Die Sanierung Österreichs

Vorarlberg / 19.03.2021 • 18:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Sanierung Österreichs

Vor 100 Jahren gelang es der Bundesregierung durch die Aufnahme von internationalen Anleihen, ein Ende der Hyperinflation einzuleuten. Großbritannien, Frankreich, Italien und die Tschechoslowakei bürgten für eine Summe von 650 Millionen Goldkronen, das entspricht heute einer Summe von 3,7 Milliarden Euro. Dadurch wurde die Einführung des Schillings ermöglicht.

Österreich musste dafür Reformen vorlegen, die sich zum Teil noch bis heute auswirken. Als erster Schritt wurde ein sogenanntes „Wiederaufbaugesetz“ erlassen, das Einschnitte in die Verwaltung und teils massive Steuererhöhungen mit sich brachte. Behörden mussten aufgelöst werden. Die Staatsbetriebe wurden aus der Hoheitsverwaltung herausgelöst und sollten nunmehr wirtschaftlich arbeiten. Sogar die Zahl der Bundesministerien wurde auf acht beschränkt. Der Zwangsabbau bei den Beamten, von denen man nach dem Untergang der Monarchie tatsächlich zu viele hatte, wurde weitergeführt und verschärft. Nachbesetzungen wurden, wie man es auch von modernen Sparpaketen kennt, auf die lange Bank geschoben. Für Dienstwohnungen mussten die Beamten nun marktübliche Mieten bezahlen. Die Zölle und die Steuern auf Tabak, Salz und Alkohol wurden erhöht. Das auch, weil man deren Einnahmen als Sicherheit für den Kredit verpfänden musste. Die damals noch bestehende Erbschaftssteuer stieg auf 7,5 Prozent. Die Gebühren schraubte man teils exorbitant nach oben: Für Gerichtsprotokolle musste bis zu vierzigmal mehr bezahlt werden als zuvor, Grundbuchauszüge verteuerten sich bis zum Fünfzigfachen. Der Völkerbund kontrollierte die Einhaltung der Sparzwänge durch eine Kommission. Auch die Länder wurden 1925 verpflichtet, ihre Verwaltung zurückzufahren. Ein eigenes Bundesverfassungsgesetz verpflichtet sie bis heute, einheitliche Ämter der Landesregierungen zu erhalten und nicht etwa einzelne Landesministerien zu errichten.

Die Sozialdemokraten und Großdeutschen wetterten gegen die Vereinbarung mit dem Völkerbund. Das großdeutsche „Vorarlberger Tagblatt“ nannte die Einigung im März 1921 eine „zweifelhafte Hilfe für Österreich“. Das christlichsoziale Volksblatt lobte hingegen die Einigung der konservativen Bundesregierung mit den internationalen Geldgebern. Die Opposition der Großdeutschen sei „ein Racheakt“ und die Sozialdemokraten würden sich über die hohe Inflation freuen, „könnte sie ja dann mit einem gewissen Schein von Berechtigung behaupten, daß den Christlichsozialen die Rettung des Staates ebenso wenig gelinge wie ihnen selbst“. Die Anleihen brachten eine vorübergehende Stabilisierung, mussten aber nach der Wirtschaftskrise von 1929 um weitere Kredite ergänzt werden.

Moritz Moser ist Journalist in und aus Feldkirch. Twitter: @moser_at

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