschaftlich bzw. finanziell wird es sicher Einschränkungen geben, das wird aber größere Gemeinden mit mehr Industrie bzw. Fremdenverkehr ärger treffen als uns. In die Zukunft sollte man immer positiv blicken.

Stichwort Finanzen: Wie sieht es mit den Finanzen aus und wo sehen Sie Probleme in der Finanzierung auf die Kommune zukommen?

Pechhacker Momentan sehen wir noch nicht so große Probleme auf uns zukommen. Wir haben einige (auch größere) Projekte, die heuer anstehen und auch im Budget enthalten sind. Die erste Coronamilliarde hilft uns sehr. Hier haben wir 75.000 Euro lukriert. Damit können wir einiges umsetzen. Was die zweiten 1,5 Milliarden anbelangt, werde ich eher zurückhaltend sein, was das Geldausgeben betrifft.

Welche Projekte oder Ziele wollen Sie als Bürgermeister als Erstes in Angriff nehmen?

Pechhacker Das Erste, das wir auch in der Gemeindevertretung bereits beschlossen haben, ist die Umsetzung der Straßennamen. Wir sind eine der wenigen Gemeinden, die das noch nicht hat. Da werden wir heuer mit Vollgas dahintergehen. Als weiteres Projekt ist die Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung vorgesehen. Als Drittes steht heuer die Sanierung von Dach und Fassade der Schule bzw. des Mehrzweckgebäudes an, das ist ein großer Brocken. Wo wir auch schon länger dran sind, ist die Errichtung eines Nahversorgers auf einem Gemeindegrundstück zwischen Gemeindeamt und Bäckerei. Das soll auch heuer starten.

Wie viel wird das kosten?

Pechhacker Die Kosten für die Straßennamen halten sich in Grenzen, da liegen wir bei 13.000 bis 15.000 Euro. Die Beleuchtung kann man mit 80.000 Euro beziffern. Die Dachsanierung ist der größte Brocken. Hier liegen die Kostenschätzungen bei 475.000 Euro.

Die Tätigkeit eines Gemeindechefs gilt als zeitraubend und vielfach als persönliche Belastung. Wie gehen Sie die Aufgabe an und wo schöpfen Sie neue Energie?

Pechhacker Kraft schöpfe ich hauptsächlich dadurch, dass es ein sehr interessanter und spannender Beruf ist. Die zeitlichen Aufwendungen sind sicher groß, aber da es so ein toller Job ist, kann man das als Hobby und Beruf vereint sehen. Ich hoffe, das bleibt so. Ich habe das Glück, dass meine ganze Familie dahintersteht. VN-tw, js

Zur Person

Helmut Pechhacker

Geboren 3. Dezember 1967

Familie verheiratet, 1 erwachsene Tochter

Erlernter beruf Schlosser

Hobbys Bürgermeisteramt

Bürgermeister Helmut Pechhacker beim VN-Bürgermeistergespräch.<span class="copyright">VN/JS</span>
Bürgermeister Helmut Pechhacker beim VN-Bürgermeistergespräch.VN/JS

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