Wohnzimmertests: Holpriger Auftakt für Gratisaktion in Apotheken

Vorarlberg / 02.03.2021 • 05:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wohnzimmertests: Holpriger Auftakt für Gratisaktion in Apotheken
Barbara Hennig von der Sebastian Apotheke in Feldkirch-Gisingen wurde vom Bund mit ersten Tests beliefert. In Summe hat aber nur jede zweite Apotheke im Land pünktlich Testkits erhalten. VN/PAULITSCH

Lieferschwierigkeiten: Nur jede zweite Apotheke wurde vom Bund mit Tests versorgt.

Feldkirch 2000 Corona-Selbsttests, abgepackt in Einheiten zu 25 Stück, wurden Barbara Hennig am Samstag in die Sebastian Apotheke nach Feldkirch-Gisingen geliefert. Der Bund habe in Kartons zugestellt, dazu noch Kuverts für die Weitergabe, erzählt die Apothekerin. Viel Arbeit für sie und ihr Team. Stundenlang hätten Päckchen hergerichtet werden müssen, um für den Auftakt der Gratisaktion gerüstet zu sein. Geklappt hat das längst nicht überall in Vorarlberg. Nur etwa die Hälfte der gut 50 Apotheken im Land wurden mit den versprochenen Tests versorgt. Für die anderen heißt es: weiter warten. Auch Barbara Hennig weiß nicht, wann wieder Nachschub kommen wird. “Es gibt noch keinen neuen Liefertermin.” Klar scheint hingegen, dass der Vorrat aufgrund der großen Nachfrage wohl nicht allzu lange halten wird. “Eine zu kurzfristig angesetzte Aktion”, befindet sie. Zwei Wochen später starten, dafür mit vorkonfektionierten Einheiten – so hätte sich Hennig das vorgestellt.

Jedem Bürger über 15 Jahre stehen fünf Gratis-Tests pro Monat zur Verfügung.
Jedem Bürger über 15 Jahre stehen fünf Gratis-Tests pro Monat zur Verfügung.

Leer ausgegangen ist zum Start Jürgen Rehak. Der Präsident der Vorarlberger Apothekenkammer, der in Höchst die Rhein-Apotheke betreibt, musste gestern Kunden wieder nach Hause schicken. Wie ihm ging es vielen seiner Kollegen. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit spricht Rehak von einer großen Herausforderung für den zuliefernden Großhandel. Bei den Kunden sei deshalb Geduld gefragt. “Die gesamte Bevölkerung hat Anspruch auf ein Päckcken mit den Selbsttests. Das schaffen wir jetzt noch nicht”, so Rehak. Schon heute und morgen sollten alle Apotheken über erste Testsets verfügen, bis in spätestens zwei Wochen die Versorgung auch bei großer Nachfrage gesichert sein. Zum Einsatz kommen unterschiedliche Produkte verschiedener Hersteller, jedoch mit vergleichbarer Funktionsweise. Sie alle hätten einen Qualitätstest durchlaufen müssen, erklärt der Apotheker-Präsident.

Kunden müssen sich in Geduld üben. Bis in zwei Wochen sollte die Versorgung landesweit gesichert sein, so Apothekerkammerpräsident Jürgen Rehak. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Kunden müssen sich in Geduld üben. Bis in zwei Wochen sollte die Versorgung landesweit gesichert sein, so Apothekerkammerpräsident Jürgen Rehak. VN/Stiplovsek

Kritik an Ungleichbehandlung

Anspruch auf monatlich fünf Gratistests haben alle in Österreich, die älter als 15 Jahre sind. Dennoch wird nicht jeder zu seinem versprochenen Angebot kommen, was im Vorfeld bereits für viel Kritik gesorgt hat. 295.000 E-Card-Besitzer gehen leer aus, weil sie aus der elektronischen Gesundheitsakte ausgestiegen sind. Die Ärztekammer ortet eine Missachtung der Patientenrechte. Auch Rehak verweist auf die Vorgabe, Tests nur an Kunden mit einer e-Medikation auszugeben und kritisiert, dass dies eine Ungleichheit gegenüber anderer Bürger darstelle. Davon betroffen dürften auch in Vorarlberg mehrere Tausend Personen sein. Genau lasse sich das aber nicht beziffern, heißt es seitens der Elga GmbH. Wer aus der elektronischen Gesundheitsakte ausgestiegen sei, könne sich jederzeit wieder anmelden. “Mit Handysignatur kann man das sofort machen”, sagt Elga-Sprecherin Pia Dragon. Auch über das Servicetelefon sei dies möglich.

Apothekerin Barbara Hennig zeigt, wie einfach die Wohnzimmertests funktionieren.
Apothekerin Barbara Hennig zeigt, wie einfach die Wohnzimmertests funktionieren.

In der Praxis scheint eine Überprüfung allerdings nur sehr schwer möglich zu sein, wie Barbara Hennig von der Sebastian Apotheke über erste Erfahrungen berichtet. “Stand heute weiß ich nicht, wie ich das kontrollieren sollte”, sagt die Apothekerin. Es würde zwar die E-Card kontrolliert, ob ein Patient eine “Opt-out” gewählt habe – also etwa aus der e-Medikation ausgestiegen ist – sei für sie aber nicht ersichtlich.

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