Wolfgang Burtscher

Kommentar

Wolfgang Burtscher

Macht der Bilder

Vorarlberg / 21.02.2021 • 18:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Dieses Sprichwort gilt in Zeiten von Corona und Flüchtlingsbewegungen mehr denn je. Als Sicherheitsbeamte plus Hundestaffel im Morgengrauen die kleine Tina aus Georgien samt Familie zur Abschiebung abholten und deren protestierende Mitschüler weggetragen haben, da hat keine Message Control funktioniert. Da konnten Kanzler und Innenminister später noch so sehr auf die vielen abgelehnten Asylanträge der Familie verweisen („Recht muss Recht bleiben“). Viele Abschiebungen von Kindern samt Familien sind unbeachtet geblieben, bei den emotionalen Bildern dieser Aktion aber hatten es die bloßen rechtlichen Fakten schwer. Das gilt auch umgekehrt. Dem Anwalt von Tina ist es gelungen, Medien ein angebliches Foto jener armseligen Schule in Georgien zu übermitteln, in die Tina jetzt gehen muss. Das Foto zeigte aber einen nicht mehr benutzten baufälligen Teil. Die wirkliche Schule sieht ganz passabel aus, wie etwa der „Standard“, der das erste Foto gezeigt hatte, zerknirscht eingestehen musste. Da haben sich manche Kritiker der Abschiebung gedacht: Na, so schlimm ist die Sache für Tina auch wieder nicht.