Situation für Friseure zum Haareraufen

Vorarlberg / 25.03.2021 • 18:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Der Andrang hat nachgelassen“, sagt Friseurin Andrea Amann.BVS
„Der Andrang hat nachgelassen“, sagt Friseurin Andrea Amann.BVS

Schleppendes Geschäft: Vom anfänglichen Kundenansturm ist bei den Friseuren inzwischen keine Spur mehr.

Lustenau, Hohenems, Götzis Nach langer Durststrecke durften die Friseure am 8. Februar wieder zur Schere greifen. Die Kunden kamen zahlreich, auch wenn sie vor dem Friseurbesuch einen Zwischenstopp in einer Corona-Teststraße einlegen mussten.

Mittlerweile ist die Lage für viele Friseure im Land zum Haareraufen. Denn: Vom anfänglichen Kundenansturm ist keine Spur mehr. „Die ersten drei Wochen waren wir ausgebucht. Im März war aber außergewöhnlich wenig los“, klagt etwa Marcel Egger, Inhaber des Friseur- und Beautystudios Egger3 in Lustenau. Der Kundenrückgang führt er in erster Linie auf die Zutrittstests zurück. „Viele Kunden sagen uns, dass sie erst wieder zu uns kommen wollen, wenn die Testbarriere fällt oder die Selbsttests anerkannt werden.“ Auch mit uneinsichtigen Kunden und Testmuffeln hat Egger regelmäßig zu tun. „Wir erleben immer öfter, dass Kunden ohne oder mit abgelaufenem Test zum Termin kommen und hoffen, dass wir die Augen zudrücken. Das machen wir aber auf keinen Fall, das wäre ungerecht gegenüber unseren Kunden, die sich brav testen lassen“, will er betont wissen.

Die Nähe zur Schweizer Grenze verschärfe seine Lage. „Es fehlen uns weiterhin die Schweizer Kunden, die bei uns 30 Prozent ausmachen“, bedauert er. Außer in der Zeit, in der der Salon komplett geschlossen war, mussten Egger und sein Team im März zum ersten Mal wieder in Kurzarbeit. „Wir hoffen, dass die Testverweigerer ihres Spiegelbilds mit den ungepflegten Haaren überdrüssig werden und wieder gerne getestet zum Friseur gehen wollen“, lässt er seinem Unmut freien Lauf.

Test als Hürde

Auch bei Andrea Amann vom Friseursalon crehaartiv in Hohenems ist ungewöhnlich wenig los. „Die ersten zwei Wochen nach der Wiedereröffnung ist es bei uns rundgegangen. Inzwischen hat der Andrang beträchtlich nachgelassen“, bedauert Amann, die zwei Angestellte beschäftigt. „Genügend Arbeit für uns alle drei gibt es nicht.“ Die Coronatests würden vor allem für ältere Kunden eine große Hürde darstellen.

„Viele kennen sich nicht aus, haben kein Handy oder keinen Internetzugang.“ Die sogenannten Nasenbohrer-Tests, die in den neuen Testzentren unter Aufsicht durchführbar sind, seien in dieser Hinsicht eine Erleichterung. Sie hofft, dass das Geschäft möglichst bald wieder anläuft. „Corona wird wohl nicht mehr weggehen, aber ich wünsche mir, dass wir die Pandemie in den Griff bekommen und bald wieder mehr Arbeit haben.“

„Friseure bluten“

Der Innungsmeister der Friseure, Günther Plaickner, erlebt gerade dieselbe Situation in seinem Salon in Götzis. Seit sieben Wochen darf auch er seinen Kunden wieder ihre Wunschfrisur verpassen. „Am Anfang lief das Geschäft sehr gut, die letzten 14 Tage nahm es deutlich ab. Kurz vor Ostern ist der Terminkalender zwar wieder gut gefüllt, aber es kommt auch wieder eine Zeit danach“, fasst Plaickner zusammen. Er selbst verzeichnet in seinem Salon einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent. Für Betriebe nahe an der Grenze zu Deutschland, der Schweiz oder Liechtenstein sei die Situation aber besonders herausfordernd. „Diese bluten jetzt ordentlich, weil dort der Anteil der Kunden aus dem Ausland bis zu 50 Prozent beträgt.“ Plaickner sieht die Testpflicht als größte Herausforderung für die Branche. Vor allem für ältere Kunden stelle diese ein großes Hindernis dar. „Solange die Testpflicht besteht, bleibt es für uns schwierig.“ Eine erste Abhilfe könne die Einführung von Selbsttests bei den körpernahen Dienstleistern schaffen. Plaickner wünscht sich in dieser Hinsicht mehr Vertrauen von Seiten der Politik. „In unserer Branche sind wir ohnehin Hygieneweltmeister.“

„Immer öfter kommen Kunden ohne oder mit abgelaufenem Test zum Termin.“

Günther Plaickner (l.) und Marcel Egger (o.) können mehr Abstand bieten, als ihnen lieb ist.
Günther Plaickner (l.) und Marcel Egger (o.) können mehr Abstand bieten, als ihnen lieb ist.
Situation für Friseure zum Haareraufen

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