Tirol auch von Deutschland abgeriegelt

Vorarlberg / 12.02.2021 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tirol auch von Deutschland abgeriegelt
An den Grenzen Tirols zu Bayern stehen ab Sonntag deutsche Grenzbeamte. APA

Testpflicht bei Ausreise ab heute. Nach Deutschland gelten ab Sonntag strenge Einreisebestimmungen.

Berlin, Innsbruck, Bregenz Nach der Ausbreitung des mutierten Coronavirus in Tirol hat die deutsche Regierung das Bundesland als Mutationsgebiet eingestuft. Das teilte der Sprecher des deutschen Innenministeriums mehreren deutschen Medien am Donnerstagabend mit. Experten aus dem Innen-, Außen- und Gesundheitsministerium haben deshalb Grenzkontrollen und Einreiseverbote zu Tirol und Tschechien beschlossen. Sie sollen am Sonntag starten.

Keine Reaktion aus Tirol

Aus dem Büro von Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hieß es zur Apa, dass man noch auf die offizielle Mitteilung und die Details, welche Folgen damit verbunden sind, warte. Erst dann werde es eine Stellungnahme geben. Am Abend twitterte das deutsche Innenministerium: “Zum Schutz vor Virusmutationen will die Bundesregierung die Einreise aus Tschechien und Tirol beschränken.”

Innenminister Horst Seehofer habe entschieden, ab Sonntag neben den seit der Flüchtlingskrise bestehenden Binnengrenzkontrollen zu Österreich auch an den Grenzen zum Nachbarland Tschechien vorübergehende Grenzkontrollen einzuführen, hieß es in einer Mitteilung an Journalisten. Einreisen darf nur, wer einen negativen Corona-Test vorlegen kann. Alle anderen können zurückgewiesen werden. Über Ausnahmen zu Einreiseverboten wird derzeit noch verhandeln, berichtet mehrere Medien. Die Wiedereinführung von Binnengrenzkontrollen sei erforderlich, um den Viruseintrag nach Deutschland möglichst zu unterbinden.

Tests nach Vorarlberg

Damit gilt an der Grenze zu Deutschland für Ausreisende ähnliches wie an den Grenzen zu anderen österreichischen Bundesländern. Ab heute, Freitag, müssen alle, die ausreisen, einen negativen Corona-Test vorweisen. In der Raststätte Klösterle wurde eigens eine Teststation für Pendler eingerichtet. Das bedeutet: Man kann sich in Vorarlberg auf das Coronavirus testen lassen, dann nach Tirol fahren und bei der Ausreise das Testergebnis aus Vorarlberg vorzeigen. Ein Test darf nur nicht älter als 48 Stunden sein. Warenverkehr, Güterverkehr, die Durchreise und Kinder sind ausgenommen.

In Klösterle wurde die Test-Ausrüstung bereits vorbereitet. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
In Klösterle wurde die Test-Ausrüstung bereits vorbereitet. VN/Steurer

Dass ein negatives Testergebnis aus Vorarlberg für die Ausreise aus Tirol reicht, argumentiert der zuständige Landesrat Christian Gantner so: “Wenn man die Inkubationszeit von zwei Tagen bedenkt, hat ein Test in Tirol dieselbe Wirkung. Unsere Testmöglichkeit ist hauptsächlich für Pendler und andere, die regelmäßig nach Tirol fahren, gedacht.” Pendler, die sich regelmäßig testen lassen, werden gefunden, sollten sie infiziert sein. “Und im Allgemeinen ist es ein zusätzliches Testangebot, das zum Engerziehen des Netzes dient”, erläutert Gantner. Ab heute wird die Testpflicht kontrolliert. Die Militärpolizei steht auf Tirolerseite am Arlberg und vor Warth. Auf Vorarlberger Seite sind keine Kontrollen vorgesehen.

Kapazitäten verdreifacht

Die Testkapazitäten in Vorarlberg liegen durch die Station in Klösterle ab kommender Woche bei 66.000 Tests pro Woche. Die Kapazität wurde laut Auskunft des Landes innerhalb von zwei Wochen verdreifacht. Der Testbus fährt wöchentlich 15 Gemeinden an, 16 Gemeinden haben eigenen Station eröffnet. Dazu kommen neun Teststationen des Landes. Schon jetzt sind die Stationen für kommende Woche zu 60 Prozent ausgebucht. Zudem gibt es in 23 Apotheken gratis Testmöglichkeiten sowie drei private Institute, die kostenpflichtige Tests anbieten.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderte schon am Nachmittag die Einstufung Tirols als Mutationsgebiet. Er unterstütze das Vorgehen der österreichischen Regierung gegenüber Tirol wegen der zahlreich auftretenden Corona-Mutationen. Ob man das in Tirol so ernst nehme, scheine ihm nicht ganz erkennbar. Söder warnte: “Ein zweites Ischgl wollen wir nicht noch einmal erleben.”

Einige Ausnahmen

Bisher sind Großbritannien, Portugal, Irland, Brasilien und Südafrika in Deutschland als Mutationsgebiete eingestuft. Aus den Mutationsgebieten im Ausland, für die ein Beförderungsverbot nach Deutschland gilt, dürfen derzeit fast nur noch Deutsche und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland einreisen. Außerdem gibt es Sonderregeln für medizinisches Personal, Transit-Passagiere und den Warenverkehr.

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