Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Jeder Tropfen zählt

Vorarlberg / 31.01.2021 • 11:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Impflogistik steht, in fünf Tagen könnte man die Bewohner des Bundeslandes “durchimpfen”, sagt Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner. Könnte man. Geht halt trotzdem nicht. Denn zum Impfen braucht’s grundsätzlich Impfstoff. Und der ist extrem rar.

Weder Gesundheitsministerium noch Bundeskanzleramt können aktuell welchen auftreiben, auch die EU verwickelte sich diese Woche in einen Schlagabtausch um Lieferbedingungen mit dem relativ erratisch agierenden Impfstoffhersteller AstraZeneca. Und so wurde diese Woche selbst im Bregenzer Landhaus über alle möglichen (und unmöglichen) Kontakte versucht, selbst die Lage am Beschaffungsmarkt zu sondieren. Nach einigem Herumtelefonieren bestätigte sich die Erkenntnis: Impfstoff nicht erhältlich, höchstens der russische “Sputnik” – aber wer will den schon.
Bereits der nun überraschend für alle Altersklassen zugelassene Impfstoff des schwedisch-britischen Konzerns AstraZeneca hat ein gewisses Imageproblem. Das Unternehmen hatte schlichtweg zu wenig ältere Probanden in seinen Studien, muss noch Ergebnisse nachliefern.

So sind wir nun in der eigentümlichen Situation, dass die EU den Impfstoff für alle ab 18 Jahren zugelassen hat, Deutschland den Impfstoff aufgrund nationaler Empfehlungen aber vorerst nicht an über 65-Jährige verimpfen wird. In Österreich beraten am Sonntag die Experten, keine leichte Entscheidung: der Impfplan ist zum größten Teil abhängig vom Präparat AstraZenecas.

Sebastian Kurz will sich zur gegebenen Zeit demonstrativ mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen und regte auch bei den Landeshauptleuten an, dass man sich gemeinsam mit AstraZeneca impfen lassen solle. Hinter vorgehaltener Hand quittierten das dem Vernehmen nach einige mit mäßiger Begeisterung.

Es gilt also nicht nur viele Fragen zur Zulassung zu beantworten, sondern auch zum Fortschritt der Impfungen.
Am Donnerstag wurden ganze zwei Impfungen gemeldet (hoffentlich Nachmeldungen, weil ja sechs, manchmal offenbar sieben Impfungen aus einem Fläschchen gezogen werden können). Apropos Nachmeldungen: Gestern waren die Impfzahlen in Vorarlberg dann gar rückläufig – eine Korrekturbuchung war der Grund, man ging vorher von zu vielen Impfungen aus.

Welchen Impfstoff er präferieren würde, fragte kürzlich ein Reporter den Wiener Impfexperten Prof. Herwig Kollaritsch. Seine Antwort war so überraschend wie klar: “Jenen, den Sie kriegen können.”

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.