Jeder Vierte übergewichtig

Vorarlberg / 22.03.2021 • 08:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jeder Vierte übergewichtig
APA

In wenigen Jahrzehnten sind Stellungspflichtige um fünf Kilo schwerer geworden.

SCHWARZACH Von Jahrgang zu Jahrgang werden Stellungspflichtige größer und schwerer. Das zeigen die Daten, die von der Statistik Austria veröffentlicht werden. Beim Gewicht, bei dem die Zuwächse massiver sind, sehen Mediziner ein gesellschaftliches Problem.

Vorarlberger Stellungspflichtige des Geburtsjahrganges 1972 waren durchschnittlich 176,7 Zentimeter groß. Jene des Jahrganges 2001 maßen um knapp eineinhalb Zentimeter mehr, 178,1 nämlich. Marc Luy von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften berichtet, dass das vor allem mit Gesundheit und Ernährung zusammenhänge. Wobei es sich lohne, weiter zurückzublicken; dann werde deutlich, dass das Wachstum beinahe zum Erliegen gekommen ist. Untersuchungen der Uni Tübingen zeigen dies.
In hiesigen Breiten hatte die Durchschnittsgröße 1900 weniger als 170 Zentimeter betragen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es also größere Zuwächse.

Jeder Vierte übergewichtig

Gesundheit und Ernährung entwickeln sich nicht immer nur gut. Im Gegenteil: Beim Gewicht hapert es zunehmend. Auch das belegen die Daten, die bei den Musterungen erhoben werden: Bundesweit hat das durchschnittliche Körpergewicht von den Geburtsjahrgängen 1972 bis 2001 um etwas mehr als fünf Kilogramm zugenommen. Bei den Vorarlbergern ist es von 68,6 auf 73,9 kg gestiegen, bereits ein Viertel ist übergewichtig. Österreichweit nähert sich der Anteil mit 30,1 Prozent gar einem Drittel. Laut Harald Geiger, Leiter der Kinder- und Jugendprogramme beim Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) kommt hier einiges zusammen. Vereinfacht ausgedrückt gibt es zu viel schlechte Ernährung und zu wenige Bewegung. „Snacks“ und andere Malzeiten setzen sich zu einem erheblichen Teil aus Zucker und Fetten in Form von gesüßten Getränken, Schokolade oder Fleisch zusammen.

Übergewicht beginne aber erst mit der Einschulung, so Geiger: „Da haben wir das Problem, dass wir die Kinder zum Sitzen verdammen und so einen strukturellen Bewegungsmangel erzeugen, der außerhalb der Schule nicht unbedingt kompensierbar ist.“ Bei weiten nicht in jeder Familie stehe ein Garten mit Sportgeräten zur Verfügung, Gesundheit und Bewegung seien oft gar keine Kategorien: „Da muss man immer auch die sozialen Umstände beachten.“
„Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, bestätigt Landesschularzt Tobias Lingenhöle: „Das kann man nicht der Schule allein anlasten.“ Eine gesunde Jause und regelmäßig Sport seien natürlich wichtig. Gerade bei massivem Übergewicht sei es jedoch schwierig, etwas dagegen zu unternehmen. Ein fix angestellter Schularzt könne mit Betroffenen zumindest ein Vertrauensverhältnis aufbauen und so Einfluss nehmen. Allerdings gebe es solche Ärzte nur an Bundesschulen, nicht aber an Pflicht- wie Volks- und Mittelschulen, wo sie ebenfalls nötig wären.