Dieses Projekt wirbelt auf der Tschengla viel Staub auf

Vorarlberg / 18.03.2021 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein geplantes Deponieprojekt im beliebten Wander- und Naherholungsgebiet Tschengla sorgt derzeit für viel Wirbel in Bürserberg. <span class="copyright">Fritsche</span>
Ein geplantes Deponieprojekt im beliebten Wander- und Naherholungsgebiet Tschengla sorgt derzeit für viel Wirbel in Bürserberg. Fritsche

Naturschutz und Nachbarn laufen gegen geplante Aushubdeponie auf der Tschengla Sturm.

Bürserberg Die Deponiekapazitäten für Bodenaushub sind hierzulande sehr begrenzt. Eine Anfang Februar präsentierte Studie im Auftrag des Landes sagt einen massiven Engpass voraus. Die vorhandenen Deponien füllen sich und die genehmigten Deponieflächen mit Platz für gut 14 Millionen Tonnen genehmigter Verfüllkapazität sind oft noch nicht nutzbar.

Aktuell sorgt ein beabsichtigtes Deponie-Vorhaben auf der Tschengla in Bürserberg für massive Aufregung und heftige Kritik. Einem Ansuchen an die BH Bludenz zufolge beabsichtigt ein Brandnertaler Transportunternehmen die Errichtung einer rund 5000 Quadratmeter großen Bodenaushubdeponie direkt neben dem Wanderparkplatz Tschengla. Der Aufschrei in der Nachbarschaft und beim Naturschutz ist groß.

Onlinepetition

Mit einer Onlinepetition will Naturschützerin Birgit Werner die Deponie im Ausmaß von 150 x 50 Metern im landschaftlich sensiblen Bereich verhindern. „Der gewählte Standort in einem beliebten Wander- und Naherholungsgebiet ist aufgrund der problematischen Verkehrssituation, einer massiven Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, der Zerstörung von Biotopen und einer Lärm- und Staubbelastung im gesamten Gebiet Alpe Rona abzulehnen“, führt Werner aus. Auch Christine Nußbaumer, die seit Jahren auf der Tschengla lebt, kann über das beantragte Projekt nur fassungslos den Kopf schütteln. „Ein solches Vorhaben in diesem sensiblen und sehr exponierten Gebiet verwirklichen zu wollen, ist ein absoluter Affront“, echauffiert sich die Bürserbergerin. Ähnlich sehen das Russpreis-Trägerin Hildegard Breiner vom Naturschutzbund und Franz Ströhle vom Alpenschutzverein. „Es wäre fast schon ein Kunststück, einen noch ungeeigneteren Standort für eine Deponie zu finden, als es das geplante Dunza-Gebiet ist“, so Breiner.

Die Causa in Vorarlberg live

„Die Notwendigkeit der Schaffung von genügend Deponieflächen für Aushubmaterial in Vorarlberg steht außer Frage“, räumt Werner ein. Der beabsichtigte Standort auf der Tschnegla sei aber in vielerlei Hinsicht äußerst fragwürdig. Dem pflichtet auch Naturschutzanwältin Katharina Lins bei: „Dass der Standort nicht sonderlich gut ist, lässt sich schon vor der Verhandlung sagen“, sagt sie.

Verhandlung am Dienstag

Laut Kundmachung der Bezirksbehörde findet diese am kommenden Dienstag, 23. März, statt. Der Zeitpunkt der Verhandlung sorgt im Lager der Gegner ebenfalls für Unverständnis. „Derzeit liegt Schnee auf der Tschengla. Man sieht daher gar nicht, was für ein einzigartiges Naturjuwel das Hochplateau ist“, ärgert sich Christine Nußbaumer.

In der grundsätzlichen Entscheidung spiele das sicherlich keine Rolle, entgegnet Bezirkshauptmann Harald Dreher. „Die Sachverständigen kennen das Gebiet und werden das in ihrem Gutachten auch entsprechend zur Sprache bringen“, sagt Dreher. Dass das Gelände sicher kein einfaches sei, steht auch für den Bezirkshauptmann außer Frage. Grundsätzlich könne aber praktisch alles eingereicht werden. „Der Antragsteller hat ein Recht darauf, dass es verhandelt wird“, sagt Dreher. Eine gmahte Wiesn‘ sei es aber sicher nicht. Genaueres werde aber die Verhandlung am Dienstag bringen.

„Wir als Gemeinde haben keine Parteistellung und müssen das Ergebnis so zur Kenntnis nehmen, wie es ausfällt“, sagt Bürgermeister Fridolin Plaickner. „Sollte anfallender Erdaushub von der Tschengla hier eingebracht werden können, ist mir das lieber, als 500 bis 600 Lkw-Fahrten durch den Ort. Für uns ist klar, dass kein Material hinaufgeführt werden darf“, bringt Plaickner die Haltung der Gemeinde auf den Punkt

„Die Dimension mit etwa 5000 Kubikmeter in diesem vergleichsweise großen Gebiet ist überschaubar“, so BH-Chef Dreher. Das sieht auch Naturschutzanwältin Lins so. „Man kann aber auch mit wenig Nutzung viel kaputtmachen“, mahnt Lins, der ein grundlegendes Konzept in Bezug auf die Deponien im Land abgeht. „Jeder füllt irgendein Loch, das er finden kann. Das kann auf Dauer nicht sein“, so die Naturschutzanwältin. Nach Meinung der inzwischen über 1800 Unterstützer der Petition soll zumindest das „Loch“ auf den Tschengla ungefüllt bleiben.