Knick bei Vorsorgeuntersuchungen

Vorarlberg / 04.03.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Knick bei Vorsorgeuntersuchungen
Zuwarten bei der Krebsfrüherkennung kann fatale Folgen haben. VN

Coronajahr 2020 brachte einen deutlichen Rückgang.

dornbirn Was Experten gleichermaßen erwartet wie befürchtet haben, ist eingetroffen: Die Vorsorgeuntersuchungen waren im Coronajahr 2020 deutlich rückläufig. Laut den bislang vorliegenden Zahlen, welche die ersten sechs Monate umfassen, beträgt das Minus fast 20 Prozent. Wie die ÖGK-Landesstelle mitteilt, haben in diesem Zeitraum insgesamt 37.614 Personen eine Vorsorge in Anspruch genommen, wobei einmal mehr die Frauen mit einem Anteil von 30.194 den Vorsorgegedanken hochhielten. Zum Vergleich: Bei den Männern wurden 7420 Teilnehmer registriert. Betroffen waren beinahe alle Bereiche der Vorsorge, von der Basisvorsorge über die gynäkologischen Untersuchungen bis hin zu Mammografien und Darmspiegelungen.

Höheres Risiko durch Zuwarten

Vorsorgemediziner Hans Concin und Oberarzt Bernd Hartmann, der neue Präsident der Vorarlberger Krebshilfe, sehen den Knick problematisch. “Jede Verlängerung eines Untersuchungsintervalls heißt, dass die betreffende Person später dran ist, und das kann die Prognose bei einer Krebserkrankung verschlechtern”, sagt Concin, denn: “Der Krebs wartet nicht.” Hartmann wiederum verweist auf ein Beispiel aus Italien, wo es beim Hautkrebs aufgrund des Zuwartens viel mehr und massiv weit fortgeschrittene Tumore gab als sonst. “Je länger die Vorsorge hinausgezögert wird, umso mehr steigt das Risiko, was auch den Behandlungserfolg beeinflusst”, gibt der Krebshilfepräsident zu bedenken. Gleichzeitig haben die Mediziner festgestellt, dass die Nachfrage nach Terminen wieder anzieht. Seinem, wie Hans Concin anmerkt, subjektiven Eindruck zufolge hätten die Frauen sehr rasch reagiert, als sich die Pandemiesituation entspannte. “Die Männer ließen sich mehr Zeit.”

Terminprobleme

Concin folgert daraus, dass Corona zu einem Bewusstseinsschub geführt hat, was die Wichtigkeit der Vorsorge angeht. Die niedergelassenen Ärzte würden jedenfalls bereits einen Nachholeffekt feststellen. Zum Problem könnten die Termine werden. Auf eine Darmspiegelung muss laut Bernd Hartmann derzeit gut sechs Monate gewartet werden. Von Kollegen hat er jedoch gehört, dass diese beginnen, Slots für dringliche Untersuchungen freizuhalten: “Das ist ein guter Service.” Corona hat auch viele Veranstaltungen der Krebshilfe verhindert. Da falle viel an Information weg. “Gedanklich planen wir mit den Selbsthilfegruppen aber schon für das zweite Halbjahr”, hofft Hartmann auf bessere Zeiten.

2019 verbuchte die Vorsorge durchwegs Zunahmen. Bei den Basis- und gynäkologischen Untersuchungen (65.681) betrug der Zuwachs 1,6 Prozent, bei den Mammografien (16.112), lag er bei 1,83 Prozent und bei den Koloskopien (4724) bei 15,93 Prozent. Der finanzielle Aufwand für diese Maßnahmen lag bei 6,2 Millionen Euro.

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