Einsam statt gemeinsam

Vorarlberg / 25.03.2021 • 19:20 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Jutta, Martha, Elmar und Inge (v. links) sprechen über ihre Einschränkungen durch Corona, was sie momentan am meisten vermissen und welche Veranstaltungen des Seniorenclubs nicht stattfinden können. <span class="copyright">Jun</span>
Jutta, Martha, Elmar und Inge (v. links) sprechen über ihre Einschränkungen durch Corona, was sie momentan am meisten vermissen und welche Veranstaltungen des Seniorenclubs nicht stattfinden können. Jun

Die Vorstände des Seniorenclubs Bludenz erzählen, wie sie die Coronazeit erleben.

Bludenz Am meisten vermisst Elmar das Essengehen. Der 66-Jährige wanderte immer gerne auf die Lindauer Hütte, um sich dort seine wohlverdiente Brotzeit zu gönnen. Er ist viel in den Bergen unterwegs. Das Wandern und Skitourengehen sind seine Leidenschaften. Ähnlich geht es Martha, die Wanderführerin ist. Auch sie liebt es, in den Bergen unterwegs zu sein, ist seit Corona häufig auf der Skipiste anzutreffen. Das Essengehen in den Hütten vermisst sie nicht. Seit Corona nimmt sie immer eine Jause mit auf den Berg und ist damit ganz zufrieden. Martha reist sonst viel, will immer etwas Neues sehen. Doch seit Corona ist alles anders. „Jetzt entdecke ich unser Land von einer anderen Seite. Wir leben in einem unendlich schönen Land“, schwärmt die 65-Jährige. Warum auch immer so weit wegfahren, wenn einem die Schönheit der Natur direkt zu Füßen liegt? Elmar dagegen wollte noch nie weit weg: „Alles, was
ich brauche, habe ich hier in Bludenz.“

Über 80-Jährige leiden am meisten

Die Vorarlberger Senioren würden privilegiert leben, denn ihnen gehe es von allen Bevölkerungsgruppen am besten, sind sie doch beruflich nicht eingeschränkt und bekommen jeden Monat ihre Pension aufs Konto. Und doch fehlen ihnen das gemeinsame Treffen, die Unternehmungen, das Jassen und der Austausch untereinander. Der Seniorenclub Bludenz mit seinen 1400 Mitgliedern organisiert solche Busfahrten, Wanderungen, Ausflüge zu kulturellen Veranstaltungen und das wöchentliche Jassen. Seit Corona findet aber keine dieser Veranstaltungen mehr statt. Viele Senioren sind nun allein zu Hause. Vor allem die über 80-Jährigen haben es momentan sehr schwer. „Die sind die Leidtragenden“, sagt Martha, denn ihre Generation könne zwar noch ein Handy bedienen, die über 80-Jährigen aber meistens nicht mehr.

Früher trafen sich die Senioren regelmäßig mittags im Füchsle zum Essen und Tratschen. Doch auch wenn die Gaststätten wieder offen haben, so seien viele Senioren nicht mobil genug, um sich in der Teststraße testen zu lassen. Sie hätten keine Möglichkeit, aktiv zu sein. Normalerweise bietet der Seniorenclub unter anderem Yoga und Pilates an, damit sich die Senioren sportlich betätigen können. Doch momentan sind auch diese Kurse auf Eis gelegt, wenngleich es aber schon einige Anmeldungen dafür gibt, denn in der Regel machen bis zu 40 Personen bei der Gymnastik mit, erzählt Inge Naier, Obfrau des Seniorenclubs, die selbst täglich 10.000 Schritte geht. Ihre Großfamilie hält sie ebenfalls auf Trab und fordert sie. Jutta dagegen hält sich mit der Betreuung des Nachbarskindes fit. Die 71-Jährige bleibt lieber zu Hause. Mit ihrem Sohn, der in der Schweiz wohnt, hat sie meistens nur telefonisch Kontakt.

Seniorenbörse läuft weiter

Wer deutlich mehr telefoniert, ist Elmar. Als Obmann der Seniorenbörse rufen bei ihm rund 300 Senioren an, die Hilfe im Haus benötigen, zum Beispiel jemanden brauchen, der für sie putzt, den Rasen mäht, Schnee schippt, handwerkliche Arbeiten erledigt, aber auch mit ihnen zum Arzt oder einkaufen geht. Die 30 Helfer, die für ihre Arbeiten einen Obolus verlangen, sind ebenfalls Senioren. Elmar betont, dass dieses Angebot auch trotz Corona weiterläuft, denn bei den Hilfsarbeiten entstehe wenig Kontakt. Und: „Wir suchen noch Helfer“, wirbt Elmar. Gefragt sind vor allem 60- bis 65-jährige Pensionisten, die im Garten mithelfen können, handwerklich affin
sind oder sich mit Finanzen auskennen.

Planungen derzeit nicht möglich

Die Mitglieder des Seniorenclubs sind dagegen zum Warten verdonnert. Regelmäßig besprechen die Vorstände via Zoom das weitere Vorgehen, doch ihnen sind nach wie vor die Hände gebunden. Auf die schnelllebigen Regeln könne man nicht zeitnah reagieren. Die Organisation für einen Ausflug nehme viel Zeit in Anspruch. Zudem sei eine lange Busfahrt mit Maske für die Senioren nicht möglich, weiß Martha. „Wir können als Verein die Regeln wie Abstand und Maske nicht kontrollieren“, gibt auch Inge zu bedenken. Auch verschaffe eine Impfung momentan noch keine Freiheit, merkt Elmar an. Daher gebe es heuer weder eine Karfreitagsmeditation, noch ein Preisjassen oder eine Muttertagsfeier. Eine Reise in die Steiermark ist im Herbst geplant. „Das Programm steht. Das müssten wir nur aus der Schublade ziehen, sobald es wieder möglich ist“, sagt Inge.

Impfen lassen würden sich alle. „Ich will das Virus nicht kriegen“, sagt Martha und spricht allen aus der Seele. „Ich habe Respekt, aber keine Angst davor. Ich lasse mich impfen – egal mit welchem Impfstoff.“ VN-JUN

„Wir können als Verein die Regeln wie Abstand und Maske nicht kontrollieren.“