Reisewarnung ohne Folgen

Vorarlberg / 08.02.2021 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer in Tirol mit einer Gondel fahren möchte, muss laut Landesregierung künftig ein negatives Testergebnis vorweisen.APA
Wer in Tirol mit einer Gondel fahren möchte, muss laut Landesregierung künftig ein negatives Testergebnis vorweisen.APA

Wer in Tirol war, soll sich testen. Keine Kontrollen am Arlberg. Testpflicht für Skifahrer.

Wien Tirol muss doch nicht in Quarantäne. Stattdessen kommt eine Testpflicht für jene Wintersportler, die sich in eine Gondel setzen wollen. Alle anderen Maßnahmen laufen auf Empfehlungen hinaus; auch die von der Bundesregierung ausgerufene Reisewarnung. Somit sind weder schärfere Regeln geplant, noch wird es zu Kontrollen an den Bundesländergrenzen kommen. Wer vor Kurzem in Tirol gewesen ist, solle sich bitte testen lassen, sagt der Vorarlberger Landesrat Christian Gantner (ÖVP). Barbara Neßler, Nationalratsabgeordnete und Tourismussprecherin der Grünen, bedauert, dass die offenen Skigebiete den illegalen Tourismus in Tirol befeuerten. Am Ende leide die Bevölkerung darunter. „Ihre Gesundheit ist aber wichtiger als ein paar mehr verkaufte Skikarten.“  

Keine Verpflichtungen

Seit die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer vergangene Woche gefordert hatte, Tirol zu isolieren, steht das Bundesland unter Druck. Die südafrikanische Virusvariante scheint sich immer weiter auszubreiten. Mindestens 293 bestätigte Fälle sind dem Virologen Andreas Bergthaler bekannt. Weitere 200 Verdachtsfälle kämen hinzu. Laut Bergthaler ist dies ein europäischer Spitzenwert. Nicht einmal die Briten, die deutlich mehr Proben sequenzieren, hätten eine größere Anzahl an Fällen detektiert. 

Nach einer offenbar turbulenten nächtlichen Verhandlungsrunde veröffentlichte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) „umfassende Maßnahmen“ zur Bekämpfung des Virus. So solle die Bevölkerung auf die südafrikanische Variante sensibilisiert werden. Außerdem seien verschärfte Kontrollen zur Einhaltung der Coronamaßnahmen geplant. Die Bevölkerung solle unnötige Fahrten vermeiden. Wo viele neue Fälle aufpoppen, würden flächendeckende PCR-Tests angeboten. Wer eine Gondel nutzen möchte, braucht ein negatives Testergebnis.

Die Bundesregierung legte mit einer Reisewarnung nach. Man solle auf nicht notwendige Reisen nach Tirol verzichten, und wer kürzlich dort gewesen ist, sich testen lassen. Pflichten gibt es keine. Rechtlich bindend ist die Reisewarnung nicht. 

Imageschaden

Sicherheitslandesrat Gantner schließt sich den Empfehlungen der Bundesregierung an. „Je weniger Mobilität, desto weniger Ansteckung“, sagt auch Grünen-Mandatarin Neßler. Auf die Frage, ob die Seilbahnen wirklich öffnen mussten, antwortet sie: „Ich kann jeden verstehen, der gerne Skifahren geht.“ Allerdings hätten die Sicherheitskonzepte zu Beginn nicht funktioniert und die offenen Skigebiete den illegalen Tourismus angezogen. Darunter leide nun die Bevölkerung. „Die lokalen Gesundheitsbehörden hätten strenger kontrollieren und schneller reagieren müssen.“ Neben den gesundheitlichen Folgen ortet Neßler auch einen Imageschaden für Tirol; wenn etwa Personen aus Wirtschaftskammer und Seilbahnlobby „nach außen hin das Bild vermitteln, dass nur der Profit zählt“.

„Die Gesundheit ist wichtiger als ein paar mehr verkaufte Skikarten.“

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