Deponieprojekt wirbelt viel Staub auf

Vorarlberg / 18.03.2021 • 19:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bürgermeister Fridolin Plaickner war zu Gast bei
Bürgermeister Fridolin Plaickner war zu Gast bei “Vorarlberg live”.

Naturschutz und Nachbarn laufen auf der Tschengla Sturm.

Bürserberg Die Deponiekapazitäten für Bodenaushub sind hierzulande sehr begrenzt. Eine Anfang Februar präsentierte Studie im Auftrag des Landes sagt einen massiven Engpass voraus. Aktuell sorgt ein beabsichtigtes Deponie-Vorhaben auf der Tschengla in Bürserberg für heftige Kritik. Einem Ansuchen an die BH Bludenz zufolge beabsichtigt ein Brandnertaler Transportunternehmen die Errichtung einer rund 5000 Quadratmeter großen Bodenaushubdeponie direkt neben dem Wanderparkplatz Tschengla. Der Aufschrei bei Nachbarn und Naturschutz ist groß.

Onlinepetition

Mit einer Onlinepetition wird gegen die Deponie im Ausmaß von 150 x 50 Metern im landschaftlich sensiblen Bereich mobil gemacht. „Der gewählte Standort in einem beliebten Wander- und Naherholungsgebiet ist aufgrund der problematischen Verkehrssituation, einer massiven Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, der Zerstörung von Biotopen und einer Lärm- und Staubbelastung im gesamten Gebiet Alpe Rona abzulehnen“, führt Initiatorin Birgit Werner aus. Auch Christine Nußbaumer, die seit Jahren auf der Tschengla lebt, kann nur fassungslos den Kopf schütteln. „Ein solches Vorhaben in diesem sensiblen und sehr exponierten Gebiet verwirklichen zu wollen, ist ein Affront“, echauffiert sich die Bürserbergerin. Ähnlich sehen das Hildegard Breiner (Naturschutzbund) und Franz Ströhle (Alpenschutzverein). „Es wäre fast schon ein Kunststück, einen noch ungeeigneteren Standort für eine Deponie zu finden“, so Breiner.

Die Notwendigkeit der Schaffung von genügend Deponieflächen für Aushubmaterial in Vorarlberg steht für Werner außer Frage. Der beabsichtigte Standort auf der Tschengla sei aber in vielerlei Hinsicht äußerst fragwürdig. Dem pflichtet auch Naturschutzanwältin Katharina Lins bei: „Dass der Standort nicht sonderlich gut ist, lässt sich schon vor der Verhandlung sagen“, sagt sie. Diese findet am kommenden Dienstag statt. „Wir als Gemeinde haben keine Parteistellung und müssen das Ergebnis so zur Kenntnis nehmen, wie es ausfällt“, sagt Bürgermeister Fridolin Plaickner. „Sollte anfallender Erdaushub von der Tschengla hier eingebracht werden können, ist mir das lieber, als 500 bis 600 Lkw-Fahrten durch den Ort. Für uns ist klar, dass kein Material hinaufgeführt werden darf.“

Dass das Gelände sicher kein einfaches sei, steht auch für Bezirkshauptmann Harald Dreher außer Frage. „Die Dimension mit etwa 5000 Kubikmeter ist jedoch überschaubar“, so Dreher. Das sieht auch Katharina Lins so. „Man kann aber auch mit wenig Nutzung viel kaputtmachen“, mahnt Lins, der ein Gesamtkonzept abgeht: „Jeder füllt irgendein Loch, das er finden kann.“ Nach Meinung der inzwischen über 1800 Unterstützer der Petition soll zumindest das „Loch“ auf der Tschengla ungefüllt bleiben. VN-JS

Ein geplantes Deponieprojekt im beliebten Wander- und Naherholungsgebiet Tschengla sorgt derzeit für viel Wirbel in Bürserberg.
Ein geplantes Deponieprojekt im beliebten Wander- und Naherholungsgebiet Tschengla sorgt derzeit für viel Wirbel in Bürserberg.