Restaurantbesuch als Luxus

Vorarlberg / 18.03.2021 • 20:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann.

Mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann.

Ministerin Köstinger über den Modellversuch Vorarlberg und Perspektiven für den Sommer.

Schwarzach Donnerstag, ÖBB-Railjet von Wien nach Zürich. Es ist 8 Uhr in der Früh, als zwei junge Frauen, im Dirndl bekleidet, in Salzburg einsteigen. Ihr Ziel: Bregenz. Sie haben bei einem Gewinnspiel ein Mittagessen in Vorarlberg gewonnen. Frisch getestet und mit FFP2-Maske ausgestattet, sitzen sie über vier Stunden im Zug, um ein Restaurant besuchen zu können. Sie sind Gastrotouristinnen – etwas, das erst durch den Modellversuch ermöglicht wurde. Vorarlberg hat als einziges Bundesland Gastronomiebetriebe geöffnet.

Auch Tourismus- und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) kam bei ihrem Besuch in den Genuss eines Mittagessens im Restaurant. „Ich glaube ganz Österreich beneidet mich darum“, sagt Köstinger im Gespräch mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann bei „Vorarlberg live“. Vorarlberg befinde sich in der glücklichen Situation, Öffnungsschritte setzen zu können. Das übrige Österreich muss sich weiter gedulden. 

Hoffnung in grünen Pass

Eine Chance für die Rückkehr der Reisefreiheit in Europa sieht die Tourismusministerin im digitalen grünen Pass. Laut EU-Kommission soll das grüne Zertifikat für Getestete, Genesene und Geimpfte bis zum 1. Juni einsatzfähig sein. Österreich plant erste Schritte im April. Nicht jeder werde sich in den nächsten Wochen impfen lassen können, sagte Köstinger. „Das wird bis zum Sommer dauern. Zur Überbrückung wird es möglich sein, einen negativen Coronatest auf den grünen Pass zu laden.“ Dasselbe gelte für eine überstandene Coviderkrankung. „Dann kann man ein Restaurant, eine Veranstaltung besuchen und eben auch über die Grenzen reisen und einen Urlaub buchen.“

Noch befindet sich die Hotellerie im Lockdown. Und wie lange? Es sei eine andere Situation als in der Gastronomie, antwortet die Ministerin. Mit dem Tourismus sei größere Mobilität verbunden. „Deshalb ist unsere Sorge, dass Menschen aus Regionen mit hohen Infektionszahlen einreisen und damit das Infektionsgeschehen befeuern.“ Zudem seien Länder wie Vorarlberg stark von europäischen Gästen abhängig, die Grenzen wegen den Reisewarnungen aber de facto zu. „Für die meisten Hotels wird es wirtschaftlich nicht möglich sein, aufzusperren.“

Die Landwirtschaftsministerin nimmt auch Stellung zur Kritik des grünen Klubobmanns im Landtag, Daniel Zadra. Er forderte, dass sie der Verordnung von Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) zur Herkunftsbezeichnung für unverpacktes Fleisch, Eier und Milch in der Lieferkette sowie für Rindfleisch und Eier in der Gastronomie zustimmt. Der Vorstoß gehe nicht weit genug, erwidert Köstinger. Es brauche eine Herkunftsbezeichnung für verarbeitete Produkte, auch die Industrie und die Handelsketten müssten in die Pflicht genommen werden. „Wir müssen erst bei den Großen beginnen, bis wir uns zu den Kleinsten vorarbeiten.“

Während Köstinger den ganzen Tag in Vorarlberg bleibt, ist für die zwei Salzburgerinnen nach drei Stunden Schluss. Um 20 Uhr sollten sie zu Hause sein, schließlich gilt die Ausgangssperre. VN-RAM, MIP

„Ich glaube ganz Österreich beneidet mich um diese Möglichkeit.“

Die Ministerin kam ins Studio.

Die Ministerin kam ins Studio.

„Jeder wünscht sich die Normalität zurück“, meint Köstinger. VN/Steurer
„Jeder wünscht sich die Normalität zurück“, meint Köstinger. VN/Steurer